Prof.in Käthe Sasso – Widerstand, Bildung und Verantwortung
Prof.in Käthe Sasso (1926–2024) war eine der bedeutendsten Zeitzeuginnen des österreichischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Bereits als Jugendliche engagierte sie sich mutig im antifaschistischen Widerstand, wurde verhaftet und inhaftiert. Diese Erfahrungen prägten ihr gesamtes Leben und ihren unermüdlichen Einsatz für Demokratie, Menschenrechte und politische Bildung.
Nach 1945 widmete sich Käthe Sasso insbesondere der Erinnerungsarbeit und der historisch-politischen Bildungsarbeit, vor allem mit jungen Menschen. Als Zeitzeugin machte sie die Verbrechen des Nationalsozialismus greifbar und verband persönliche Erinnerung stets mit einem klaren Auftrag für die Gegenwart: Verantwortung zu übernehmen, wachsam zu bleiben und aktiv für eine gerechte, solidarische Gesellschaft einzutreten.
Für ihr Engagement wurde sie vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien. Käthe Sasso verstand Erinnerung nie als Rückblick allein, sondern als Verpflichtung für die Zukunft. Ihr Wirken bleibt Vorbild und Auftrag zugleich.
Die SPÖ-Bundesbildungsorganisation will sich dem Gedenken an Prof.in Käthe Sasso in besonderer Weise annehmen. Mit großer Dankbarkeit blickt sie auf die jahrzehntelange Zusammenarbeit mit Käthe Sasso zurück, deren Engagement, Klarheit und Menschlichkeit die politische Bildungsarbeit nachhaltig geprägt haben. Für viele war sie nicht nur eine beeindruckende Zeitzeugin, sondern auch eine verlässliche Partnerin und Wegbegleiterin.
Besonders eng verbunden war Käthe Sasso über viele Jahre mit Prof. Dr. Gerhard Schmid, der ihr in langjähriger Freundschaft verbunden war. Diese persönliche Beziehung steht exemplarisch für das, was Käthe Sasso auszeichnete: Haltung, Vertrauen und das konsequente Eintreten für demokratische Werte – im Gespräch, in der Bildungsarbeit und im gesellschaftlichen Handeln.
Das Prof.in Käthe-Sasso-Symposium versteht sich nicht nur als würdige Erinnerung an ihr Lebenswerk, sondern auch als bewusster Schritt, ihr Vermächtnis in die Gegenwart zu übertragen. Gerade deshalb war es ein zentrales Anliegen, unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen und eine Austauschplattform über politische Grenzen hinweg zu schaffen.
Im Sinne von Käthe Sasso – die Dialog immer als Stärke der Demokratie begriff – sollte das Symposium Raum geben für Diskussion, Nachdenken und gemeinsame Verantwortung: Wie gelingt Erinnerungsarbeit heute? Welche Bildungsaufträge ergeben sich daraus? Und wie können demokratische Kräfte gemeinsam gegen Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit auftreten?
18. März 2026: Zivilcourage in herausfordernden Zeiten

Eröffnung im Zeichen von Geschichte und Verantwortung
Wolfgang Markytan, SPÖ-Bundesbildungsgeschäftsführer, brachte bei der Eröffnung der Veranstaltung das Leitmotiv auf den Punkt: „Die Menschen zum Denken zu bringen, zum Sehen und Hören zu bringen, das ist unsere Aufgabe.“ Dieses Zitat von Rosa Jochmann unterstreicht den Anspruch der Bildungsarbeit. Zugleich betonte er die Notwendigkeit, sich immer wieder die Frage nach dem „Warum“ zu stellen.
Vizebürgermeisterin Kathrin Gaal eröffnete das Symposium mit einem Blick auf Favoriten als traditionsreichen Bezirk der Arbeiter:innenbewegung. Sie erinnerte an die Geschichte des Roten Wien und hob insbesondere die Errungenschaften im Wohnbau hervor. Gleichzeitig warnte sie vor aktuellen demokratiepolitischen Herausforderungen wie wachsendem Antisemitismus und rechtsextremen Ideologien. Käthe Sasso würdigte sie als prägende Persönlichkeit der Erinnerungskultur, deren Vermächtnis heute weitergetragen werden müsse. „Umso wichtiger sind klare Haltung, Wachsamkeit und Widerstand“, so Gaal.

Auch Dr. Sascha Obrecht, Abgeordneter zum Wiener Landtag und Direktor des Karl-Renner-Instituts, betonte die Bedeutung des Symposiums als Ort des Lernens und der Weitergabe von Werten. Käthe Sasso stehe für Mut, Widerstand und Menschlichkeit unter extremsten Bedingungen. Zugleich verwies er auf die Verantwortung politischer Bildung: Geschichte müsse nicht nur erinnert, sondern auch verstanden werden, um daraus Handlungsfähigkeit für die Gegenwart abzuleiten. „Geschichte ist nichts Abgeschlossenes – sie stellt uns immer wieder vor die Frage, wie wir heute handeln“, so Obrecht.

