Oft werden wir nach Buch- oder Filmempfehlungen für Kinder und Jugendliche gefragt, die die Nazi-Zeit behandeln und den Bedürfnissen dieser Zielgruppe gerecht werden. Im März 2026 ist ein interessanter Jugendfilm in die heimischen Kinos gekommen, „Das geheime Stockwerk“ (A, D, Lux 2025, 96 Minuten, Regie: Norbert Lechner). Die österreichische Jugendmedienkommission hat den Film geprüft und eine Empfehlung ausgesprochen:
Inhalt
Der zwölfjährige Karl zieht mit seinen Eltern in die Berge. Sie haben dort ein altes, heruntergekommenes Grand Hotel gekauft. Statt Ferien zu machen, muss Karl bei der Renovierung helfen. Doch dann entdeckt er, dass er mit dem alten Aufzug in die Vergangenheit reisen kann. Im Hotel des Jahres 1938 lernt er das jüdische Mädchen Hannah und den Schuhputzbuben Georg kennen. Als Georg zu Unrecht des Diebstahls beschuldigt wird, wollen ihm seine Freunde helfen. Sie merken, dass seltsame Dinge im Hotel vor sich gehen. Eine spannende Detektivgeschichte beginnt. Karli recherchiert über das Jahr 1938 und den Nationalsozialismus und begreift, welcher Schatten über der Zukunft seiner neuen Freunde liegt…
Altersfreigabe
Kinder sind in diesem Film die Hauptfiguren, was eine besonders starke Identifikation für ein junges Publikum bedeutet. Ein schwieriges und ernstes Thema wird behandelt. Emotional belastend wirkt der menschenverachtende Umgang mit Menschen jüdischer Herkunft, was sich hier auch stark an der Sprache bemerkbar macht. In der Luft liegt, dass Hannah aufgrund ihrer jüdischen Herkunft in Gefahr ist.
Als entlastend ist anzuführen, dass vieles, insbesondere die Gräueltaten der Nazis, nur angedeutet wird und die Erzählung sehr langsam und kindgerecht verläuft. Für Karli ist zwar klar, dass Hannah und Georg nicht Teil seines wirklichen Lebens sein können. Altersfreigabe ab 8 Jahren.
Empfehlung
Dieser Zeitreise-Film bietet einem jungen Publikum sowohl Spannung als auch Geschichtswissen. Ein wichtiges und ernstes Thema wird hier kindgerecht in Form einer Detektivgeschichte, die den Rahmen bildet, aufbereitet. Kinder, die vielleicht noch nie etwas vom Nationalsozialismus gehört haben, werden behutsam an die Thematik herangeführt. Ein Vergleich bzw. Bezug von Vergangenheit und Jetzt-Zeit erfolgt auf den verschiedensten Ebenen.
Karl versteht anfangs nicht, warum es eine Bedeutung hat Jude/Jüdin zu sein oder eben nicht, warum nicht alle Menschen gleichbehandelt werden. Komplexe Bereiche klingen (sanft) an, darunter: Antisemitismus, Diskriminierung, Verfolgung und Flucht, Rechtsstaatlichkeit, Klassenunterschiede, Vorurteile, Propaganda und Manipulation. Die Wichtigkeit von Freundschaft wird klar vermittelt. Empfehlenswert ab 10 Jahren als Kinderkrimi mit zeitgeschichtlichen Bezügen.
Web-Tipp: https://jmkextern.bmb.gv.at/
Gerald Netzl
Text: erschienen in „Der sozialdemokratische Kämpfer“: https://www.freiheitskaempfer.at/?cat=6
Link zur Gesamtausgabe: https://www.freiheitskaempfer.at/wp-content/uploads/2026/03/DSK_1-2-3_2026.pdf