5. Juni 2026: Erinnern an Therese Schlesinger (*6.6.1863 – †5.6.1940) – Vorkämpferin für Frauenrechte, Bildung und soziale Gerechtigkeit

Therese Schlesinger zählt zu den prägenden Persönlichkeiten der österreichischen Sozialdemokratie und der Frauenbewegung. Die am 6. Juni 1863 als Therese Eckstein in eine liberal-jüdische Wiener Industriellenfamilie geborene Politikerin, Publizistin und Frauenrechtlerin kämpfte zeitlebens für Bildung, politische Mitbestimmung und soziale Gleichberechtigung – und wurde zu einer der ersten sozialdemokratischen Frauen im österreichischen Parlament.

Schon früh zeigte sich ihr außergewöhnlicher Bildungswille. Obwohl Frauen damals der Zugang zur Universität weitgehend verwehrt war, bildete sich Schlesinger durch Privatunterricht und Selbststudium weiter. Später schrieb sie selbst: „Ich hatte immer Angst, unwissend zu sterben.“ Dieser Drang nach Wissen prägte ihr gesamtes politisches Wirken.

Die sozialen Missstände lernte sie bereits in jungen Jahren kennen. Die Papierfabrik ihrer Familie gab ihr Einblicke in die Lebensrealitäten der Arbeiterinnen und Arbeiter. Besonders ihre Mutter, die nach dem frühen Tod des Vaters die Fabrik leitete und soziale Maßnahmen wie eine der ersten Schulküchen Wiens einführte, beeinflusste ihr Denken nachhaltig.

Zunächst engagierte sich Therese Schlesinger in der bürgerlichen Frauenbewegung rund um Marie Lang und Auguste Fickert. Sie setzte sich für den Zugang von Frauen zum Hochschulstudium, für bessere Arbeitsbedingungen und vor allem für das Frauenwahlrecht ein. Doch bald erkannte sie, dass Frauenrechte und soziale Frage nicht voneinander getrennt werden können. 1897 trat sie der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei bei und wurde zu einer der wichtigsten Stimmen der sozialdemokratischen Frauenbewegung.

Innerhalb der Partei musste sie oft gegen Widerstände kämpfen. Forderungen nach Frauenwahlrecht, Mutterschutz oder gleicher politischer Teilhabe wurden selbst in der Arbeiterbewegung nicht immer selbstverständlich unterstützt. Dennoch blieb Schlesinger konsequent. Gemeinsam mit anderen Pionierinnen wie Adelheid Popp, Anna Boschek oder Gabriele Proft kämpfte sie für politische Gleichberechtigung, gleichen Lohn für gleiche Arbeit, bessere Bildungschancen für Mädchen, Kinder- und Jugendschutz sowie soziale Absicherung für arbeitende Mütter.

1901 war sie Mitbegründerin des „Vereins sozialdemokratischer Frauen und Mädchen“. Beim ersten Internationalen Frauentag 1911 führte sie den Vorsitz. Nach Einführung des Frauenwahlrechts 1918 gehörte sie 1919 zu den ersten sozialdemokratischen Frauen im österreichischen Parlament. Sie war Mitglied der Konstituierenden Nationalversammlung, später des Nationalrats und anschließend des Bundesrats.

Auch theoretisch prägte Therese Schlesinger die Sozialdemokratie nachhaltig. Sie veröffentlichte zahlreiche politische Schriften und verfasste die frauenpolitischen Teile des Linzer Programms der SDAP von 1926. Bildung galt ihr dabei als Schlüssel zur Befreiung von sozialer Abhängigkeit und Ungleichheit. Ihr berühmter Satz „Nichts ist kulturfeindlicher als die Demut des Weibes“ steht bis heute für ihren emanzipatorischen Anspruch.

Neben ihrem politischen Wirken musste Schlesinger auch schwere persönliche Schicksalsschläge verkraften. Nach der Geburt ihrer Tochter erkrankte sie schwer und blieb lebenslang körperlich beeinträchtigt. Ihr Mann starb früh an Tuberkulose, später nahm sich ihre Tochter das Leben. Dennoch blieb sie politisch aktiv und engagierte sich während des Ersten Weltkriegs auch in der pazifistischen Opposition innerhalb der Sozialdemokratie.

Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 musste die jüdische Sozialdemokratin vor dem Nationalsozialismus nach Frankreich fliehen. Dort starb sie am 5. Juni 1940 im Exil.

Heute erinnern zahlreiche Orte und Einrichtungen an ihr Wirken: der Therese-Schlesinger-Hof in Wien, der nach ihr benannte Schlesingerplatz in der Josefstadt sowie seit 2025 auch ein Lehrgang der Wiener Parteischule. Ihr Leben steht beispielhaft für den Kampf um Demokratie, Frauenrechte, Bildung und soziale Gerechtigkeit – Werte, die bis heute zentrale Grundlagen sozialdemokratischer Politik bilden.

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Therese_Schlesinger
https://www.parlament.gv.at/verstehen/demokratie-wahlen/frauen-im-parlament/pionierinnen/therese-schlesinger/index.html
https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Therese_Schlesinger
https://fraueninbewegung.onb.ac.at/node/2127
https://www.dasrotewien.at/seite/schlesinger-therese-geb-eckstein
https://www.wienerwohnen.at/info/hof-informationen/109/Therese-Schlesinger-Hof.html
https://www.frauenmachengeschichte.at/therese-schlesinger/

Titelbild:
https://www.dasrotewien.at/seite/schlesinger-therese-geb-eckstein

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