Mit großer Betroffenheit haben die SPÖ-Bildungsorganisationen vom Tod des Schweizer Soziologen, Politikers, Autors und Menschenrechtskämpfers Jean Ziegler erfahren. Erst im vergangenen Jahr wurde Jean Ziegler von den SPÖ-Bildungsorganisationen mit dem Marie-Jahoda-Preis für herausragende wissenschaftliche Erkenntnisse ausgezeichnet. Damit wurde er für sein Lebenswerk gewürdigt, das Wissenschaft stets mit gesellschaftlicher Verantwortung verbunden hat. SPÖ-Bundesbildungsvorsitzender Prof. Dr. Gerhard Schmid würdigt Ziegler als einen der wichtigsten politischen Denker der Gegenwart: „Jean Ziegler hat Generationen von Menschen gelehrt, die Welt nicht als gegeben hinzunehmen. Seine große Stärke war es, komplexe globale Zusammenhänge verständlich zu machen und dabei niemals den Blick auf die konkreten Schicksale der Menschen zu verlieren. Er hat uns daran erinnert, dass Hunger, Armut und Ausgrenzung keine Naturgesetze sind, sondern politische Entscheidungen. Sein Leben war ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Wissenschaft in den Dienst von Humanität und sozialem Fortschritt gestellt werden kann.“ ****
Mit Ziegler verliert die internationale sozialdemokratische Bewegung einen ihrer bedeutendsten Intellektuellen, einen unermüdlichen Anwalt der Entrechteten und einen Menschen, der über Jahrzehnte hinweg die Debatte über Hunger, Armut und globale Ungleichheit geprägt hat. Jean Ziegler hat wie kaum ein anderer Wissenschafter gesellschaftliche Missstände sichtbar gemacht und gleichzeitig nie aufgehört, an die Veränderbarkeit der Welt zu glauben. Seine Bücher wurden millionenfach gelesen, seine Vorträge begeisterten Generationen von politisch engagierten Menschen und seine Tätigkeit als UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung machte ihn weltweit zu einer moralischen Instanz im Kampf gegen Hunger und soziale Ungerechtigkeit.
Schmid erinnert insbesondere an Zieglers Fähigkeit, kritisches Denken zu fördern: „Eine der wichtigsten Botschaften, die Jean Ziegler uns mitgegeben hat, war die Aufforderung, immer wieder nach dem ,Warum?‘ zu fragen. Warum entstehen Ungleichheiten? Warum gibt es Hunger in einer Welt des Überflusses? Warum werden manche gehört und andere übersehen? Dieses beharrliche Hinterfragen gesellschaftlicher Verhältnisse war der Kern seines Wirkens. Gerade für die politische Bildungsarbeit bleibt diese Haltung von unschätzbarem Wert.“
Auch Wolfgang Markytan, SPÖ-Bundesbildungsgeschäftsführer, erinnert an die persönliche Begegnung mit Ziegler: „Wir durften Jean Ziegler erst vor kurzem in seinem Zuhause besuchen. Gemeinsam haben wir Kuchen gegessen, uns über Politik, Bildung und gesellschaftliche Entwicklungen ausgetauscht und viele Stunden miteinander gesprochen. Dabei hat er uns auch sein letztes Buch persönlich mit einer Widmung überreicht. Diese Begegnung werden wir als etwas ganz Besonderes in Erinnerung behalten.“
Für Schmid zeigt gerade diese persönliche Erfahrung die außergewöhnliche Persönlichkeit Zieglers: „Trotz seiner internationalen Bekanntheit und seines beeindruckenden Lebenswerks blieb Jean Ziegler stets bescheiden, zugewandt und interessiert an anderen Menschen. Er war ein großer Intellektueller, aber zugleich jemand, der zuhören konnte und der den persönlichen Austausch suchte. Genau diese Verbindung aus wissenschaftlicher Brillanz und menschlicher Wärme hat ihn ausgezeichnet.“
Die SPÖ-Bildungsorganisationen sprechen der Familie des Verstorbenen ihr tief empfundenes Mitgefühl aus. „Unsere Gedanken sind bei seiner Familie und seinen Angehörigen. Besonders seiner Frau gilt in diesen schweren Stunden unsere Anteilnahme. Sie hat Jean Ziegler über viele Jahrzehnte begleitet und unterstützt. Wir wünschen ihr und der gesamten Familie viel Kraft und Zusammenhalt für die kommende Zeit“, betont Schmid.
Mit Jean Ziegler verliert die Welt eine Stimme, die nie aufgehört hat, auf Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen und an die Möglichkeit einer besseren Gesellschaft zu glauben. Sein Werk wird weit über seinen Tod hinaus wirken – in seinen Büchern, seinen Analysen und vor allem in der Haltung, die er unzähligen Menschen vermittelt hat: niemals aufzuhören, nach dem „Warum?“ zu fragen. Die SPÖ-Bildungsorganisationen verneigen sich vor einem außergewöhnlichen Humanisten, Sozialdemokraten und Aufklärer. Sein Vermächtnis bleibt Auftrag und Inspiration zugleich. (Schluss) bj
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