Im Jahr 2017 gründeten die Stadt Esch-sur-Alzette (die zweitgrößte Stadt des Landes) und das Kulturministerium die Stiftung Nationales Widerstandsmuseum. Das Nationale Museum für Widerstand und Menschenrechte hat es sich zum Ziel gesetzt, einem breiten Publikum Themen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, aber auch aktuelle Themen im Zusammenhang mit dem Widerstand gegen Menschenrechtsverletzungen oder der staatsbürgerlichen Bildung zu präsentieren.
Bereits 1956 erfolgte die Einweihung eines Nationalen Widerstandsmuseums, erbaut auf Initiative des Luxemburger Bundes der politischen Gefangenen und Deportierten LPPD. Zusammen mit einem Kriegerdenkmal wurde es zu Ehren der Opfer des Nationalsozialismus und der in den Bergwerken und Fabriken im Süden des Landes ums Leben gekommenen Arbeiter errichtet. Im März 2024 erfolgte die Eröffnung einer neuen, modernen Dauerausstellung.
Luxemburg im Zweiten Weltkrieg
Im Mai 1940 eroberte die Wehrmacht das neutrale Großherzogtum innerhalb weniger Tage. Ende Juli 1940 übernahm Gustav Simon (1900-1945) als Gauleiter des angrenzenden Gaus Koblenz-Trier die Zivilverwaltung in Luxemburg. Damit wurde das Land von Deutschland faktisch annektiert, wenn auch nicht staatsrechtlich in das Reich inkorporiert Die Nazis betrieben eine systematische Politik der Gleichschaltung und Germanisierung, Französisch und andere „fremde“ französischstämmige Einflüsse wurden verboten. Das traf auf ein erhebliches Widerstandspotential in der einheimischen Bevölkerung, die durch Einführung des Deutschen als offizielle Amtssprache im Gebrauch des Lëtzebuergeschen bestärkt wurde. Ende 1940 entstanden erste luxemburgische Widerstandsorganisationen, deren Aktivitäten im weiteren Kriegsverlauf von Sabotage- und Propagandaaktionen bis zur Nachrichtenübermittlung an alliierte Geheimdienste reichten.
Einen Höhepunkt erreichte der Widerstand gegen die deutschen Besatzer unmittelbar nach der Verschmelzung von Luxemburg mit dem Gau Koblenz-Trier zum Gau Moselland am 30. August 1942 und der damit verbundenen Einführung der allgemeinen Wehrpflicht für Tausende Luxemburger. Im Anschluss an die blutige Niederschlagung von Streiks im Spätsommer 1942 wurden rund 4.000 deutschfeindliche Luxemburger nach Deutschland und in die besetzten Ostgebiete zwangsumgesiedelt. Etwa 10.000 Männer wurden zu Wehrmacht oder Waffen-SS einberufen (1.500 meldeten sich freiwillig), von ihnen sind 1.764 gefallen und 1.974 vermisst. Etwa 1.200 flüchteten vor ihrer Einberufung und 2.300 desertierten bzw. liefen zum Feind über. Es gibt in Luxemburg viele Denkmäler für die Zwangsrekrutierten. In Frankreich gibt es einen eigenen Begriff für rund 130.000 Männer aus dem Elsass und Lothringen, die während des Zweiten Weltkriegs von den deutschen Besatzern zwangsweise in die Wehrmacht oder die Waffen-SS eingezogen wurden: „Malgré-nous“ (französisch für „gegen unseren Willen“).
Von den 1940 in Luxemburg 3.700 wohnenden Jüdinnen und Juden überlebten etwa 2.500, weil sie rechtzeitig fliehen konnten. Etwa 1.400 wurden Opfer der Shoa. Vom 16. Oktober 1941 bis zum 17. Juni 1943 erfolgten sieben Deportationstransporte in den Osten. Am 10. September 1944 wurde Luxemburg von US-amerikanischen Truppen erstmals befreit. Allerdings begann die Wehrmacht 16. Dezember 1944 die Ardennenoffensive und rückte an ihrer linken Flanke auch gegen Luxemburg vor. Dadurch entstanden schwere Zerstörungen in den nördlichen Regionen Luxemburgs.
Die Ausstellung im Museum ist sehenswert, das Meiste ist in drei Sprachen zu lesen (D, Eng, F).
Gerald Netzl
Web-Tipp: http://www.mnr.lu
Titelbild/Foto Credit: Gerald Netzl
Quelle: https://www.freiheitskaempfer.at/wp-content/uploads/2026/09/DSK_7-8-9_2026.pdf