14. März 2022: Neue Österreich-Ausstellung

Die Nazis und ihre Helfer ermordeten in Auschwitz bzw. Auschwitz-Birkenau 13.222 Jüdinnen und Juden, 2.559 Roma und Sinti und 200 politische Häftlinge aus Österreich. 1.537 Landsleute überlebten diese Lager. Jährlich besuchen etwa 4.000 ÖsterreicherInnen diesen wichtigen Gedenkort.

Im März 1978 wurde im sogenannten Block 17 des ehemaligen Stammlagers und nunmehrigen Staatsmuseums Auschwitz-Birkenau die erste österreichische Länderausstellung eröffnet. Erarbeitet wurde diese maßgeblich von überlebenden Häftlingen, besonders Hermann Langbein. Damals präsentierte sich Österreich entgegen dem heutigen Geschichtsbild noch als „erstes Opfer des Nationalsozialismus“, eine Mittäterschaft von Österreichern wurde weitgehend ausgeblendet.

Im Juli 2009 beschloss die Bundesregierung die Neugestaltung der Ausstellung, auch war das Gebäude sehr sanierungsbedürftig, weshalb die alte im Oktober 2013 abgebaut wurde. Die neue, historisch überarbeitete Länderausstellung „Entfernung – Österreich und Auschwitz“ wurde am 4. Oktober 2021 in Anwesenheit von Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka, Zweiter Nationalratspräsidentin Doris Bures, Bundesratspräsident Peter Raggl, (damals noch) Außenminister Alexander Schallenberg, Europaministerin Karoline Edtstadler,
Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein, Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer, Landeshauptmann Günther Platter sowie dem Direktor des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau Piotr Cywiński eröffnet. VertreterInnen der Opferverbände und Nachkommen von Überlebenden waren ebenfalls eingeladen. NEOS und FPÖ waren bei der Feier nicht vertreten, Letztere sind niemandem abgegangen.

Bundesvorsitzender der SPÖ-Freiheitskämpfer Gerald Netzl fasst seine Eindrücke zusammen
Der sperrige Titel „Entfernung“ der neuen österreichischen Ausstellung steht doppeldeutig nicht nur für die geografische Distanz zwischen Österreich und Auschwitz, sondern vor allem für die Entfernung der nach Auschwitz deportierten Menschen – aus Österreich und aus dem Leben. Neben dem Schicksal der österreichischen Opfer in Auschwitz und dem Widerstand von österreichischen Häftlingen im Konzentrationslager erzählt die vom wissenschaftlich-kuratorischen Team um Hannes Sulzenbacher und Albert Lichtblau sowie Architekt Martin Kohlbauer geschaffene neue Ausstellung auch die Involvierung von ÖsterreicherInnen als TäterInnen und HelferInnen an den dort begangenen Verbrechen. Die Koordinierung
der Neugestaltung der österreichischen Ausstellung erfolgte durch die Generalsekretärin des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus Hannah Lessing sowie der Leiterin der Koordinierungsstelle im Nationalfonds Claire Fritsch.

Dass es zwölf lange Jahre bis zur Eröffnung dauern sollte war so nicht geplant gewesen. Unserem Bund bzw. der ARGE der NS-Opferverbände ist etwas bis dato Einzigartiges
gelungen: Im Museum Auschwitz-Birkenau führen ausschließlich (polnische) MuseumsmitarbeiterInnen die BesucherInnen. Diese Guides wurden zu einem zweiteiligen Seminar eingeladen. Das Seminar fand zur Hälfte im Museum vorort und zur Hälfte in Österreich statt. In diesem Seminar lernten die Guides Österreich und seine eigene Geschichte kennen und verstehen.

Die Dunkelheit in der Ausstellung erzeugt Beklemmung, in Kombination mit relativ kleiner Schriftgröße bei Vitrinen und Exponaten tut man sich mit dem Lesen schwer. Positiv ist, dass es wenig Technik gibt, dieses hat sich in anderen Länderausstellungen als recht fehleranfällig erwiesen. Man kommt auch mit wenig bewegten Bildern, also Film aus. Am Ende des Rundgangs stehen Touchscreens, auf denen via Internet auf die DÖW-Opferdatenbank und Täterdatenbank zugegriffen werden kann. Starke Wirkung erzielen fünf Glasfenster von Heinrich Sussmann, übrigens die einzigen Exponate, die von der 1978er Ausstellung in die neue übernommen wurden. Die neue Ausstellung kann man sich auch virtuell ansehen. Länderausstellungen gibt es von PL, RUS,
SK, CZ, H, B, F, NL, I und BG, zusätzlich Ausstellungen zu Sinti und Roma sowie zur Shoa.

Webtipps: http://www.auschwitz.at/startseite http://www.auschwitz.or/en

Aus: Kämpfer

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