22. Dezember 2022: Neuer Standort für das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands

Gesellschaftspolitisch wichtiges Projekt soll mit den Jubiläumsgeldern zum 100-jährigen Bestehen von Wien als Bundesland inhaltlich stimmig auf den Weg gebracht werden.

Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) soll eine der ersten Nachnutzer*innen am Otto-Wagner-Areal werden. Die Stadt Wien hat im Kulturausschuss des Gemeinderats den entsprechenden Grundsatzbeschluss gefasst. Der historisch höchst belastete Pavillon 15, Teil des „Spiegelgrunds“, soll diesem folgend einer neuen Nutzung zugeführt werden. Das DÖW, das für seine Forschungs- und Dokumentationstätigkeit international anerkannt ist, soll demnach die Räumlichkeiten nach den notwendigen Sanierungen beziehen.

Die Stadt Wien bekennt sich zur Arbeit des DÖW und freut sich, der Stiftung einen zeitgemäßen wissenschaftlichen und musealen Betriebs zu ermöglichen. Daher beabsichtigt die Stadt, die erforderlichen Mittel für Sanierung und Adaptierung der Räume am Otto-Wagner-Areal – gemeinsam mit der Stifterin des DÖW, der Republik Österreich – einzubringen und ist diesbezüglich mit dem Bund bereits im Gespräch. Die Stadt hat Mittel in der Höhe von 9 Millionen Euro reserviert, die aus den Bundeszuschüssen für das Land Wien aus Anlass des 100-jährigen Bestehens als eigenständiges Land kommen.

Bürgermeister Ludwig: Bekenntnis dazu, die Erinnerung an die NS-Verbrechen am Areal zu bewahren

“100 Jahre Wien als eigenständiges Bundesland sind ein geschichtsträchtiger Anlass und zugleich ein Auftrag, historische Verantwortung wahrzunehmen. Dazu gehört es, die dunklen Seiten in dieser Periode zu beleuchten und aufzuarbeiten”, so Bürgermeister Michael Ludwig. “Es freut mich daher, die für kultur-, bildungs- und gesellschaftspolitische Zwecke gewidmeten Jubiläumsgelder auf diese Weise inhaltlich stimmig und würdig verwenden zu können. Denn das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) vor Ort am Otto-Wagner-Areal zu verankern, ist ein Bekenntnis, auch in Zukunft niemals zu vergessen und die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus am Areal zu bewahren.”

“Der Name ‘Am Spiegelgrund’ gilt heute als Synonym für die Verbrechen der nationalsozialistischen Medizin und die damit einhergegangenen so genannten ‘Euthanasieprogramme’. Für den historisch so schwer belasteten Pavillon 15 des Otto-Wagner-Areals, in dem mehr als 800 Kinder und Jugendliche während des NS-Regimes getötet wurden, eine inhaltlich angemessene Nachnutzung zu finden, war extrem schwierig und heikel. Umso wichtiger ist es, dass gemeinsam mit dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands die Entscheidung getroffen wurde, eine Institution, die sich auch mit diesen Inhalten auseinandersetzt dort anzusiedeln. Das DÖW hat sich dem Grundsatz ‘Erforschen, Bewahren und an die nächste Generation weitergeben’ verpflichtet und ist im Grunde der einzig passende Nutzer für den Pavillon 15”, betont Wiens Stadträtin für Kultur und Wissenschaft Veronica Kaup-Hasler.

Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands

Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) stellt eine international anerkannte Instanz in der Erforschung und Dokumentation der Verbrechen des faschistischen Regimes dar. Das DÖW suchte dringend nach einem neuen Standort, da es am Standort Altes Rathaus im ersten Bezirk schon seit längerem an akutem Platzmangel leidet. Die Räume in der Wippingerstraße 6-8 im ersten Bezirk beherbergen nicht nur die umfassenden Archive (rd. 40.000 Akten) und die Bibliothek, sondern fungieren auch als Schauraum, Beratungsstelle, Forschungsstätte sowie als Erinnerungs- und Begegnungsort.

Das 2003 am Spiegelgrund errichtete Mahnmal wird vor Ort durch eine Ausstellung zur Geschichte der NS-Medizinverbrechen ergänzt. Diese Ausstellung wurde vom DÖW entwickelt.

Die weiteren Schritte

Bevor es zu vertiefenden Planungen kommt, werden nun in einem nächsten Schritt Studien zu Raumbedarf und Realisierung durchgeführt. Bauherrin ist die Wiener Standortentwicklung GmbH (WSE). Die weiteren Umsetzungsschritte sind Gegenstand einer gesonderten Beschlussfassung durch die zuständigen Organe der Stadt Wien.

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