Am 19. September 2026 wäre Rudolf „Rudi“ Hundstorfer 75 Jahre alt geworden. Der Wiener Sozialdemokrat, Gewerkschafter und frühere Sozialminister bleibt vielen Menschen als Politiker mit Handschlagqualität, Humor und starkem sozialpolitischem Verantwortungsgefühl in Erinnerung. Am 20. August 2019 ist er während eines Urlaubs auf der kroatischen Insel Brač überraschend verstorben.
Rudolf Hundstorfer kam aus einfachen Verhältnissen. Nach der Hauptschule begann er eine Lehre als Bürokaufmann beim Magistrat der Stadt Wien. Früh engagierte er sich gewerkschaftlich – zunächst als Jugendvertrauensmann, später in verschiedenen Funktionen der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten. Sein Weg war kein klassischer Elitenweg, sondern ein sozialdemokratischer Aufstieg durch Arbeit, Engagement, Bildung und Verantwortung.
In der Gewerkschaft lernte Hundstorfer politische Praxis von Grund auf. Er kannte die Anliegen der Beschäftigten nicht aus Akten, sondern aus Gesprächen, Betrieben und Verhandlungen. Besonders im öffentlichen Dienst setzte er sich für jene ein, die täglich für das Funktionieren der Gesellschaft sorgen: Beschäftigte in Krankenhäusern, Kindergärten, Feuerwehren, sozialen Einrichtungen und kommunalen Diensten.
Ab 1990 war Hundstorfer Mitglied des Wiener Landtages und Gemeinderates, ab 1995 dessen Vorsitzender. Auch in dieser Funktion blieb er seiner gewerkschaftlichen Haltung verbunden: Politik sollte lösungsorientiert sein, nah bei den Menschen und getragen von Respekt gegenüber unterschiedlichen Interessen.
Eine der größten Bewährungsproben seines politischen Lebens kam 2006. Nach der BAWAG-Krise übernahm Rudolf Hundstorfer die Präsidentschaft des Österreichischen Gewerkschaftsbundes in einer für den ÖGB besonders schwierigen Situation. Statt sich zurückzuziehen, stellte er sich der Verantwortung. Mit Ruhe, Disziplin und Verhandlungsgeschick trug er dazu bei, den ÖGB zu stabilisieren, neu aufzustellen und das Vertrauen vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zurückzugewinnen.
Dabei blieb er, was er immer war: Arbeitnehmer*innenvertreter aus Überzeugung. In seiner Zeit an der Spitze des ÖGB wurden wichtige sozialpolitische Verbesserungen erreicht – von besserer Absicherung atypisch Beschäftigter über die Anmeldung bei den Gebietskrankenkassen vom ersten Arbeitstag an bis hin zum Mehrarbeitszuschlag für Teilzeitbeschäftigte und dem Mindestlohn von 1.000 Euro.
Im Dezember 2008 wurde Hundstorfer Bundesminister für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz. Er übernahm dieses Amt inmitten der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise. Gerade in dieser Zeit zeigte sich seine sozialpolitische Grundhaltung: Arbeitsplätze sichern, Menschen vor dem Absturz bewahren und soziale Sicherheit als Fundament einer demokratischen Gesellschaft verteidigen. Die Kurzarbeit und die Mindestsicherung standen beispielhaft für diesen politischen Zugang.
Auch nach seinem Ausscheiden aus der Bundesregierung blieb Hundstorfer gesellschaftlich aktiv. 2016 kandidierte er für das Amt des Bundespräsidenten, später wurde er Präsident der Österreichischen Bundessportorganisation. 2018 übernahm er zudem Verantwortung in der Volkshilfe Wien. Sein Engagement reichte damit weit über klassische Parteipolitik hinaus – es verband Arbeit, Soziales, Sport und konkrete Hilfe für Menschen.
Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter beschrieben ihn als ruhig, bescheiden, humorvoll und verlässlich. Er suchte nicht die große Geste, sondern das tragfähige Ergebnis. Gerade in Krisen bewahrte er Ruhe, arbeitete sich in die Materie ein und suchte den Ausgleich, ohne seine Grundsätze aufzugeben. Das Gemeinsame stellte er über das Trennende.
Aus sozialdemokratischer Sicht bleibt Rudolf Hundstorfer ein Beispiel für Politik aus der Arbeitswelt heraus. Sein Leben zeigt, dass soziale Demokratie nicht abstrakt ist. Sie entsteht dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen, Konflikte austragen, Kompromisse finden und dabei die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht aus dem Blick verlieren.
Zum 75. Geburtstag erinnern wir an einen Politiker und Gewerkschafter, der seine Herkunft nie vergaß und seine Ämter mit Fleiß, Kompetenz und Menschlichkeit ausübte. Rudolf Hundstorfer war ein Brückenbauer mit sozialpolitischem Herzblut. Sein Wirken bleibt Teil der Geschichte der österreichischen Sozialdemokratie und der Gewerkschaftsbewegung.
Quellen:
https://www.oegb.at/themen/geschichte/rudolf-hundstorfer-
https://www.dasrotewien.at/seite/hundstorfer-rudolf
https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Rudolf_Hundstorfer
https://www.bestattungwien.at/rudolf-hundstorfer
https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Hundstorfer
Titelbild: https://www.dasrotewien.at/seite/hundstorfer-rudolf