31. Jänner 2022: 80. Todestag von Rudolf Perco

Heute vor 80 Jahren, am 31.1.1942, nahm sich der Architekt Rudolf Perco das Leben. Er ist der Gestalter des „Fürstenhofs“ an der Praterstraße, jenem Gebäude, in dem die Wiener Bildungsakademie untergebracht ist.

Rudolf Perco wird am 14.7.1884 in Görz in eine slowenisch-italienische Arbeiter*innenfamilie geboren, die noch vor seinem Schuleintritt in die damalige Reichshauptstadt Wien zieht. Aufgrund seiner außerordentlichen zeichnerischen Begabung kann er als Stipendiat die Meisterklasse von Otto Wagner an der Akademie der bildenden Künste erfolgreich absolvieren (1906 – 1910). Während dieser Studienzeit arbeitet er bis 1911 als Chefzeichner bei Hubert Gessner, der ihn nachhaltig beeinflusst; in dieser Zeit realisiert Gessner unter anderem den Ersten Niederösterreichischen Arbeiter-Konsum-Verein samt Bäckerei in Meidling (Wolfganggasse 58-60; 1908/09), das Vorwärts-Haus an der Rechten Wienzeile (1909/10), das Arbeiterheim Floridsdorf (Angererstraße 14; 1910), die Versicherungsanstalt der österreichischen Eisenbahner an der Linken Wienzeile (1912) sowie das Eisenbahnerheim am Margaretengürtel (1912/13). Perco gehört zu den typischen Vertretern der späten „Wagnerschule“, denen im Gegensatz zu den glanzvollen Erfolgen früherer Absolventen zumeist keine erfolgreiche Karriere beschieden war.

Eines der ersten Projekte Percos als selbständiger Architekt, der „Fürstenhof“ (1913), zeigt Gessners Einfluss deutlich. Dieses Frühwerk ist von einem „klassizistischen Monumentalismus“ geprägt, der für die späte „Wagnerschule“ charakteristisch war. Die repräsentative Ausgestaltung weist auch eine große Affinität zu den zeitgleich entstandenen Bauten Hubert Gessners auf.

Der Weltkrieg unterbrach Percos vielversprechende Karriere; er musste Kriegsdienst leisten und geriet in italienische Kriegsgefangenschaft. Nach dem Weltkrieg war er einige Jahre lang nahezu ohne Beschäftigung. Also besuchte er die Technische Hochschule (1920 – 1923) und absolvierte ein Jusstudium (1920 – 1924). Erst Mitte der 1920er kann er im Rahmen des Wiener Wohnbauprogramms („Rotes Wien“) mehrere Projekte verwirklichen, darunter die spektakuläre Großwohnhausanlage am Engelsplatz in der Brigittenau (1929 – 1933). Er gestaltet vorerst gemeinsam mit Rudolf Frass und Karl Dorfmeister den Professor-Jodl-Hof am Döblinger Gürtel (1925/26) und die Wohnhausanlage „Am Wienerberg“ (1926/27). Jene Projekte, für die er allein verantwortlich zeichnet  –das ist neben dem Bau am Engelsplatz der Holy-Hof in Hernals (1928/29) – weisen starke Anklänge zum Kubismus und zur nüchternen Sachlichkeit der zeitgenössischen Moderne auf. Die Anlage am Engelsplatz ist trotz ihrer Weitläufigkeit nur ein Torso geblieben und war in noch weit größeren Dimensionen geplant und entspricht in ihrer städtebaulichen Struktur der imperialen Ausrichtung der „Wagnerschule“. Insbesondere der monumentale Eingangsbereich am Engelsplatz mit seinen Wohntürmen zeigt, wie Perco, der wesentlich zur Ausformung der sogenannten „Superblocks“ beigetragen hat, die Macht der Arbeiterschaft architektonisch zum Ausdruck bringen wollte.

Aufgrund seiner politischen Zuordnung zur Sozialdemokratie, aber auch aufgrund seiner schwierigen, einzelgängerischen und eigenbrötlerischen Persönlichkeit stand Perco im austrofaschistischen Ständestaat wieder ohne Aufträge da; obwohl er nahezu manisch an zahlreichen Wettbewerben teilnahm, konnte er kein Projekt verwirklichen. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialist*innen in Österreich bot er sich den NS-Behörden an und erhielt 1941 schließlich eine Stelle im Baureferat des Reichsleiters Baldur von Schirach, wo er mit den Ausbauplänen für ein „Groß-Wien“ befasst war. In seinen megalomanen städtebaulichen Entwürfen kommen seine Ideen architektonischer Hervorhebung der Massen unter gänzlich anderen Vorzeichen zum Einsatz. Nach der für ihn überraschenden Entlassung – vermutlich aufgrund innerer Intrigen – beging er Suizid.

Vgl. Eintrag im Architektenlexikon (architektenlexion.at)

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