18. August 2026: Solidarität – Das wichtigste Prinzip. Ein Gespräch mit Rudi Gelbard – ein Beitrag aus dem „Kämpfer“

In Zeiten eines sich brutal manifestierenden Antisemitismus und eines globalen Rechtsrucks fehlt die Stimme des 2019 verstorbenen Rudi Gelbard. Mit der Publikation „Solidarität – Das wichtigste Prinzip“ ruft die Theodor Kramer Gesellschaft, in Kooperation mit dem „Archiv der sozialen Bewegungen“, zumindest das Wort des Shoah-Überlebenden und aktiven Antifaschisten in Erinnerung.

Am 21. Jänner 2013 gab Rudi Gelbard im ÖGB Marcus Strohmeier ein Interview. Was als ein kurzer Austausch, als ein Stichwortgeben zwischen Freunden geplant war, wurde ein intensives Gespräch. Rudi Gelbard erzählte von seiner Jugend, seinem Überleben im KZ, seinen politischen Kämpfen – gegen Neonazis und Antisemitismus – seinem sozialdemokratischen Engagement, bis hin zur Arbeit mit der Gewerkschaftsjugend.

Das Gespräch wurde aufgezeichnet und erscheint nun 13 Jahre nach seiner Entstehung. Wie immer, wenn Rudi Gelbard über seine Geschichte sprach, über Themen, die ihm am Herzen lagen, war es ihm wichtig, seinem Gegenüber so viele Details wie nur möglich zu erläutern. Im Gespräch mit Marcus Strohmeier kommt Rudi Gelbard nicht nur mit seinem erzählerischen Können zur Geltung, sondern kommt auch sein umfangreiches Wissen zu Tage. Als Herausgeber übernahmen Marcus Strohmeier und ich die Aufgabe, das Interview mit den nötigen Erklärungen zu all den Namen, Ereignissen, Assoziationen, Verweisen, die im Gespräch Erwähnung finden, zu ergänzen. Für Rudi Gelbard waren Wissen und Erinnerung von zentraler Bedeutung, denn, wer sich nicht erinnern kann, ist verdammt die Vergangenheit zu wiederholen. Und wer nicht weiß, ja, der hat auch keine Macht.

Ferdinand Lacina bemerkte 2008 in einer Laudatio zu Rudi Gelbard: „Heute möchte ich dir sagen, dass ich dich auch dafür bewundere, dass du nicht nur unermüdlich für Leben und Freiheit kämpfst, sondern dass du auch selbst nach all diesen Erfahrungen leben und lieben kannst.“

In einem biografischen Essay gehe ich der Frage nach, woher Rudi Gelbard Kraft und Willen genommen hat, um nach dem Überleben der Shoah und den vielen politischen und menschlichen Herausforderungen, Enttäuschungen, das Leben- und Liebenkönnen nicht zu verlernen. Eine Erklärung liefert Rudi Gelbard selbst: „Ich […] weiß, dass Solidarität das wichtigste Prinzip ist. Das habe ich im Leben gelernt… “

Text: Alexander Emanuely

Rudolf Gelbard: Solidarität – Das wichtigste Prinzip. Ein Gespräch von Marcus Strohmeier mit dem Sozialisten und Shoah-Überlebenden Rudi Gelbard, Verlag der Theodor Kramer Gesellschaft, Wien, 2026, ISBN 978-3-903522-31-2, 156 Seiten, € 21,00

Quelle: https://www.freiheitskaempfer.at/?cat=6

Hinterlasse einen Kommentar