Feiern in Mauthausen 2026
Unser traditionelles Gedenken bei den Tafeln für Richard Bernaschek und die ermordeten SozialdemokratInnen vor dem Beginn der Internationalen Befreiungsfeier im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen, war auch diesmal, 81 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus, ein ganz besonderes.
RednerInnen bei uns waren die Vize-Bürgermeisterin von Linz Gin. Karin Leitner, Landesparteivorsitzender der SPÖ Oberösterreich LR Martin Winkler und Bundesministerin für Arbeit, Soziales und Gesundheit Gin. Korinna Schumann. Durch die Feier führte, wie bereits in den letzten Jahren, Stefanie Rödhamer. Musikalische Unterstützung bekamen wir von Betty Rossa & Kapelle. Unter den vielen TeilnehmerInnen der Feier waren auch Bundesministerin Gin. Eva-Maria Holzleitner und Abg. Gin. Sabine Schatz, sowie SPÖ-Bundesparteivorsitzender Vizekanzler Gen. Andreas Babler, der am Vortag bereits an den Befreiungsfeiern in Gunskirchen und Gusen teilnahm.
Karin Leitner hob in ihrer Rede die Bedeutung und Verantwortung der Stadt Linz hervor, welche als ehemalige Lieblingsstadt Hitlers eine besondere Rolle bei der Aufarbeitung der Geschichte wie auch in der Erinnerungskultur einnimmt. Hierbei betonte sie, wie wichtig Erinnerung, Gedenken und Erinnerungskultur als Bollwerk gegen Extremismus wirken und niemals abgeschlossen sein können. Sie sind eine dauerhafte Verantwortung, die gerade heute, wo Hass und Intoleranz wieder an Boden gewinnen, aktueller denn je wirken müssen. Gedenken darf sich somit nicht nur in der Vergangenheit abspielen, sondern muss Gegenwart und Zukunft berühren. Sie fügte außerdem hinzu, dass unsere heutige Welt keine Selbstverständlichkeit sei, sondern immer wieder verteidigt werden muss und, dass wir gemeinsam stets gegen Menschenverachtung und für Gemeinschaft und Zusammenhalt aufstehen müssen.
Martin Winkler bezog sich in seiner Rede auf das diesjährige Motto der Befreiungsfeier „Täter und Täterinnen im Nationalsozialismus“. Er erzählte von seiner Mutter, die, obwohl aus christlichem und sozialdemokratischem Hause stammend, dem Bund Deutscher Mädel beitrat und sich 1945 absichtlich ein Jahr älter ausgab, um sich an die zu diesem Zeitpunkt bereits im Mühlviertel befindliche „Ostfront“ schicken zu lassen. Weiters fügte er hinzu, dass ihre BDM-Führerin die spätere Mutter von Jörg Haider war. Er erzählte dies, um zu betonen, dass es nicht nur die Nazi-Größen oder die SS waren, die schreckliche Taten begangen, sondern auch das einfache Volk, die Nachbarinnen und Nachbarn, welche Schuld auf sich gelastet haben oder zu willentlichen Mitläufern wurden. Besonders hob er noch Richard Bernaschek und den österreichischen Widerstand hervor, welchen wir zu verdanken haben, dass Österreich nach 1945 seine Freiheit wiedererlangen konnte.
Korinna Schumann, als Sozialministerin für die Opferfürsorge zuständig und damit „unsere“ Ministerin, betonte, dass „Mauthausen nicht nur ein Ort österreichischer Erinnerung sei, es ist ein Ort des Gedenkens und der Verantwortung für Europa und die ganze Welt“. Neben dem unsäglichen Leid der Opfer Mauthausens, wies auch sie auf die besondere Bedeutung Bernascheks und anderer Widerstandskämpfer hin, welche, sich der Gefahr ihres Handelns bewusst, für eine freie und demokratische Gesellschaft einsetzten und dies mit dem Leben bezahlten. Weiters erwähnte sie, dass die Demokratie nicht plötzlich zerbrach, sondern Schritt für Schritt ausgehöhlt wurde und es an uns sei, die heutigen Warnzeichen zu erkennen und aktiv dagegen vorzugehen. Unrecht beginnt nicht erst mit Gewalt, es beginnt mit der Sprache, mit der Ausgrenzung und Herabwürdigung anderer. Auch fügte sie hinzu, dass „Demokratie nicht in den Institutionen beginnt, sie beginnt dort, wo Menschen widersprechen, wenn Unrecht geschieht“.
Nach dem Ende unserer würdigen Feier reihten sich die 250-300 Genossinnen und Genossen bei der ARGE der NS-Opferverbände und WiderstandskämpferInnen und bei anderen Gruppen in die tausende TeilnehmerInnen der Internationalen Befreiungsfeier ein – mit 13.000 BesucherInnen auch heuer wieder die größte in Europa.
Text: Patrick Berndl
Foto: Credit: Gerhard Antes