Mit einer bewegenden Gedenkfeier wurde am Samstag, 18. Oktober 2025, in Guntramsdorf unter Beisein zahlreicher VertreterInnen staatlicher und privater Institutionen eine offizielle Mauthausen-Außenlager-Stele enthüllt.
Die Außenlager-Stele
Vertreter des Bundesministeriums für Inneres, der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, der Marktgemeinde Guntramsdorf, der Botschaften Polens und Luxemburgs, der nö. Wirtschaftsagentur ecoplus gedachten gemeinsam mit überlebenden NS-Opfern und Nachfahren ehemaliger KZ-Häftlinge sowie über 100 weiteren TeilnehmerInnen, der dort inhaftierten und ermordeten Opfer des Nationalsozialismus.
Im heutigen Industriezentrum NÖ/Süd bestand, neben einem riesigen Zwangsarbeiterlager, von 1943-1945 ein großes Außenlager des KZ Mauthausen. In diesem wurden über 3.100 KZ-Häftlinge der „Flugmotorenwerke Ostmark Wiener Neudorf“ ausgebeutet. Zur Verbesserung der Sichtbarkeit und zur Erinnerung an dieses Lager, seine Opfer und an die vielen anderen Außenlager von Mauthausen wurde nun, 80 Jahre nach Kriegsende, eine künstlerisch gestaltete Stele errichtet und feierlich enthüllt.
Dabei handelt es sich um ein österreichweites Projekt, mit dem die Republik Österreich und die KZ-Gedenkstätte Mauthausen gemeinsam mit den heutigen Grundstückseigentümern und lokalen Gedenkinitiativen alle ehemaligen Außenlager des Konzentrationslagers Mauthausen einheitlich kennzeichnet. Die in Guntramsdorf errichtete Stele ist die sechste ihrer Art. Weitere Stelen sollten bei den über 40 Außenlagern des KZ-Mauthausen in ganz Österreich folgen. Die Stelen machen die Orte des NS-Terrors sichtbar und zeigen zugleich die Richtungen und Entfernungen zwischen den einstigen Lagern in ganz Österreich.
Zwei Jubiläen
Gleichzeitig wurden zwei besondere Jubiläen gefeiert: 30 Jahre KZ-Gedenkstätte Neu-Guntramsdorf und 20 Jahre KZ-Gedenkverein Guntramsdorf / Wiener Neudorf. Beide stehen für langjähriges Engagement in der Gedenkarbeit, für die Betreuung ehemaliger KZ-Opfer und ihrer Familien sowie für wissenschaftliche Aufarbeitung und Bildungsarbeit.
Jürgen Gangoly, Vorsitzender des KZ-Gedenkverein Guntramsdorf / Wiener Neudorf wies in seiner Eröffnungsrede darauf hin, dass bereits über 15.000 SchülerInnen und andere Interessierte das Grundstück und die Gedenkstätte des ehemaligen KZ Wiener Neudorf im heutigen Neu-Guntramsdorf besucht und an Führungen, Exkursionen und Veranstaltungen des Gedenkvereins teilgenommen haben. Guntramsdorfs SPÖ-Bürgermeister Robert Weber: „Mit der Enthüllung der offiziellen Mauthausen-Außenlager-Stele setzen wir heute ein starkes, sichtbares Zeichen. Sie macht deutlich, dass hier in Guntramsdorf ein Außenlager des KZ Mauthausen stand, dass hier Menschen gequält, entrechtet und zur Zwangsarbeit gezwungen wurden. Die Stele mahnt uns und kommende Generationen: Niemals wieder!“
Besonders berührend waren die Worte von Armelle Querbouet, von der Organisation „Amicale de Mauthausen“, die aus Frankreich anreiste. Ihr Vater, Pierre Querbouet, war 1944–1945 im Außenlager Guntramsdorf / Wiener Neudorf inhaftiert. Nach dem sogenannten Todesmarsch zurück nach Mauthausen überlebte er die Befreiung des KZ im Mai 1945 nur wenige Tage. Er starb vollkommen entkräftet noch in Oberösterreich, ohne seine Familie und Heimat jemals wiederzusehen.
Die Außenlager-Stele ist eine vier Meter hohe Säule, bestehend aus 39 dreiseitigen Betonprismen. Auf ihnen sind die Namen, Richtungen und Entfernungen sämtlicher Außenlager sowie des Stammlagers Mauthausen eingeprägt. Die Grundform – das Dreieck – erinnert an den sogenannten „Häftlingswinkel“, ein Stoffabzeichen auf der Kleidung der KZ-Häftlinge, das deren Verfolgungsgrund und Herkunftsland kennzeichnete. Das Mauthausen-Prisma ist rot gefärbt, der Aufstellungsort Guntramsdorf in Großbuchstaben hervorgehoben. Die Errichtung wurde von der Kulturabteilung des Landes Niederösterreich unterstützt.
Folgende VertreterInnen der Republik Österreich und der Projektpartner sprachen zur Errichtung der Stele: Sektionschef Dr. Mathias Vogl, in Vertretung von Innenminister Gerhard Karner und in seiner Funktion als Vorsitzender des Kuratoriums der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, Bürgermeister Robert Weber, Barbara Glück, Direktorin der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, Helmut Miernicki, Geschäftsführer nö. Wirtschaftsagentur ecoplus, Armelle Querbouet, „Amicale de Mauthausen“ (F) und Jürgen Gangoly, Vorsitzender des KZ-Gedenkvereins und Vorstandsmitglied Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ). Die Veranstaltung wurde von der Saxophonistin Barbara Paierl musikalisch begleitet und mit der Europahymne „Ode an die Freude“ feierlich abgeschlossen.
Text: Paul Gangoly
Foto: Guntramsdorf Gedenkstele.jpg Credit: Charlie Steiner
Gedenkfeier am 18. Oktober 2025 in Guntramsdorf, v. l. n. r.: Helmut Miernicki, Mathias Vogl, Barbara Glück, Jürgen Gangoly und Robert Weber.
Quelle: https://www.freiheitskaempfer.at/wp-content/uploads/2025/12/Kaempfer-10_11_12_2025.pdf