
Sozialdemokratische Bildungsorganisationen würdigen herausragendes journalistisches Lebenswerk – Demokratie, Europa und gesellschaftlicher Zusammenhalt im Mittelpunkt

Die renommierte Journalistin und Publizistin Barbara Coudenhove-Kalergi wurde im österreichischen Parlament mit dem Marie-Jahoda-Preis 2026 ausgezeichnet. Der Preis der sozialdemokratischen Bildungsorganisationen wurde bereits zum fünften Mal vergeben. Die gemeinsam mit dem SPÖ-Parlamentsklub gestaltete Festveranstaltung fand im historischen Theophil-Hansen-Saal, dem ehemaligen Bundesratssitzungssaal, statt. Unter den zahlreichen Gästen befanden sich der Wiener Landtagsabgeordnete Denis Sakić, Nürnbergs Bürgermeister Nasser Ahmed sowie Bundesrat Martin Peterl.

SPÖ-Bundesbildungsgeschäftsführer Wolfgang Markytan eröffnete die Feierlichkeiten und erinnerte an das wissenschaftliche und gesellschaftspolitische Vermächtnis der bedeutenden österreichischen Sozialwissenschaftlerin Marie Jahoda. „Mit dieser Auszeichnung wollen wir das Vermächtnis Marie Jahodas lebendig halten und Menschen vor den Vorhang holen, die mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag zu einer offenen und demokratischen Gesellschaft leisten“, so Markytan.

Demokratie braucht unabhängigen Journalismus

Heinrich Himmer, Bildungssprecher des SPÖ-Parlamentsklubs, unterstrich die Bedeutung von Bildung, Wissenschaft und kritischen Medien angesichts zunehmender Polarisierung und autoritärer Entwicklungen. „Demokratie braucht nicht nur die politische Auseinandersetzung, sondern so viel mehr: politische Bildung, Wissenschaft und natürlich auch unabhängigen Journalismus“, erklärte Himmer.

Die Laudatio hielt Gerhard Schmid, Dritter Wiener Landtagspräsident und SPÖ-Bundesbildungsvorsitzender. Er würdigte die jahrzehntelange journalistische Tätigkeit der Preisträgerin, ihre Berichterstattung über die politischen Umbrüche Mittel- und Osteuropas und ihre persönliche Lebensgeschichte. „Sie haben in Ihrer journalistischen Tätigkeit viel Mut und Courage bewiesen“, betonte Schmid. Mit ihrer Unabhängigkeit, Weltoffenheit und Fähigkeit, komplexe Entwicklungen verständlich zu vermitteln, habe Coudenhove-Kalergi Generationen geprägt.

„Wir wollen zurück nach Europa“

Im anschließenden Podiumsgespräch mit Karin Moser von der Wiener Bildungsakademie und Sascha Obrecht vom Dr.-Karl-Renner-Institut sprach die Preisträgerin über ihre Kindheit in Prag, die Vertreibung ihrer Familie nach 1945 sowie Fragen von Migration, Identität und europäischer Integration.


Besonders eindrucksvoll waren ihre Erinnerungen an die demokratischen Umbrüche des Jahres 1989. In ihrer Geburtsstadt Prag habe sie erlebt, wie Menschen auf die Straßen strömten und riefen: „Wir wollen zurück nach Europa.“

„Europa war damals und ist auch heute sozusagen das Synonym für liberale Demokratie“, erinnerte Coudenhove-Kalergi. Gerade angesichts nationalistischer und autoritärer Tendenzen gelte es, die Errungenschaften der europäischen Einigung zu bewahren.


Staatsbürgerschaft und demokratische Teilhabe

Ein weiterer Diskussionsschwerpunkt war die österreichische Staatsbürgerschaft. Sascha Obrecht kritisierte die hohen Einkommensvoraussetzungen und bürokratischen Hürden, die auch langjährig in Österreich lebende und gesellschaftlich integrierte Menschen betreffen.

„Wenn man über die Staatsbürgerschaft redet, wird man einen breiten Konsens feststellen können: Man will Menschen, die sich hier einbringen und Teil der Gesellschaft werden wollen“, erklärte Obrecht.

Karin Moser stellte im Gespräch die Verbindung zwischen den persönlichen Erfahrungen der Preisträgerin, den historischen Umbrüchen Europas und aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen her.

Ein Lebenswerk im Zeichen von Demokratie und Europa

Barbara Coudenhove-Kalergi zählt zu den bedeutendsten österreichischen Journalistinnen der Nachkriegszeit. Als langjährige ORF-Korrespondentin begleitete sie insbesondere die demokratischen Veränderungen nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. In ihren Büchern „Meine Wurzeln sind anderswo“ und „Zuhause ist überall“ beschäftigt sie sich mit Heimat, Identität und gesellschaftlicher Zugehörigkeit.

Nach der gemeinsamen Preisübergabe durch die sozialdemokratischen Bildungsorganisationen und den SPÖ-Parlamentsklub sprach Hajo Cappar von der Wiener Bildungsakademie die abschließenden Dankesworte.

Für den musikalischen Rahmen sorgte ein Blechbläserquartett der Wiener Symphoniker mit Christian Löw, Heinrich Bruckner, Reinhard Hofbauer und Wolfgang Pfistermüller. Die fünfte Verleihung des Marie-Jahoda-Preises unterstrich die Bedeutung unabhängigen Journalismus, historischer Erinnerung und politischer Bildung für eine lebendige Demokratie.

Fotos: Christian Bader
