19. Oktober 2026: Peter Strasser – ein Beitrag aus dem „Kämpfer“

Peter Strasser (1917–1962) wurde schon 1929 Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend, kämpfte während des Austrofaschismus in der Illegalität, emigrierte nach der Besetzung Österreichs nach Frankreich, war 1945 Gründungsmitglied der Sozialistischen Jugend, von 1948 bis 1954 Vorsitzender der Internationalen Union der Sozialistischen Jugend IUSY, Abgeordneter zum Nationalrat von 1949 bis 1962, Mitglied der österreichischen Delegation des Europarates ab 1956, 1961 Vertreter Österreichs bei der UNO-Vollversammlung sowie jahrzehntelang Mitglied der Wiener SPÖ Alsergrund.

Strasser lebte die Werte des Roten Wien: Jugendlicher Elan, bescheidener Lebensstil, Verzicht auf Alkohol und Nikotin, internationale Solidarität und Interesse an Kultur, speziell an Literatur. Sein Vater war Redakteur der Arbeiter-Zeitung und er selbst engagierte sich früh in der Sozialistischen Arbeiterjugend. Als Leiter der Wiener Organisation der Revolutionären Sozialistischen Jugend organisierte Strasser im Austrofaschismus illegale spontane Kundgebungen, Verteilen von Flugzetteln und Anbringen von Plakaten. Dabei lernte er seine erste Frau Jenny kennen.

Mit ihr emigrierte er nach Frankreich und lebte dort im Untergrund, bis er mit seiner Familie nach Nazideutschland abgeschoben wurde. Bis Kriegsende musste er als Techniker Zwangsarbeit leisten. Insgesamt verbrachte er zwischen 1934 und 1945 neunzehn Monate in Haft.

Als noch vor Kriegsende die Sozialistische Jugend wieder gegründet wurde, war Strasser dabei. Als brillanter Redner brachte er gemeinsam mit seiner Frau Jenny viele junge Menschen zur Sozialdemokratie. Durch seine konsequente Haltung wurde der kommunistische Vorschlag zur Bildung einer einheitlichen überparteilichen Jugendorganisation (FÖJ – Freie Österreichische Jugend) – die unter den damaligen Umständen natürlich KP-dominiert gewesen wäre – von der SPÖ abgelehnt. 1948 wurde er zum damals jüngsten Abgeordneten zum Nationalrat gewählt. Zu dieser Zeit verurteilte er die Machtübername der Kommunisten in den späteren Ostblockstaaten, denn er war ein entschiedener Gegner des diktatorischen Sowjetkommunismus.

1948 wurde Strasser Vorsitzender der IUSY (International Union of Socialist Youth) und betrat damit die Bühne der Weltpolitik. Mit einer IUSY-Delegation bereiste er Indien und schilderte als Journalist seine Eindrücke in einer Artikelserie in der Arbeiter-Zeitung. Der Kampf der Völker des Südens gegen ihre europäischen Kolonialherren wurde auch der seine. Er unterstützte Befreiungsbewegungen, zum Beispiel in Algerien und in Kamerun.

Im Nationalrat nahm Strasser seine Funktion als Volksvertreter sehr ernst. Das Elend im Nachkriegsösterreich war groß. Viele Menschen brauchten eine Wohnung, eine Arbeitsstelle, in Österreich Gestrandete wollten die österreichische Staatsbürgerschaft, NS-Opfer, Kriegsversehrte und Soldatenwitwen brauchten eine Rente. In diesen und anderen Fällen intervenierte Peter Strasser bei Ämtern, Behörden und bei der sowjetischen Besatzungsmacht.

Im Nationalrat war er Mitglied mehrerer Ausschüsse, vor allem Außenpolitik, Justiz, Landesverteidigung und soziale Verwaltung. Als das Bundesheer gegründet wurde, warnte Strasser vor sinnlosen Schikanen und demütigenden Dienstvorschriften beim neuen Heer. Er prangerte das Defizit der gesetzlichen Krankenversicherung an, denn durch die Fortschritte der Medizin stiegen die Behandlungskosten, diese konnten durch die Beiträge der Versicherten nicht mehr abgedeckt werden.

Strafrecht und Strafvollzugsrecht mussten nach hundert Jahren endlich der neuen Zeit angepasst werden. Dazu hielt Peter Strasser im Parlament eine pointierte Rede: „Unsere Gefängnisse dürfen nicht länger Hochschulen des Verbrechens sein“.

Reformiert werden musste auch das veraltete Straßenpolizeigesetz. Jährlich verloren 2.000 Menschen ihr Leben im Straßenverkehr, häufig durch alkoholisierte Kfz-Lenker. Denn gegen Trunkenheit am Steuer gab es keine rechtliche Handhabe. Dagegen kämpfte Peter Strasser nicht nur im Nationalrat, sondern auch mit Reden und Zeitungsartikeln. Damit hatte er Erfolg: Mit der Straßenverkehrsordnung 1960 wurde ein Grenzwert von 0,8 Promille Alkohol im Blut eingeführt.

Im Oktober 1956 hielt sich Strasser in Ungarn auf, um als Journalist über den Aufstand gegen die Sowjetmacht zu berichten. Dabei lernte er Marie Potoczky kennen. Sie war gerade nach langer Haft aus einem stalinistischen Zuchthaus entlassen worden. Durch Peter Strassers Hilfe kam sie nach Österreich und wurde seine zweite Ehefrau.

Die SPÖ plante, dass Peter Strasser Nachfolger von Bruno Pittermann als Parteiobmann werden sollte. Doch dazu kam es nicht. Bereits 1959 war bei ihm Leukämie diagnostiziert worden. Im Juni 1962 ist Peter Strasser verstorben. Im 3. Bezirk erinnert eine Wohnhausanlage an ihn, im 9. Bezirk eine Gedenktafel an seinem ehemaligen Wohnhaus.

Veronika Kaiser

Titelbild/Quelle Text: https://www.freiheitskaempfer.at/wp-content/uploads/2026/09/DSK_7-8-9_2026.pdf

Kommentar verfassen