12. Dezember 2022: 80. Todestag von Robert Danneberg

„Robert Danneberg ist eine der bedeutendsten Persönlichkeiten in der Geschichte der Sozialdemokratie. Er war nicht nur einer der führenden Politiker, sondern vor allem einer der Vordenker und Mitgestalter der sozialdemokratischen Bewegung. Als aufrechter Sozialdemokrat wurde er von den Nationalsozialisten verfolgt, 1938 nach Dachau deportiert, danach nach Buchenwald und schließlich nach Auschwitz. Wo er am 12. Dezember 1942 ermordet wurde. Heute, an seinem 80. Todestag, wollen wir dieses großen Mannes der Sozialdemokratie gedenken“, betonen der SPÖ-Bundesbildungsvorsitzende Gerhard Schmid und der SPÖ-Bundesbildungsgeschäftsführer Wolfgang Markytan.

Biografie Robert Danneberg

Robert Danneberg wurde am 23. Juli 1885 als zweites Kind von Jakob Danneberg und dessen Frau Sofie in Wien geboren. Sein Vater entstammte der jüdischen Gemeinde in Budapest und war von dort nach Wien ausgewandert, wo er als Gründer eines Annoncenbüros und als Herausgeber einer Karikaturen-Zeitschrift wirtschaftlich reüssierte.

Robert Danneberg war verheiratet und hatte zwei Kinder. Seine Frau Gertrude emigrierte mit Tochter und Sohn 1938 nach England und war dort während des Krieges für den Austrian Labour Club und später in der Lokalorganisation der britischen Labour Party tätig. Sie starb 1969 im Alter von 79 Jahren in London.

Bildungsweg

Robert Danneberg besuchte ab 1895 das Akademische Gymnasium und maturierte 1903 mit Auszeichnung. Danach studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Wien, wo er am 5. Juni 1908 promovierte. Anschließend absolvierte er sein Gerichtsjahr. Aufgrund seines frühen Engagements in der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei wurde er jedoch nie in einem juristischen Beruf tätig.

Politische Laufbahn

1903 trat Robert Danneberg der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei und dem Verband jugendlicher Arbeiter bei. Er hielt Vorträge und veröffentlichte seine ersten Artikel, die vor allem im „Jugendlichen Arbeiter“ erschienen, einer Monatsschrift, für die er von 1906 bis 1918 als Redakteur tätig war.

1908 wurde Danneberg zum Sekretär der im Jahr zuvor gegründeten sozialistischen Jugendinternationale ernannt, eine Funktion, die er bis 1915 innehatte. Zudem war er von 1908 bis 1918 hauptberuflich Sekretär der sozialdemokratischen Zentralstelle für das Bildungswesen und Herausgeber der Zeitschrift „Bildungsarbeit“. Ab 1912 fungierte er auch literarischer Leiter des Parteiverlages „Wiener Volksbuchhandlungen“, dessen Mitinhaber er ab 1919 war. Zum sozialdemokratischen Parteiprogramm hielt er eine Reihe von Vorträgen und seine 1910 erstmals veröffentlichte Broschüre über dessen Grundsätze wurde in den folgenden Jahren mehrfach aufgelegt. Dannebergs Tätigkeit konzentrierte sich damit in den Jahren bis zum Ersten Weltkrieg auf die Bildungs- und Jugendarbeit der Partei. Er gehörte dem linken Flügel der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei an und stand dem Krieg ablehnend gegenüber.

Die politische Laufbahn Dannebergs in der Ersten Republik begann mit seiner Entsendung in den Provisorischen Gemeinderat der Stadt Wien im November 1918. Ab 1919 kandidierte Danneberg auf kommunaler Ebene zunächst im 3., später im 10. Bezirk. Er war von 1919 bis 1920 Gemeinderat und von 1920 bis 1934 Abgeordneter zum Wiener Landtag und Mitglied des Gemeinderates der Stadt Wien. Dabei fungierte er von 1920 bis 1923 als Vorsitzender des Gemeinderates und von 1920 bis 1932 als Präsident des Wiener Landtages. Nach dem Wahlsieg der Sozialdemokraten bei der Wiener Gemeinderatswahl am 4. Mai 1919 konstituierte sich am 19. Mai der Klub der sozialdemokratischen Gemeinderäte mit der Wahl von Ferdinand Skaret, Robert Danneberg und Amalie Pölzer als Vorsitzenden. Zudem übernahm Danneberg am 26. Mai 1919 die Funktion des Parteisekretärs.

