Wir sind derzeit Zeug:innen eines tiefgreifenden Strukturwandels in der Wirtschafts- und Arbeitswelt. Als Sozialdemokrat:innen beschränken wir uns jedoch nicht auf die Rolle der Zaungäste. Wir haben den Anspruch, die Transformation in Wirtschaft und Arbeit aktiv mitzugestalten.
Die aktuelle Lage am österreichischen Arbeitsmarkt spiegelt eine anhaltend hohe Nachfrage nach Fachkräften gepaart mit hoher Arbeitslosigkeit wider. Diese Situation offenbart ein gravierendes Passungsproblem zwischen den Qualifikationen von Arbeitssuchenden und den Anforderungen der offenen Stellenangebote. Menschen mit niedrigem Qualifikationsniveau sind von diesem Problem besonders betroffen. Sie sind überdurchschnittlich stark von Arbeitslosigkeit betroffen bzw. haben ein besonders hohes Risiko arbeitslos zu werden.
Der Strukturwandel in Wirtschaft, Arbeit und Gesellschaft erfordert nicht nur zukunftsfähige Ausbildungen und Qualifizierungen von Fachkräften, sondern auch laufende Weiterbildungsaktivitäten. Hierbei müssen besonders jene Personengruppen angesprochen und gefördert werden, deren Arbeitsplätze im Zuge von Transformationsprozessen verändert werden und die bisher zu wenig von bildungs- und arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen profitiert haben, wie z.B. die „stille Reserve“.
Qualifizierungsmaßnahmen leisten einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Teilhabe. Ohne ausreichende Fachkräfte in relevanten Bereichen wie der Elementarbildung, Pflege, Ökologisierung und Digitalisierung drohen unserem Land zudem in Zukunft erhebliche wirtschaftliche und soziale Kosten des Nicht-Handelns. Um dem großen Bedarf nach qualifiziertem Personal und Fachkräften gerecht zu werden, müssen alle Möglichkeiten zur Qualifizierung von geringqualifizierten Personen und die Fachkräfteaus- und Weiterbildung konsequent ausgebaut werden – sowohl für arbeitslose Menschen als auch für Beschäftigte.
Qualifizierung und Weiterbildung müssen als zukunftsorientierte Kernaufgabe in der Politik verankert werden. Es ist unerlässlich, dass hier entschlossen gehandelt und die notwendigen Ressourcen bereitstellt, um eine nachhaltige und integrative Arbeitsmarktpolitik sicherzustellen.
Wir fordern die Erarbeitung und Umsetzung einer umfassenden und zukunftsorientierten Qualifizierungsstrategie, mit der die Bedürfnisse der Menschen in den Mittelpunkt gerückt werden. Die Qualifizierungsstrategie soll im Besonderen auf folgende Bereiche fokussieren.
Die SPÖ-Bundesbildungskonferenz 2026 fordert daher:
- Erhöhung des Budgets der Erwachsenenbildung auf mindestens 1% des Unterrichtsbudgets, um die Angebote zur Nachholung des Pflichtschulabschlusses und von Basiskompetenzen auszuweiten;
- Zusätzliche Unterstützungsangebote für die außerordentliche Lehrabschlussprüfung sowie deren Reform, um sie erwachsenengerechter zu gestalten;
- Fokus der Arbeitsmarktpolitik auf Aus- und Weiterbildungen in Zukunftsbereichen und Umsetzung einer gesetzlich verankerten Gleichrangigkeit des Ziels der Qualifizierung und des Ziels der Vermittlung auf Arbeitsplätze mit existenzsicherndem Einkommen im AMS;
- Ausbau des Qualifizierungsbudgets des AMS sowie Recht auf Qualifizierung nach einer Qualifizierungsberatung und ausreichende Existenzsicherung bei Qualifizierungsmaßnahmen für Arbeitsuchende;
- Ausweitung und langfristige Absicherung von Maßnahmen zur Reintegration von arbeitsmarktfernen Personen in den Arbeitsmarkt, wie beispielsweise Ausbildungsförderungen, Mobilitätsunterstützungen und Ausbau der Kinderbildungseinrichtungen;
- Ausbau von Um- und Weiterqualifizierungsmaßnahmen für Frauen in Zukunftsberufen, um berufliche Chancen von Frauen zu stärken und einen Beitrag zur Bewältigung der demografischen, digitalen und ökologischen Herausforderungen zu leisten;
- Rechtsanspruch auf ein Qualifizierungsgeld zumindest in Höhe des vom ÖGB geforderten KV-Mindestlohnes (Nettobetrag), um die Existenz während beruflicher Um- und Neuqualifizierung und längerer Ausbildungen zu sichern;
- Einführung eines Aus- und Weiterbildungsfonds, an dem sich Betriebe beteiligen sollen, die nicht selbst aus- oder fortbilden (können);
- Angemessene Mittelausstattung der Überbetriebliche Ausbildung (ÜBA), um Jugendlichen ohne betrieblichen Ausbildungsplatz eine qualitativ hochwertige Lehrausbildung zu ermöglichen.
Abstimmung:
►► Annahme
►► und die Weiterleitung an den SPÖ-Bundesparteitag