21. August 2026: Zum 100. Geburtstag: Erinnern an Felix Czeike (1926-2006)

Am 21. August 2026 wäre Felix Czeike 100 Jahre alt geworden. Der 1926 in Wien-Favoriten geborene Historiker, Archivar und Volksbildner zählt zu den bedeutendsten Stadthistorikern Österreichs. Sein Name ist bis heute untrennbar mit der Erforschung und Vermittlung der Wiener Stadtgeschichte verbunden.

Czeike studierte an der Universität Wien Geschichte, Geografie, Germanistik und Kunstgeschichte und promovierte 1950 zum Doktor der Philosophie. Nach einer kurzen Tätigkeit in der Sozialversicherung kam er 1954 zum Wiener Stadt- und Landesarchiv. Dort begann eine jahrzehntelange wissenschaftliche Laufbahn, die ihn 1976 an die Spitze des Archivs führte. Bis zu seiner Pensionierung 1989 leitete er diese zentrale Institution der Wiener Geschichtsforschung.

Felix Czeike verstand Geschichte nicht als bloße Sammlung vergangener Daten. Für ihn war Stadtgeschichte ein Schlüssel zum Verständnis der Gegenwart. Wer Wien verstehen will, muss seine sozialen, politischen, kulturellen und baulichen Entwicklungen kennen. Genau dafür arbeitete Czeike: Er machte historische Zusammenhänge sichtbar und trug dazu bei, das Wissen über Wien einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Sein Hauptwerk ist das sechsbändige „Historische Lexikon Wien“, das zwischen 1992 und 2004 erschien. Mit rund 3.700 Seiten und etwa 30.000 Stichworten wurde es zu einem Standardwerk der Wiener Stadtgeschichte. In Fachkreisen wird es bis heute oft schlicht „der Czeike“ genannt. Es versammelt Wissen über Personen, Orte, Gebäude, Institutionen, Ereignisse und Entwicklungen dieser Stadt und wurde zur Grundlage des späteren Wien Geschichte Wiki.

Besonders bemerkenswert ist, dass Czeikes Arbeit nicht nur akademischen Anspruch hatte, sondern auch volksbildnerischen Charakter. Sein Lexikon machte Stadtgeschichte greifbar – für Wissenschaft, Verwaltung, Journalismus, Politik, Bildung und interessierte Bürgerinnen und Bürger. Damit leistete er einen wichtigen Beitrag zur demokratischen Wissenskultur Wiens.

Auch institutionell prägte Czeike die Wiener Geschichtsforschung. 1977 gründete er die Wiener Zweigstelle des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Stadtgeschichtsforschung, die im Stadt- und Landesarchiv angesiedelt war und die er viele Jahre leitete. Darüber hinaus engagierte er sich im Verein für Geschichte der Stadt Wien und war in zahlreichen wissenschaftlichen Einrichtungen und Fachgesellschaften aktiv.

Seine Publikationen umfassten nahezu alle Epochen der Wiener Geschichte. Dabei interessierte ihn nicht nur die große politische Geschichte, sondern auch die Topografie der Stadt, ihre Bezirke, Straßen, Wohnbauten, Institutionen und Persönlichkeiten. Gerade dadurch wurde sein Werk zu einem unverzichtbaren Werkzeug für alle, die sich mit Wien beschäftigen.

Czeikes Arbeit zeigt, wie wichtig öffentlich zugängliches Wissen über die eigene Stadt ist. Stadtgeschichte erzählt nicht nur von Kaisern, Bürgermeistern und Gebäuden, sondern auch von sozialem Wandel, Wohnbau, Bildung, Arbeit, Infrastruktur und demokratischer Entwicklung. Wer Geschichte zugänglich macht, stärkt auch das Bewusstsein für gesellschaftliche Verantwortung.

Felix Czeike starb am 23. April 2006 während eines Aufenthalts in Meran. Er wurde in einem ehrenhalber gewidmeten Grab auf dem Hernalser Friedhof beigesetzt. 2016 wurde in seinem Geburtsbezirk Favoriten die Czeikestraße nach ihm benannt.

Mit Felix Czeike erinnern wir an einen Historiker, der Wien erforschte, erklärte und für viele Menschen lesbar machte. Sein Lebenswerk bleibt ein Fundament der Wiener Stadtgeschichte – und ein Beispiel dafür, wie Wissenschaft, Archivarbeit und Volksbildung zusammenwirken können.

Quellen:

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Felix_Czeike
https://de.wikipedia.org/wiki/Felix_Czeike

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