Am 24. April 2022 verlor Österreich eine der prägendsten Persönlichkeiten seines kulturellen und gesellschaftlichen Lebens. Der Musiker, Sänger und Menschenrechtsaktivist Willi Resetarits verstarb im Alter von 73 Jahren nach einem tragischen Unfall in Wien. Sein künstlerisches und gesellschaftliches Wirken hat weit über die Musik hinaus Spuren hinterlassen.
Geboren wurde Wilhelm Thomas Resetarits am 21. Dezember 1948 im burgenländischen Stinatz. Als Kind einer burgenlandkroatischen Familie kam er früh nach Wien und wuchs in Favoriten auf. Dort begann bereits während der Schulzeit seine musikalische Laufbahn. Ursprünglich wollte Resetarits Lehrer werden und studierte Anglistik und Sport an der Universität Wien. Doch bald sollte sich zeigen, dass seine Zukunft auf der Bühne lag.
Bekannt wurde Resetarits zunächst als Mitglied der Politrockband Schmetterlinge, die Ende der 1960er-Jahre zu den bedeutenden Stimmen einer politisch engagierten Musikszene zählten. Ihr Werk Proletenpassion, das 1976 bei den Wiener Festwochen uraufgeführt wurde, verband Musik mit einer kritischen Auseinandersetzung mit sozialer Ungleichheit, Herrschaft und gesellschaftlichen Konflikten in Europa.
Große Popularität erreichte Resetarits später mit seiner Kunstfigur Ostbahn-Kurti, die in den 1980er-Jahren zu einem kulturellen Phänomen wurde. Mit „Ostbahn-Kurti & die Chefpartie“ interpretierte er Rock- und Bluesklassiker im Wiener Dialekt und prägte damit eine eigenständige musikalische Ausdrucksform. Doch Resetarits blieb nie auf eine Rolle beschränkt. Neben zahlreichen musikalischen Projekten – etwa mit dem Ensemble Stubnblues oder in Zusammenarbeit mit Künstlern wie Ernst Molden – war er auch als Radiomoderator, Schauspieler und Interpret literarischer Texte tätig.
Mindestens ebenso bedeutend wie sein künstlerisches Schaffen war sein gesellschaftliches Engagement. Willi Resetarits setzte sich über Jahrzehnte für Menschenrechte, Integration und Solidarität ein. Er war Mitbegründer der Organisationen SOS Mitmensch und Asyl in Not und gründete das Integrationshaus Wien, das Schutzsuchenden Unterstützung und Perspektiven bietet. Sein Einsatz für eine offene und solidarische Gesellschaft machte ihn zu einer wichtigen Stimme der Zivilgesellschaft.
Für dieses Engagement erhielt Resetarits zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Bruno-Kreisky-Preis für Verdienste um die Menschenrechte, den Karl-Renner-Preis sowie das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst. Viele Ehrungen würdigten nicht nur sein musikalisches Lebenswerk, sondern auch seine Zivilcourage und sein konsequentes Eintreten für gesellschaftliche Verantwortung.
SPÖ-Bundesbildungsvorsitzender Prof. Dr. Gerhard Schmid würdigte Resetarits in einem Nachruf mit bewegenden Worten:
„Mit großer Fassungslosigkeit mussten wir das Unumkehrbare zur Kenntnis nehmen. Eine der prägendsten Persönlichkeiten des kulturellen und öffentlichen Lebens unseres Landes hat uns für immer verlassen. Willi Resetarits war auch ein Wegbegleiter meiner persönlichen Entwicklung über viele Jahrzehnte. Von der Arenabesetzung in den siebziger Jahren, dem Lichtermeer für Menschlichkeit bis hin zu seinem unvergleichlichen Engagement für Integration.“
Schmid erinnerte daran, dass Resetarits weit mehr war als seine berühmte Bühnenfigur:
„Ein homo musicus austriacus im besten Sinne des Wortes. Er war die Seele der österreichischen Musik, der Wiener Kultur – immer verbunden mit Tiefgang, der aber nie im Widerspruch zu Freude und Leidenschaft stand. Seine Stimme, seine Texte und sein ruhiges Wesen werden ebenso in Erinnerung bleiben wie die klaren Botschaften, die er vermittelt hat.“
Auch über seinen Tod hinaus bleibt sein Vermächtnis lebendig. 2024 wurde erstmals der Willi-Resetarits-Preis vergeben, der Künstlerinnen und Künstler auszeichnet, die sich mit ihrer Arbeit für gesellschaftlichen Dialog und kulturelle Vielfalt einsetzen.
Willi Resetarits hat der österreichischen Musik, der Wiener Kultur und der Zivilgesellschaft eine unverwechselbare Stimme gegeben. Sein Lebenswerk erinnert daran, dass Kunst und Engagement untrennbar miteinander verbunden sein können – und dass Kultur immer auch Verantwortung bedeutet.