14. April 2022: Herzliche Gratulation zum 80. Geburtstag an Hilde Hawlicek

HILDE HAWLICEK wurde am 14. April 1942 als Kind einer Arbeiterfamilie in Wien geboren. Nach der Matura 1960 absolvierte sie ein Lehramtsstudium für Deutsch und Geschichte an der Universität Wien und war von 1968 bis 1971 als Lehrerin an einer Allgemeinbildenden Höheren Schule tätig.

Ihr politisches Engagement führte sie als Jugendliche in den Verband Sozialistischer Mittelschüler, wo sie unter anderen Heinz Fischer und Karl Blecha kennenlernte. Später war sie im Verband Sozialistischer Studenten Österreichs und in der Sozialistischen Jugend tätig. Von 1965 bis 1968 wirkte sie als Erster Sekretär des Österreichischen Bundesjugendringes.

1970 wurde Hilde Hawlicek Mitglied im SPÖ-Bundes-Frauenkomitee, im Oktober 1971 zog sie in den Bundesrat, 1976 in den Nationalrat ein, dem sie bis 1987 und dann wieder von 1990 bis 1995 angehörte. Von 1987 bis 1990 war sie Ministerin für Unterricht, Kunst und Sport.

Hawlicek, die gerne Boogie-Woogie tanzte und von ihren Genossen „die wilde Hilde“ gerufen wurde, erarbeitete ein Gesetz für ganztägige Schulformen, das Minderheitenschulgesetz für zweisprachige Volksschulen in Kärnten und implementierte Wahlfächer, politische Bildung, Umwelterziehung und mit dem Sexkoffer die Sexualerziehung. Schulversuche sollten zur Regelform werden, Mädchen wurden zu allen Schultypen zugelassen, „Handarbeiten“ durch die Wahlmöglichkeit „Textiles oder Technisches Werken“ ersetzt.

Deutliche Spuren hinterließ sie auch in der Kultur. Hilde Hawlicek bestellte nicht nur Eberhard Waechter und Ioan Holender zum Leitungsduo der Staatsoper, sondern verteidigte Claus Peymanns Aufführung von Thomas Bernhards „Heldenplatz“ und verlängerte den Vertrag des umstrittenen Burgtheaterdirektors. 1991 ernannte sie Gerard Mortier zum Intendanten der Salzburger Festspiele, der als Karajan-Nachfolger das Festival für weniger Betuchte öffnete und es radikal erneuerte. Und den Bregenzer Festspielen ermöglichte sie durch die Umwandlung in eine GmbH eine Dreijahresbudgetierung.

In ihrer Amtszeit beschloss Hawlicek gemeinsam mit Finanzminister Ferdinand Lacina das Kunstförderungsgesetz mit einem eigenen Budget für dezentrale Kulturinitiativen, die Vision lautete „Kultur für alle“. Auch das Wiener Literaturhaus wurde unter ihrer Ägide gegründet.

Hilde Hawlicek blieb auch immer der europäischen Idee verbunden. Von 1979 bis 1995 gehörte sie mit einer kurzen Unterbrechung der österreichischen Delegation zur Parlamentarischen Versammlung des Europarates an und zog von 1995 bis 1999 als SPÖ Delegationsleiterin ins Europäische Parlament ein, wo sie unter anderem stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Kultur, Jugend, Bildung und Medien wurde.

1999 übernahm sie unter Karl Blecha die Funktion einer Vizepräsidentin des Pensionistenverbandes Österreich. 2001 folgte die Gründung der Europäischen Seniorenorganisation (ESO) mit Blecha als Präsident und Hawlicek als Generalsekretärin. 2015 wurde sie Vizepräsidentin der EU-Plattform „AGE“.

Moderation: Wolfgang Maderthaner, Historiker, Verein Geschichte der Arbeiterbewegung

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