Als Nachfolger von Hugo Breitner fungierte Danneberg von 1932 bis 1934 als amtsführender Stadtrat der Geschäftsgruppe Finanzwesen. Er war maßgeblich am Aufbau des „Roten Wien“ beteiligt. Als hervorragender Verfassungs- und Verwaltungsexperte leistete er die Hauptarbeit bei der Reform des Wiener Magistrats zu einem modernen, sozial orientierten Instrument. So fiel ihm die Hauptarbeit bei der Reform des Gemeindestatuts vom April 1920 und der Erarbeitung der Wiener Stadtverfassung vom November 1920 zu. Er schuf die rechtlichen Grundlagen für die Wohnbaupolitik der Gemeinde Wien und war federführend als Experte für die sozialdemokratische Mietrechtspolitik und in Fragen der Wohnbausteuer tätig. Die Leistungen der Gemeindeverwaltung fasste er in der Broschüre „Die sozialdemokratische Gemeinde-Verwaltung in Wien“ zusammen, die 1929 unter dem Titel „Zehn Jahre neues Wien“ in vierter Auflage erschien und in mehrere Fremdsprachen übersetzt wurde. Zudem war er Vorstand des „Volksheimes“.

Auf nationaler Ebene gehörte Danneberg der Konstituierenden Nationalversammlung vom 4. März 1919 bis 9. November 1920 an. Anschließend war er bis zur Auflösung des Parlaments am 17. Februar 1934 Abgeordneter zum Nationalrat. In dieser Zeit fungierte er auch als Stellvertretender Vorsitzender der sozialdemokratischen Fraktion im Nationalrat. Als herausragender Verfassungs- und Verwaltungsexperte seiner Partei gehörte er zu den wichtigsten Verhandlern um die Bundesverfassung 1919/1920.

Verhaftungen und Tod

Am 12. Februar 1934 wurde Danneberg, wie auch andere sozialdemokratische Funktionäre, vom Dollfuß-Schuschnigg-Regime aus politischen Gründen verhaftet. Unter strengen Auflagen entließ man ihn am 9. Oktober 1934 aus der Haft. Trotz Polizeiüberwachung arbeitete er nach seiner Entlassung in der illegalen Bewegung weiter und traf regelmäßig mit den Führern der Revolutionären Sozialisten zusammen. 1935 stellte man das 1934 wegen Hochverrat eingeleitete Verfahren wieder ein. Nachdem sich Danneberg zunächst geweigert hatte, Österreich noch rechtzeitig zu verlassen, erreichte er am 11. März 1938 die tschechoslowakische Grenze, wurde jedoch, wie alle österreichischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, von den tschechoslowakischen Behörden zurückgeschickt. 1938 neuerlich durch die Nationalsozialisten verhaftet, deportierte man ihn in das Konzentrationslager Dachau, von dort nach Buchenwald und schließlich nach Auschwitz. Dort wurde Robert Danneberg 1942 ermordet.

Ehrungen

Laut Beschluss des Stadtsenats errichtete man 1950 an der Stirnseite des linken Arkadengangs der Feuerhalle Simmering ein gemeinsames Urnendenkmal für Julius Tandler, Robert Danneberg und Hugo Breitner. Für Robert Danneberg wurde symbolisch eine leere Urne beigesetzt. In Wien-Landstraße benannte man den Dannebergplatz nach dem Politiker. Im dort gelegenen Arenbergpark, Eingang Neulinggasse, wurde 1992 ein Gedenkstein errichtet, der Robert Danneberg als „Mitgestalter des Roten Wien“ würdigt. Sein Name findet sich ebenso auf der Gedenktafel für die von den Nationalsozialisten ermordeten Mitglieder des Wiener Landtags und Gemeinderats im Wiener Rathaus.

Die SPÖ Wien vergibt seit 2010 jährlich den Robert-Danneberg-Preis für ehrenamtliche Basisarbeit

Quelle: WienGeschichteWiki

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