23. Februar 2022: Entnazifizierung einer Straße in Villach

In Österreich gibt es leider noch immer Straßen(namen), welche Personen gewidmet sind, die sich der Verbreitung des nazistischen Ungeistes schuldig gemacht haben.
Diese sind aus der öffentlichen Würdigung zu verbannen. Die Herbert-Strutz-Straße in Villach ist ein solcher Fall und ein öffentliches Ärgernis.

Der gebürtige Kärntner Strutz (6. Juni 1902 in Klagenfurt bis 1. Oktober 1973 in Wien) wurde Journalist, nachdem er zuvor die Realschule 1918 abgebrochen hatte, danach auch die Buchhandelslehre und ein Klavier- und Kompositionsstudium an der Akademie für Musik und darstellende Kunst nicht abgeschlossen hatte. Im faschistischen Ständestaat (1934- 1938) wurde seine zivilisationskritische (reaktionäre) Literatur vom Regime gut angenommen. Es liegt nahe, dass er Mitglied der „Vaterländischen Front“ war, gesichert ist aber, dass er seit 1933 illegales
Mitglied der NSDAP war. Nach der Annexion Österreichs („Anschluss“) durch Hitlerdeutschland wurde er hoch gefeiert und mit Preisen gewürdigt. Wegen seines
Rheumas wurde er bei der deutschen Wehrmacht vom Fronteinsatz befreit. Nach der Befreiung Österreichs vom Nazi-Faschismus war er kurz in amerikanischer Haft.
Wegen Falschangaben im Zuge der Entnazifizierung kam es zum Strafverfahren, das aber 1948 eingestellt wurde. In Kärnten wurde er Kunstkritiker bei der „Volkszeitung“, dem Organ der Österreichischen Volkspartei.

Nachdem er sich aus dem Journalismus zurückzog wurde er Schriftsteller. Es ist kein unabänderliches Schicksal, wenn die AnwohnerInnen der Herbert-Strutz-Straße in einer
nach einem illegalen Nazi benannten Straße wohnen müssen. Dieser Zustand kann und soll geändert werden. Deshalb hat sich eine Basisbewegung gebildet und die Mehrheit der AnwohnerInnen hat sich mit ihrer Unterschrift für eine Umbenennung der Straße ausgesprochen.


Nach Arik Brauer benennen

Mit großer Trauer nahmen wir heuer das Ableben des großen Österreichers, Malers und Musikers Arik Brauer (4. Jänner 1929 bis 24. Jänner 2021 in Wien) zur Kenntnis. Obwohl er wegen seiner jüdischen Herkunft und dem Verlust des Großteils seiner Familie im
Holocaust viel Leid erleben musste, blieb er immer tätiger Humanist und unterschied zwischen aktiven Naziverbrechern, welche große Schuld auf sich geladen haben, und
verblendeten Mitläufern.

In der Petition an den Gemeinderat der Stadt Villach wird gefordert, dass der Name des schwer belasteten Strutz ersetzt wird und eine Umbenennung der Straße in Arik Brauer-Straße beschlossen wird. Die Petition wurde von den AnwohnerInnen unterschrieben, der sich namhafte Persönlichkeiten angeschlossen haben. So der frühere Bürgermeister von Villach Helmut Manzenreiter (SPÖ), der frühere Magistratsdirektor von Villach Dr.
Bruno Kathollnig sowie zahlreiche Ärzte, Kunstschaffende und Wissenschaftler, die hier in ihrer Gesamtheit (aus Platzgründen) nicht aufgezählt werden können.



Aus: Kämpfer

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