31. Dezember 2022: 160. Geburtstag Hermine Weinreb

Hermine Weinreb entstammte einer gutbürgerlichen Familie, verfügte über eine beachtliche Bildung und sprach Deutsch, Französisch, Italienisch, Englisch und auch ein wenig Tschechisch. Den Wunsch, Lehrerin zu werden, untersagten ihre Eltern ihr jedoch. Nach dem Tod ihres Mannes stieß sie zur Sozialdemokratie und den Kinderfreunden, wo sie die erste Kindergemeinschaft der Wiener Kinderfreunde führte.

1912 richtete Hermine Weinreb einen Hort der Kinderfreunde am Alsergrund ein. Nahezu revolutionär war ihre Idee, eng mit der Bezirksgruppe der jenseits des Donaukanals gelegenen Kinderfreunde Brigittenau zusammenzuarbeiten, um die bürgerlichen Kinder des Alsergrunds mit den proletarischen Kindern der Brigittenau zusammenzubringen und auf diese Weise soziale Schranken zu überwinden.

Hermine Weinreb führte ihre Kindergruppe mit gänzlich neuen Methoden: Nicht mehr Autorität, Zwang und Drill standen im Vordergrund, sondern die Grundsätze demokratischer Selbstverwaltung und Selbstbestimmung.

Nach dem Ersten Weltkrieg initiierte Weinreb mit Unterstützung der amerikanischen Kinderhilfsaktion eine Kindererholung in Gmünd, in zwei Schichten kamen insgesamt 1.400 Wiener Arbeiterkinder in den Genuss einer sechswöchigen Sommerfrische. Der Jahresbericht der Kinderfreunde vermerkte eine durchschnittliche Gewichtszunahme um knapp drei Kilogramm pro Kind.

Ihre Forderung, eine Erzieherschule einzurichten, in der moderne Grundsätze der Pädagogik erarbeitet und gelehrt werden sollten, fand schließlich in der Gründung der von ihr mitinitiierten Kinderfreundeschule Schönbrunn ihre Umsetzung, wo Weinreb auch teilweise unterrichtete und im „Erziehungsbeirat“ tätig war.

Ein besonderes Verhältnis verband Hermine Weinreb mit Otto Felix Kanitz, dessen Förderin sie war; Kanitz hatte bereits die Kinderrepublik in Gmünd geleitet. Zu ihrem Sohn Franz sagte sie einmal: „Du bist mein leiblicher Sohn, Otto Felix ist mein geistiger“. Die Entbehrungen der Kriegsjahre gingen an Hermine Weinreb nicht spurlos vorüber, zumal sie streng darauf achtete, dass Lebensmittelspenden ausschließlich „ihren Kindern“ zugute kamen. 1922 starb sie an Darmkrebs.

Als Otto Felix Kanitz 1925 sein Buch „Das proletarische Kind in der bürgerlichen Gesellschaft“ veröffentlichte, widmete er es „dem Andenken meiner Lehrerin und Freundin in unauslöschlicher Dankbarkeit.“

2017 wurde in Hernals eine Grünfläche Hermine-Weinreb-Park benannt.

Literatur: Heinz Weiss, Die Pädagogen des Schönbrunner Kreises, 2007.

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