Erinnerung, Zivilcourage und Demokratie im Fokus
Petra Bayr, Präsidentin der Parlamentarischen Versammlung des Europarates und Präsidentin des Kuratoriums der Wiener Bildungsakademie, unterstrich die Aktualität der drei zentralen Themen des Symposiums: Erinnerungskultur, Zivilcourage und Demokratie. Sie hob hervor, wie wichtig es sei, die Erfahrungen von Zeitzeug:innen so zu vermitteln, dass sie für kommende Generationen verständlich und erlebbar bleiben. Gleichzeitig stellte sie die Frage nach neuen Formen von Zivilcourage – insbesondere angesichts von Hass im digitalen Raum – sowie nach Antworten auf Desinformation und hybride Bedrohungen. „Die Frage ist, wie wir Erinnerung, Zivilcourage und Demokratie heute konkret weitertragen und verteidigen“, so Bayr.

Käthe Sasso im historischen Kontext
In der Gesprächsrunde „Wer war Käthe Sasso?“ zeichneten Brigitte Fenko, ORF-Mitarbeiterin a.D. und langjährige Lebensfreundin von Käthe Sasso, sowie Dr.in Karin Moser, Medienhistorikerin und stellvertretende Direktorin der Wiener Bildungsakademie, ein eindrucksvolles Bild der Nachkriegszeit. Sie zeigten, wie die anfängliche Entnazifizierung rasch in den Hintergrund trat und der sogenannte Opfermythos zur Verdrängung beitrug. Überlebende wurden häufig marginalisiert und zum Schweigen gedrängt. Käthe Sasso hingegen blieb standhaft, berichtete öffentlich und setzte sich unermüdlich für Aufklärung ein. „Erinnerung war lange von Verdrängung geprägt – und Zivilcourage bedeutete oft, überhaupt gehört zu werden.“

Erinnerung als demokratischer Prozess
Mag.a Nina Abrahamczik, Abgeordnete zum Wiener Landtag und Vorsitzende des Gemeinderatsausschusses u.a. für Demokratie, sowie Nikolaus Kunrath, Bezirksrat und ehemaliger Landtagsabgeordneter, widmeten sich den „Herausforderungen der Erinnerungskultur“. Dabei wurde deutlich, dass Erinnerung kein statischer Zustand ist, sondern ein aktiver gesellschaftlicher Prozess. Besonders wichtig sei es, auch bisher wenig sichtbare Opfergruppen einzubeziehen und gesellschaftliche Aushandlungsprozesse zu fördern. „Erinnerungskultur ist kein abgeschlossener Zustand, sondern ein aktiver, gesellschaftlicher Prozess.“

Zivilcourage als Auftrag
Christa Bauer, MAS, Geschäftsführerin des Mauthausen Komitees Österreich, sowie Mag.a Marie Lercher, Teilnehmerin des Käthe-Sasso-Lehrgangs, betonten die zentrale Rolle von Zivilcourage als Vermächtnis der Überlebenden und als Auftrag für die Gegenwart. Bildungsarbeit, Engagement und persönliches Handeln seien entscheidend, um demokratische Werte zu sichern – insbesondere angesichts zunehmender rechtsextremer Vorfälle. „Es liegt an uns allen, Zivilcourage zu zeigen und Verantwortung für die Demokratie zu übernehmen.“

Grußworte und internationale Perspektive
In einer Videobotschaft würdigte die Salzburger Landeshauptfrau Mag.a Karoline Edtstadler Käthe Sasso als außergewöhnliche Persönlichkeit, die sie auch persönlich kennenlernen durfte. Sie hob deren Mut und Menschlichkeit hervor und unterstrich die Verantwortung, dieses Vermächtnis in herausfordernden Zeiten weiterzutragen: „Es ist unsere Aufgabe, ihr Vermächtnis weiterzutragen und für Menschlichkeit und Demokratie einzustehen.“

Demokratie unter Druck – neue Herausforderungen

In der abschließenden Gesprächsrunde diskutierten der ehemalige Chefredakteur Dr. Herbert Lackner sowie der SPÖ-Bundesbildungsvorsitzende und Dritte Wiener Landtagspräsident Prof. Dr. Gerhard Schmid über aktuelle Gefährdungen der Demokratie. Lackner verwies auf politische Entwicklungen sowie den zunehmenden Einfluss wirtschaftlicher Macht auf Medien und Politik. Schmid ergänzte, dass Demokratie kein Selbstläufer sei, sondern aktiv gestaltet werden müsse: „Demokratie muss ständig in Bewegung gehalten und aktiv verteidigt werden.“

