4. Mai 2026: Gedenkkultur in Oslo – Ein Reisebericht von Kira Binderlehner

Mit diesem Reisebericht nehme ich dich auf einen gedanklichen Spaziergang in die Hauptstadt Norwegens und auf den leisen Spuren des Widerstands mit: Meine Reise nach Oslo plante ich für die kalte Jahreszeit im Dezember, um die weihnachtliche Vorfreude im Norden genießen zu können. Oslo ist bekannt für seine Architektur und unterschiedliche Museen, die auf einen kulturellen Besuch einladen: Doch wenn man langsam und v.a. mit offenen Augen durch die Stadt spaziert, findet man viele Orte des stillen Gedenkens, die zur Erinnerung aufrufen. Bei meiner Recherche über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und diverse Freizeitaktivitäten stieß ich schnell auf das Norwegische Widerstandsmuseum – das „Norges Hjemmefrontmuseum“.

Dieses Museum liegt innerhalb der Mauern der mittelalterlichen Festung Akershus und wird nicht nur von Tourist:innen, sondern auch von Schüler:innen und Angehörigen des Militärs besucht. Die Dauerausstellung nimmt einen auf eine historische Reise in die Jahre zwischen 1940 und 1945 mit. Es wird die Geschichte der „Heimatfront“ erzählt, die sich mit Hilfe des militärischen und zivilen Widerstandes gegen die deutsche Besatzung wehrte – auf Initiative und durch intensive Unterstützung ehemaliger Mitglieder dieser Widerstandsbewegung wurde das Museum im Jahr 1970 eröffnet.

Diese historische Reise durch die Dauerausstellung beginnt am 9. April 1940. Dieses dunkle Datum erinnert an den Angriff und die Besetzung durch deutsche Wehrmacht. Unterstützung erhielt die Wehrmacht von der nationalsozialistischen Partei Norwegens „Nasjonal Samling“ unter der Leitung von Vidkun Quisling, der sich gleich zu Beginn der Besatzung zum neuen Ministerpräsident ernennen ließ. Der norwegische König und die Regierung mussten ins Exil nach London fliehen, von wo aus sie den Kampf um Norwegens Freiheit fortsetzten. Sämtliche demokratischen Parteien wurden verboten, die politische Verwaltung, Gerichte und Presse wurden einheitlich gelenkt. Das Museum zeigt Dokumente, die dieses Vorgehen bezeugen.

Der zivile Widerstand organisierte sich v.a. durch Flugblätter, Zeitungen und in weiterer Folge durch das Radio – diese Werkzeuge des Widerstands begleiten einen durch die Ausstellung und zeigen eindrucksvoll, welch unermüdlicher Kampf für Norwegens Freiheit von der Zivilbevölkerung geführt wurde. Mit Hilfe dieser Werkzeuge konnten unabhängige Informationen ausgetauscht und über die Radiostation der BBC sowohl Nachrichten als auch Reden des Königs und der norwegischen Regierung gesendet werden. Aber auch dem Widerstand des Schulsystems und der Kirchen wird ein Teil der Ausstellung gewidmet. Neben der Dokumentation des zivilen Widerstands und der Erinnerung an die Todesopfer wird in der Ausstellung auch über den Kriegsalltag, den militärischen Widerstand und die Endphase des Krieges berichtet.

Gegen Ende der Ausstellung wird eine Kopie der Zeitung „Oslo-pressen“ gezeigt, auf deren Titelseite vom Kriegsende berichtet wird. Der 8. Mai 1945 – ein geschichtsträchtiges Datum – erinnert an die Befreiung Norwegens: Untermauert wird dieses Ereignis mit Fotografien von der Heimkehr des Königs und der Wiedereröffnung des Parlaments. Das Foto, das die Heimkehr des Königs zeigt, wurde innerhalb der Festung Akershus aufgenommen – einem zentralen Ort der Geschichte.

Mittlerweile ist es eine lange Tradition, dass Norwegen jedes Jahr einen prächtigen Weihnachtsbaum an Großbritannien überreicht – ein symbolisches Geschenk, als Dank für die britische Unterstützung während des Zweiten Weltkriegs. Jedes Jahr kann man ihn am Trafalgar Square betrachten.

In der Nähe der Festung befindet sich ein Denkmal, das aus einer Reihe leerer Stühle besteht und an die Deportation jüdischer Mitmenschen erinnern soll – wenn man an dieser Installation vorbeigeht, hinterlässt der Blick auf dieses Denkmal ein beklemmendes und schweres Gefühl. Es möchte sicher bewusst eine solche Reaktion erzeugen, um die Passant:innen daran zu erinnern, wie schnell eine Gesellschaft auseinandergerissen werden kann und Wunden hinterlassen werden, die nur schwer oder gar nicht mehr heilen können.

Meine Reise in der Hauptstadt Norwegens endete mit einem professionell organsierten Stadtspaziergang: Wir wurden gleich zu Beginn der Tour von unserer Reiseleiterin auf ein Denkmal in der Nähe des Hauptbahnhofs aufmerksam gemacht, dass an den Widerstand in Norwegen bzw. den Kampf um Demokratie und Freiheit erinnern soll – es zeigt einen Hammer, der ein Hakenkreuz zerschlägt.

Kira Binderlehner

Web-Tipp: http://www.hjemmefrontmuseet.no

Foto: Oslo Denkmal.jpg Credit: Kira Binderlehner. Dieses Denkmal in Oslo erinnert an den Widerstand Norwegens gegen Nazi-Deutschland.

Text: erschienen in „Der sozialdemokratische Kämpfer“: https://www.freiheitskaempfer.at/?cat=6
Link zur Gesamtausgabe: https://www.freiheitskaempfer.at/wp-content/uploads/2026/03/DSK_1-2-3_2026.pdf

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