27. Oktober 2022: Benennung der Rudolf-Gelbard-Gasse

Im Rahmen eines Festakts feierlich benannt wurde
heute die Rudolf-Gelbard-Gasse in Wien Döbling. Die Gasse ist ein
Teilabschnitt des 12.-Feburar-Platzes – ein entsprechender Antrag auf
Benennung wurde im Juni 2021 Jahr von der SPÖ Döbling eingebracht und
von allen Parteien der Bezirksvertretung einstimmig angenommen. Bei
der Benennung anwesend waren SPÖ Wien-Landesparteivorsitzender
Bürgermeister Dr. Michael Ludwig, Kulturstadträtin Veronica
Kaup-Hasler, SPÖ Wien-Landesparteisekretärin und Vorsitzende der SPÖ
Döbling Barbara Novak, BA der stellvertretende Döblinger
Bezirksvorsteher Thomas Mader sowie die Witwe des Verstorbenen,
Ingeborg Gelbard.

SPÖ Wien-Landesparteivorsitzender Bürgermeister Dr. Michael Ludwig
würdigte Prof. Rudolf Gelbard in seinen Worten als einen der
wirksamsten Zeitzeugen und überzeugten Sozialdemokraten: „Rudolf
Gelbard hat bis zum Ende seines Lebens mit aller Kraft als Zeitzeuge
sowie auch als Aktivist gewirkt. Zurückhalten, aber doch emotional
und mit sehr klarer Sprache hat er sein Schicksal sowohl jenen, die
die Zeit des Nationalsozialismus selbst erlebt haben, als auch der
jungen Generation näher gebracht. Er war ein kraftvoller Mahner, dass
es Rechtsextremismus und Neonazismus nicht mehr geben darf. Wir alle
haben Rudolf Gelbard sehr viel zu verdanken. Als Zeitzeuge wie auch
als Mensch wird er unvergessen sein“, betonte Bürgermeister Dr.
Michael Ludwig.

Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler zollte Prof. Rudolf Gelbard
Respekt und Anerkennung: „Seine beeindruckende Persönlichkeit
spiegelt sich schon alleine in den Geschichten wider, die Menschen
mit großen Enthusiasmus über ihn erzählen. Als Antifaschist und
Kämpfer für Gerechtigkeit ist Rudolf Gelbard konsequent gegen
Antisemitismus aufgetreten und hat andere unermüdlich über die
Gräueltaten, die in dieser Stadt und in diesem Land passiert sind,
aufgeklärt. Ich freue mich, dass nun eine Straße in Wien nach ihm
benannt ist und er sich somit nicht nur in die Geschichte, sondern
auch in die Topografie dieser Stadt eingeschrieben hat“, so
Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler.

„Das Ableben vieler Holocaust Überlebender aufgrund ihres
mittlerweile hohen Alters macht es umso wichtiger, diesen Zeitzeugen
ein bleibendes Andenken zu bewahren“, ergänzte SPÖ
Wien-Landesparteisekretärin Barbara Novak, BA. „Straßenbenennungen
nach bekannten Persönlichkeiten sind ein wichtiger Teil der
Erinnerungskultur. Mit der Benennung der Rudolf-Gelbard-Gasse halten
wir die Erinnerung an Rudolf Gelbard als einen der aktivsten
österreichischen Zeitzeugen unter den Überlebenden des NS-Regimes
auch nach seinem Tod aufrecht. Das Erbe Rudolf Gelbards lebt in den
vielen Spuren, die er hinterlassen hat, weiter.“ Barbara Novak führte
weiter aus: „Es ist kein Zufall, dass gerade ein Teilabschnitt des
12.-Februar-Platzes nach Rudolf Gelbard benannt ist. Neben der
historischen Bedeutung bewohnte Rudolf Gelbard selbst eine Wohnung im
Karl-Marx-Hof. Von seinem Balkon aus sah er direkt auf den
12.-Februar-Platz. Nichts könnte passender sein, als ihm gerade hier
ein würdiges Denkmal zu setzen“, so die SPÖ
Wien-Landesparteisekretärin ergänzend.

Erfreut über die Benennung des neuen Straßenabschnitts zeigte sich
auch Bezirksvorsteher-Stellvertreter Thomas Mader von der SPÖ. „Die
unermüdliche Aufklärungsarbeit Rudolf Gelbards und die Schilderung
seines Schicksals insbesondere vor vielen tausenden Jugendlichen
haben einen wesentlichen Beitrag zur Aufklärung über die Verbrechen
des Nationalsozialismus, gegen das Wiederaufkeimen des Faschismus und
gegen das Vergessen geleistet. Ich bin stolz darauf, ihn persönlich
gekannt zu haben“, so BV-Stv. Thomas Mader.

Zur Person Prof. Rudolf Gelbard

Prof. Rudolf Gelbard wurde am 4. Dezember 1930 in Wien geboren. Im
Jahr 1942 wurde er von den Nationalsozialisten ins
Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, das er gemeinsam mit
seinen Eltern überlebte. Nach dem Krieg holte er die ihm
vorenthaltene Bildung nach und war im Bundesministerium für soziale
Verwaltung tätig. Von 1975 bis Ende der 1990er-Jahre arbeitete er in
der Ombudsmann-Redaktion der Zeitung „Kurier“. Rudolf Gelbard war
Mitglied des Vorstands des Dokumentationsarchivs des Österreichischen
Widerstandes. Er war Träger des Großen Goldenen Ehrenzeichens des
Bundesverbandes Israelitischer Kultusgemeinden in Österreich, des
Goldenen Verdienstzeichens des Landes Wien, des Silbernen
Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich und des
Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst. Seit 2008
vergibt der „Republikanische Club Neues Österreich“ den
„Rudolf-Gelbard-Preis für Aufklärung gegen Faschismus und
Antisemitismus“. Ebenfalls im Jahr 2008 veröffentlichte Walter Kohl
das Buch „Die dunkle Seite des Planeten: Rudi Gelbard, der Kämpfer.
Im selben Jahr würdigte auch der Sender 3sat Rudolf Gelbard mit der
Dokumentation „Der Mann auf dem Balkon. Rudolf Gelbard –
KZ-Überlebender, Zeitzeuge, Homo Politicus“. Bis zu seinem Tod gab
Rudolf Gelbard sein Wissen über die NS-Zeit an die nachfolgenden
Generationen weiter. Rudolf Gelbard starb 2018 in Wien.

Am 9. Mai 2022 wurde zu Ehren Rudolf Gelbards das „Prof. Rudolf
Gelbard Symposium“ abgehalten. Die Veranstaltung kann hier in voller
Länge nachgesehen werden:
[https://www.youtube.com/watch?v=v2mJRmTvwzQ]
(https://www.youtube.com/watch?v=v2mJRmTvwzQ)

Fotos der Veranstaltung finden Sie hier:
https://flic.kr/s/aHBqjA9ZHy

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