Darüber hinaus warnte Schmid vor einer neuen strukturellen Gefahr: einer Verbindung von wirtschaftlicher Macht und politischem Einfluss, die er als „eine Art oligarchischer Kapitalismus“ beschreibt. Dieser stelle eine „extreme Bedrohung der Demokratie“ dar. Als zentrale Antwort forderte er verstärkte Bildungsarbeit sowie einen breiten gesellschaftlichen Schulterschluss: „Wir müssen in Bildung investieren“ und „einen Schulterschluss aller weltoffenen, liberalen und humanistischen Kräfte herbeiführen.“ Orientierung biete dabei das Vermächtnis Käthe Sassos – „Zivilcourage und Hartnäckigkeit“ als Auftrag, „dranzubleiben und sich am Ende durchzusetzen“.

Gemeinsamer Auftrag für die Zukunft
Das Symposium machte deutlich: Erinnerung, Zivilcourage und Demokratie sind untrennbar miteinander verbunden. In einer Zeit wachsender Herausforderungen braucht es Engagement, Bildung und Zusammenhalt. Käthe Sasso bleibt dabei eine zentrale Orientierung – als Mahnerin, als Vorbild und als Auftrag für kommende Generationen.

Ein besonderer Dank gilt den Mitwirkenden und Partnerorganisationen – darunter die SPÖ-Bildung, die Wiener SPÖ-Bildung, das Karl-Renner-Institut und die Wiener Bildungsakademie – und allen Unterstützer:innen hinter den Kulissen sowie Kurt Brazda, der seinen Film im Auftrag des WIFAR umgesetzt hat: https://www.film.at/erschlagt-mich-ich-verrate-nichts-kaethe-s


7. Mai 2024: 1. Prof.in Käthe-Sasso-Symposium
Am 7. Mai 2024 fand im Stadtsenatssitzungssaal des Wiener Rathauses das 1. Prof.in Käthe-Sasso-Symposium statt. Die Veranstaltung wurde auf Einladung von Bürgermeister Dr. Michael Ludwig durchgeführt und stand ganz im Zeichen der Würdigung des Lebenswerks von Käthe Sasso sowie der Frage, wie ihr Engagement in Gegenwart und Zukunft weitergetragen werden kann.
Eröffnet wurde das Symposium von Prof. Dr. Gerhard Schmid, Bundesbildungsvorsitzender der SPÖ und Wiener Landtagsabgeordneter. In seinen einleitenden Worten erinnerte er an Käthe Sasso als außergewöhnliche Persönlichkeit und betonte die Verantwortung politischer Bildung im Kampf gegen Antisemitismus, Rassismus und Demokratiefeindlichkeit.

In zwei thematischen Gesprächsrunden diskutierten namhafte Gäste über Erinnerungskultur, Widerstand und demokratische Verantwortung. In der ersten Runde gaben Mag.a Karoline Edtstadler, Bundesministerin für EU und Verfassung, sowie Niki Kunrath, Wiener Gemeinderat, politische und gesellschaftliche Perspektiven auf das Vermächtnis Käthe Sassos.

Die zweite Gesprächsrunde widmete sich der historischen und zivilgesellschaftlichen Dimension: Dr.in Cornelia Domaschke-Prochnow, Historikerin aus Deutschland, und Dr. Gerald Netzl, Vorsitzender des Bundes der Freiheitskämpferinnen und aktiven Antifaschistinnen, beleuchteten die Bedeutung von Zeitzeug*innenschaft und antifaschistischer Bildungsarbeit im internationalen Kontext.

Einen besonders persönlichen Zugang bot das Gespräch mit Brigitte Fenko, einer langjährigen Weggefährtin von Käthe Sasso, das tiefe Einblicke in ihr Leben, ihre Haltung und ihre Menschlichkeit ermöglichte. Die beinahe vollständige Anwesenheit der Familie unterstrich den würdigen und emotionalen Charakter der Veranstaltung.

Den Abschluss bildete ein Beitrag von Doris Bures, Zweite Präsidentin des Nationalrates, die über die gemeinsame Arbeit mit Käthe Sasso an der Entstehung der Gedenkstätte „Gruppe 40“ berichtete und deren bleibende Bedeutung für die österreichische Erinnerungskultur hervorhob.

Moderiert wurde der Abend von Wolfgang Markytan, Bundesbildungsgeschäftsführer der SPÖ. In einem abschließenden gemeinsamen Austausch klang das Symposium in einer Atmosphäre des Erinnerns, der Wertschätzung und des gemeinsamen Auftrags aus: Käthe Sassos Vermächtnis lebendig zu halten und ihr Engagement entschlossen weiterzuführen.
