26. Juni 2021: Von der SPÖ-Bundesbildungskonferenz am Samstag, 8. Mai 2021: Chancen-Index für eine Fairteilung von Bildungschancen

Antrag Nummer 10

Eingebracht von den GewerkschafterInnen in der SPÖ

Chancen-Index für eine Fairteilung von Bildungschancen

In Österreich wird der Bildungserfolg von Schüler*innen nach wie vor in hohem Maße vom Elternhaus geprägt. Manche Schüler*innen haben zuhause eine ganze Bibliothek, andere nicht einmal eine stabile Internetverbindung. Manche Eltern können ihren Kindern bei den Hausaufgaben helfen, andere können diese Zeit wegen beruflichen Belastungen einfach nicht aufbringen. Und Nachhilfe als Lösung ist für viele nicht leistbar und gesellschaftlich dauerhaft nicht akzeptabel. Fehlt Kindern und Jugendlichen dieser Rückhalt zuhause, bleibt der schulische Erfolg der Kinder oftmals aus. Dabei sollte Schule eigentlich Chance bedeuten. Die Schule ist der Ort, an dem alle Kinder in Österreich ihr Potential ausschöpfen, das Beste aus sich herausholen und sich ihren Platz in der Gesellschaft holen können.

Wenn aber Kinder unterschiedliche Herausforderungen mitbringen, müssen Schulen das irgendwie ausgleichen können. Die Arbeiterkammer hat ein Modell für eine gerechte, transparente und bedarfsorientierte Schulfinanzierung entwickelt, um das Angebot der Schule genau an diese Voraussetzungen der Schüler*innen anzupassen: den AK Chancen-Index. Das Grundprinzip dabei ist eine solide Basisfinanzierung für alle Standorte. Für Schulen mit größeren Herausforderungen gibt es zusätzliche Mittel auf Basis des AK Chancen-Index. Er zeigt, unter welchen Bedingungen jede einzelne Schule arbeitet – und welche zusätzlichen Mittel sie braucht, um allen Schüler*innen in Österreich ihre Chancen zu geben.

Gerade die Bildungslockdowns des letzten Schuljahres haben gezeigt, dass Bildung mehr denn je von der finanziellen Ausstattung des Elternhauses abhängt, was zu gravierenden Lernrückständen führt. Durch die Schulschließungen während der Corona Krise sind viele Schüler*innen mit weniger Lernstunden und Auseinandersetzung mit dem Unterrichtsstoff wieder in die Schule zurückgekehrt. Das trifft manche Schulen stärker als andere. Die Schulstandorte, die schon vor Corona größere Herausforderungen hatten, sind nun mit noch größeren Schwierigkeiten konfrontiert. Diese Schulen müssen die unterschiedlichen Herausforderungen, die die Kinder mitbringen, dann ausgleichen. Speziell diese Schulen brauchen dringend Unterstützung.

Das aktuelle Regierungsübereinkommen sieht erstmals eine bedarfsorientierte Mittelvergabe für Schulen mit „besonderen Herausforderungen“ vor. In einem Pilotprojekt sollen 100 Schulen mit „besonderen Herausforderungen“ zusätzliche Mittel erhalten. Dieses Pilotprojekt kann aber mit 100 Schulen lediglich einen geringen Anteil der Schulstandorte mit großen Herausforderungen abdecken. 100 teilnehmende Schulen bedeutet, dass lediglich jede 11 Pflichtschule mit großen Herausforderungen berücksichtigt wird. Außerdem ist das Budget mit 15 Millionen Euro sehr knapp kalkuliert.

Aber ein Chancen-Index ist nur dann erfolgreich, wenn er ambitioniert umgesetzt und ausreichend finanziert wird und somit flächendeckend wirken kann. Dabei muss die Vergabe zusätzlicher Mittel mit aktiver Schulentwicklung und pädagogischer Freiheit der Standorte verknüpft werden. Denn Erfahrungen aus internationalen Reformprojekten, wie die „London Challenge“ oder das deutsche Aktionsprogramm „Schule macht sich stark“, zeigen, dass zusätzliche Mittel alleine noch nichts bewirken. Es braucht Schulkonzepte für die pädagogische Arbeit am Schulstandort und fokussierte Schulentwicklung. Nur so können die Schulen nachhaltig weiterentwickelt werden mit dem Ziel, jedes Kind optimal zu fördern. Gerade nach den Corona-bedingten Schulschließungen sollte die Verfolgung dieses Ziels oberste Priorität haben. Deshalb braucht es dringend eine Ausweitung auf mindestens 500 Schulen, statt der 100 wie vom Bildungsministerium vorgesehen.

Deshalb fordert die SPÖ-Bundesbildungskonferenz 2021:

  • das Pilotprojekt muss durch die Corona Krise von 100 auf 500 Pilotschulen ausgeweitet werden.
  • das Pilotprojekt muss mit zusätzlichen finanziellen Mitteln aus dem Bundesbudget finanziert werden, die anschließend über einen Chancen-Index nach Vorbild des AK Modells an 500 Schulen mit großen Herausforderungen verteilt werden.
  • das Pilotprojekt mit 500 Schulen sollte auf Volksschulen beschränkt werden. Je früher Fördermaßnahmen im schulischen Bereich angesetzt werden, desto wirkungsvoller sind sie für die erfolgreichen Schulverläufe von Kindern. Nachgelagerte Schultypen (NMS, AHS) profitieren in diesem Fall indirekt durch die verbesserten Lernbedingungen für Schüler*innen in den Volksschulen. Außerdem ist wahrscheinlich, dass auf Grund des Alters Schüler*innen an Volksschulen mit den größten Problemen beim „Distance Learning“ konfrontiert waren.
  • trotz des Pilotprojekts muss die flächendeckende Umsetzung einer gerechten und transparenten Schulfinanzierung nach dem AK Chancen-Index weiterhin das Ziel bleiben. Um allen Schüler*innen in Österreich ihre Chancen zu geben, muss diese Umsetzung möglichst rasch erfolgen.

Abstimmung:

►►                 Annahme

►►                 Zuweisung an Bundesparteivorstand und Nationalratsklub

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