13. Mai 2026: Erinnern an Maria Matzner (* 5. Jänner 1902 in Zniscenie bei Lemberg; † 13. Mai 1987 in Graz) 

Maria Matzner war Arbeiterkind. 1902 hat man sie hineingeboren in eine Welt der Unterdrückung und der Ausbeutung – aber auch der Chancen. Ihr Geburtsort war das heute ukrainische Lwiw/Lemberg, ihre Eltern kamen aus Böhmen und der Oststeiermark. Das darf uns daran erinnern, dass, damals wie heute, unsere europäische Welt eine gemeinsame ist. Und wir unsere Herausforderungen und Probleme gemeinsam zu lösen haben.

Maria Matzner hat gekämpft, sich heraus gekämpft aus dem Elend. Sie hat das, auch und vor allem, für andere getan. Für den Menschen an sich fühlte sie sich verantwortlich. Marias Waffen waren Selbstdisziplin, Bildung, Solidarität und Mitgefühl. Als Teenager stößt sie zur aufstrebenden Metall-Gewerkschaft, wird Bürokraft im Wiener Neustädter Sekretariat, bald auch Jugendfunktionärin der Sozialdemokratie. In diesem Umfeld lernt Maria Fritz Matzner kennen, ebenfalls einen überzeugten (sozialdemokratischen) Gewerkschafter. Sie heiratet und geht mit ihm, dem neuen steirischen Gewerkschaftschef und späteren Landeshauptmann-Stellvertreter, nach Graz. Maria Matzner wird Frauenvorsitzende der steirischen Sozialdemokratie, ist mitverantwortlich für den Aufstieg der Partei in Stadt und Land.

Nach dem Dollfuß-Putsch 1933/34 rettet sie die Partei vor dem Untergang, leitet den Widerstand. Den Maiaufmarsch 1933 tarnt sie als „Frühlingsspaziergang“. In den Kottern des Austrofaschismus, nach dem Anschluss 1938 des Nationalsozialismus wird sie für ihre Standfestigkeit bezahlen. Sie wird verhört, gedemütigt, gefoltert. Bei Kriegsende entkommt sie mit Glück dem Gestapo-Gefängnis in Wien. Zurück in der Steiermark trägt Maria Matzner, mittlerweile von ihrem Mann Fritz geschieden, maßgeblich zur wirtschaftlichen und sozialen Erfolgsstory der wiedererstandenen Republik Österreich bei. Maria Matzner, die Mutige, Engagierte und ewig Lernwillige fungiert mit ihren, zum Großteil selbsterworbenen Sprachkompetenzen als Verbindungsfrau zu den Alliierten. Erst verhandelt sie mit den sowjetischen, dann den britischen Militärs. Da muss man durchsetzungsstark sein. Auch gegen die wiedererstarkten Machos in der eigenen Partei. Die mögen sich jetzt, nach der Befreiung, gar nicht mehr so gern entsinnen, dass sie der „Weiberwirtschaft“ in den Diktaturen das Überleben der verbotenen Partei und den neugewonnenen Gestaltungsspielraum zu verdanken haben. Manche nannten und nennen das „hantig“. Ich nenne das „enttäuschungsresistent“.

Als Frauenvorsitzende, als Obfrau der Volkshilfe, wurde Maria Matzner Landtagsabgeordnete und schließlich Soziallandesrätin. Damit war sie das erste weibliche Regierungsmitglied in Österreich überhaupt. Sie verstand sich nicht als sturer Parteikader, sondern als Verbindungsfrau über politische, soziale und religiöse Grenzen hinweg. Dass bei der Präsentation des Buches „Ins Rampenlicht“ und Würdigung ihrer Aufbauleistung auch die Obfrau der katholischen Arbeitnehmer:innen-Bewegung Anneliese Pieber anwesend war, hätte sie gewiss gefreut.

Nach dem Ausscheiden aus der Landespolitik 1962 wird sie Bundesrätin. 1972 geht sie in Politpension, 1987 stirbt sie, betagt und hochangesehen, in Graz. Der städtische Zentralfriedhof beherbergt ihre Urne. Die Erinnerungen an diese bemerkenswerte Frau verblassen, auch in der Steiermark – völlig verlöschen werden sie nicht. Das hängt weniger am Wissenschaftspreis des steirischen Bundes Sozialdemokratischer AkademikerInnen, der nach Maria Matzner benannt ist. Vielmehr an ihrer beindruckend starken Persönlichkeit, an ihrer Vorbildwirkung, die bis heute nachwirkt.

Werner Anzenberger

Eine ausführlichere Biografie Maria Matzners befindet sich im Buch „Ins Rampenlicht“.


Text: erschienen in „Der sozialdemokratische Kämpfer“: https://www.freiheitskaempfer.at/?cat=6
Link zur Gesamtausgabe: https://www.freiheitskaempfer.at/wp-content/uploads/2026/03/DSK_1-2-3_2026.pdf

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