22. Februar 2022: Ernst Busch – Der letzte Prolet

Berlin, Hauptstadt der DDR, Ende der 1960er Jahre. Ein junger Maler soll den exzentrischen Sänger und Schauspieler Ernst Busch porträtieren. Das Gemälde ist für die Kunstausstellung der DDR 1972 in Dresden gedacht. Ein schwieriges Unterfangen!
Das ist der Aufhänger für eine biografische Graphic Novel über DEN deutschsprachigen Sänger von Arbeiterliedern. Ernst Busch sagt uns Linken viel, auch heute noch sind seine Lieder Ohrwürmer.

Busch, geboren 1900 in Kiel, war Werftarbeiter in der Kaiserzeit, Film- und Schallplattenstar in der Weimarer Republik, antifaschistischer Sänger im Exil, Gefangener der Nazis, widerborstiger Staatskünstler und Vorzeigeproletarier in der DDR. 50 Jahre später stellen Jochen Voit und Zeichnerin Sophia Hirsch recht lebendig und auf gut lesbare Art Buschs Leben dar. Man bedient sich dabei des Tricks, einige seiner WegbegleiterInnen erzählen zu lassen. So kommen Verwandte und FreundInnen, aber auch MitstreiterInnen wie der Komponist Hanns Eisler oder der US-amerikanische
Sänger Pete Seeger zu Wort. Die dargestellten Anekdoten basieren auf wahren Begebenheiten, es ist eine sozialistische Tragödie, ein grafisches Epos über Widersprüche und verlorene Träume der Linken im 20. Jahrhundert. Das Buch stellt
einen sehr guten Einstieg zu Ernst Busch dar.

Wer „das volle Programm“ will, dem sei „Er rührte an den Schlaf der Welt. Ernst Busch“, auch von Jochen Voit (Aufbau, 2010), wärmstens ans linke Herz gelegt, ein großartiges Buch!

Gerald Netzl

Jochen Voit, Sofia Hirsch: Ernst Busch – Der letzte Prolet,
Avant, Berlin 2021, ISBN 978-3-96445-059-3, 248 Seiten, € 26,00

Aus: Kämpfer

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