6. Mai 2026: Mauthausen-Außenlager als Lernorte

Das ehemalige Konzentrationslager Mauthausen war kein einzelner Ort, sondern ein weit verzweigtes System aus mehr als 40 Außenlagern in nahezu allen Bundesländern Österreichs. Diese regionalen Stätten des NS-Terrors prägen bis heute das historische Gedächtnis vieler Gemeinden. Seit Jahrzehnten engagieren sich lokale Initiativen gemeinsam mit dem Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) für die Aufarbeitung, Erinnerung und Vermittlung der Geschichte dieser Orte – und damit für eine aktive antifaschistische Bildungsarbeit.

Bereits 2011 wurden vom Mauthausen Komitee Österreich erstmals speziell geschulte Guides für die Vermittlung an 22 Orten ehemaliger Außenlager ausgebildet und im Bundeskanzleramt zertifiziert. Seitdem fanden weitere regionale Ausbildungsprogramme statt, etwa in Melk, Wagna/Leibnitz oder am Loiblpass. An vielen Orten werden seit 2011 regelmäßige Begleitungen und deren Vor- und Nachbereitung für Schulklassen, Lehrlingsgruppen und andere Interessierte angeboten und kontinuierlich weiterentwickelt.

Das MKÖ bietet sein Vermittlungsprogramm an einer Reihe von ehemaligen Außenlagerstandorten an, an denen seit vielen Jahren intensive Gedenk- und Bildungsarbeit geleistet wird. Buchbar sind die Begleitungen unter anderem in Guntramsdorf/Wiener Neudorf, Hirtenberg, Hinterbrühl, Redl‑Zipf, Lenzing, Vöcklabruck, Ternberg, Dipoldsau, St. Valentin, Steyr, Peggau, Wagna/Leibnitz, Bretstein, Schloss Lind, St. Lambrecht sowie an den Standorten Loibl Nord und Loibl Süd. Neu hinzugekommen sind zudem zwei weitere buchbare Vermittlungsorte im urbanen Raum: Wien-Floridsdorf und Wien-Simmering.

Ausbildung neuer Guides seit Herbst 2025

Im Oktober 2025 startete erneut eine umfassende Ausbildung für Mauthausen-Außenlager-Guides. Sie richtet sich an Menschen, die künftig Begleitungen an ehemaligen Außenlagerstandorten sowie deren Vor- und Nachbereitung durchführen wollen. Die Ausbildung besteht aus mehreren Modulen, die sowohl historisches Wissen als auch pädagogische Kompetenzen vermitteln.

Zentrale Inhalte sind:

  • Geschichte der Außenlager des KZ Mauthausen, inklusive Vor- und Nachgeschichte der jeweiligen Standorte.
  • Geschichtsdidaktik und Vermittlungskonzepte, die Jugendliche ansprechen und auf ihre Lebenswelt Bezug nehmen.
  • Workshops zu Sensibilisierung und Präventionsarbeit, etwa zu Diskriminierung, Rassismus, Rechtsextremismus und Zivilcourage.
  • Regionale Module, die direkt an jenen Orten stattfinden, an denen später Begleitungen angeboten werden.
  • Methoden der Vor- und Nachbereitung, um Gruppen fachlich und pädagogisch durch den gesamten Lernprozess zu begleiten.

Der Ansatz des MKÖ ist klar: Lokalgeschichte wird nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil der Gesamtgeschichte des Nationalsozialismus und seiner Nachwirkungen. Jugendliche sollen erkennen, dass das System Mauthausen nicht fern oder abstrakt war, sondern mitten in ihrem eigenen Umfeld stattfand.

Bezug zur Lebensrealität junger Menschen

Die Begleitungen an ehemaligen Außenlagerstandorten dienen als kraftvolle Lernorte. Durch die Auseinandersetzung mit dem historischen Ort, seiner Umgebung und den Schicksalen der Opfer entsteht ein unmittelbarer Bezug zur Lebenswelt der Jugendlichen. Ziel ist es, Mechanismen von Faschismus, Ausgrenzung und Diskriminierung verständlich zu machen und gleichzeitig Zivilcourage sowie gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein zu stärken. Die Vor- und Nachbereitungseinheiten ermöglichen es, Wissen aufzubauen, Fragen zu vertiefen und Raum für Reflexion und Diskussion zu schaffen. Dabei kommen auch Übungen zu heutigen Formen von Rassismus, Extremismus und Vorurteilen zum Einsatz.

Christa Bauer

Information und Anmeldung:

Mehr Informationen zur Ausbildung, zu den Begleitungsangeboten sowie zu allen Standorten ehemaliger Außenlager finden sich auf der offiziellen Website http://www.mauthausen-guides.at

Foto: Credit: MKÖ, Die ehemalige Küchenbaracke in Ternberg (Bezirk Steyr-Land, OÖ).

Text: erschienen in „Der sozialdemokratische Kämpfer“: https://www.freiheitskaempfer.at/?cat=6
Link zur Gesamtausgabe: https://www.freiheitskaempfer.at/wp-content/uploads/2026/03/DSK_1-2-3_2026.pdf

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