7. November 2021: Hugo Pepper war stets ein Unbequemer, auch als Vorsitzender der Freiheitskämpfer.

Gedanken an Hugo von Ali Kohlbacher, 30.Oktober 2020

Als vor 9 Jahren unser Genosse Hugo Pepper von uns gegangen ist, verloren die AntifaschistInnen, die jungen und die alten Freiheitskämpfer einen der bedeutendsten Widerstandskämpfer, Mitstreiter, Zeitzeugen und Lehrer. Das Gedenken an ihn ist uns, die wir heute wieder konfrontiert sind mit einer Konjunktur rechtsextremer, rassistischer und neofaschistischer Tendenzen, Bewegungen und Parteien in Österreich und Europa als Folge einer Krise des kapitalistischen Systems, ein besonderes Anliegen, ja, eine Verpflichtung. 

Hugo Pepper, geboren 1920 als Sohn eines kommunistischen Straßenbahners nahm, bereits als Mittelschüler Kontakt mit sozialistischen und kommunistischen Jugendgruppen auf. Er erlebte die blutigen Ereignisse des 12. Februar 1934 und das Verbot der Sozialistischen Partei. Sofort agierte er als Jugendlicher gegen den Dollfuss-Faschismus und gegen die terroristischen Umtriebe der illegalen Nazis. Nach der Okkupation Österreichs durch Hitlerdeutschland wurde er von der Gestapo verhaftet und des Hochverrats sowie der Geheimbündelei angeklagt. Er hatte Glück, das Verfahren wurde eingestellt und wurde als „Nichtwehrwürdiger“ entlassen. Erst 1940 wurde er zur Wehrmacht eingezogen und musste am Angriffskrieg gegen Jugoslawien und die Sowjetunion teilnehmen. Eine schwere Erkrankung rettete ihn vor der Teilnahme an der Schlacht um Stalingrad.

Nach seiner Genesung kam er zur Ersatzgruppe nach Brünn und organisierte mit anderen antifaschistischen Soldaten eine militärische Widerstandsgruppe. 1944 wurde er in den Raum Amstetten verlegt. Sofort wurde auch hier ein Stützpunkt des Widerstands aufgebaut, wurden Waffen und Munition gesammelt. Im April 1945 griff die Gruppe das GESTAPO-Büro in Wallsee an und befreite eine verhafteten Kameraden. Dabei fielen 3 Widerstandskämpfer. Eigentliches Ziel der Gruppe war die Sprengung der Donaubrücken zu verhindern, was auch gelang. Nach der Niederlage Nazideutschlands verschlug es Hugo nach Kärnten. Dort wurde er von der Roten Armee verhaftet und für 3 Monate als „deutscher Offizier und Faschist“ eingesperrt. Nach dem Abzug der Roten Armee aus Kärnten und der Übergabe Hugo Peppers an die Briten wurde er bald entlassen und kehrte nach Wien zurück.

Im Österreichischen Gewerkschaftsbund fand er ein Feld sinnvoller Arbeit. Hugo war ein begnadeter Redner. Seine Sprache war klar und kultiviert. Seine Vorträge, seine antifaschistischen Seminare und seine Gespräche mit Lehrlingen und Schülern waren verständlich und überzeugend. Er war zu Hause in der Welt der Bücher. Er kante die Werke von Marx und Engels und anderer linker Denker. Er hat höchst verdienstvoll die Herausgabe des 9-bändigen Werks von Otto Bauer betreut, den wohl bedeutendsten Vertreter des Austromarxismus und Vorsitzenden der Sozialdemokratie in den 30er Jahren. Er liebte die Literatur, besonders das Schaffen von Kurt Tucholsky.

Hugo Pepper wurde 1992 zum Bundesvorsitzenden der Sozialistischen Freiheitskämpfer, Opfer des Faschismus und Aktiver Antifaschisten gewählt. Vorher leitete er die Hietzinger Freiheitskämpfer. Ich sah in Hugo einen Sozialisten, der den Interessen unserer Klasse und ihrer historischen Mission tief verpflichtet war. Sein Motto „nur der Widerspruch bewegt die Welt“ hat auch dazu geführt, dass Hugo Pepper seine Stimme erhob, wenn es zu Fehlentwicklungen seiner SPÖ kam.

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