15. April 2026: Gründung des Republikanischen Schutzbunds vor 103 Jahren

Der Republikanische Schutzbund – Verteidiger der Demokratie in der Ersten Republik

Der Republikanische Schutzbund war die Wehrorganisation der österreichischen Sozialdemokratie in der Zwischenkriegszeit. Gegründet im Jahr 1923, entstand er in einer Phase politischer Umbrüche und wachsender Spannungen in der jungen Republik Österreich. Seine Aufgabe war es, die demokratische Republik sowie die Rechte der Arbeiterinnen und Arbeiter gegen antidemokratische und autoritäre Kräfte zu verteidigen.

Entstehung nach dem Ende der Monarchie

Nach dem Zusammenbruch der Habsburgermonarchie 1918 wurde Österreich zur Republik. Mit dieser politischen Umwälzung verschoben sich auch die Machtverhältnisse im Staat. Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei, die über ein klares politisches Programm verfügte, setzte sich dafür ein, republikanisch gesinnte Soldaten der ehemaligen k.u.k.-Armee in einer neuen Organisation zusammenzufassen: der sogenannten Volkswehr. Diese sollte sowohl revolutionäre Entwicklungen wie in Russland als auch eine reaktionäre Gegenbewegung verhindern.

Mit dem Friedensvertrag von Saint-Germain musste Österreich sein Heer stark verkleinern. Gleichzeitig verloren die Sozialdemokraten nach dem Zerbrechen der Regierungskoalition im Jahr 1920 zunehmend Einfluss auf das Bundesheer, das politisch zunehmend konservativ geprägt wurde. Parallel dazu entstanden in mehreren Bundesländern paramilitärische Verbände, aus denen später die Heimwehren hervorgingen. Diese entwickelten sich im Verlauf der 1920er-Jahre immer stärker zu einem Instrument der antidemokratischen Kräfte und sahen die Arbeiterbewegung als ihren Hauptgegner.

Gründung des Schutzbundes

Als Reaktion auf diese Entwicklungen formierten sich in den Industriegebieten bewaffnete Arbeiter- und Fabrikswehren. Im November 1922 fand in Wiener Neustadt eine Konferenz zur „Wehrhaftmachung des Proletariats“ statt, an der Vertreter der Partei, der Arbeitersportbewegung sowie sozialdemokratischer Jugendorganisationen teilnahmen. Der nächste Schritt war die Gründung des Republikanischen Schutzbundes.

Ein tragisches Ereignis beschleunigte diese Entwicklung: Am 17. Februar 1923 wurde der sozialdemokratische Betriebsrat Franz Birnecker nach einer politischen Auseinandersetzung erschossen. Zwei Tage später, am 19. Februar 1923, wurde in Wien der Republikanische Schutzbund gegründet; im April desselben Jahres erfolgte die offizielle Zulassung durch das Innenministerium.

An der Spitze der Organisation stand Julius Deutsch. Zu seinen wichtigsten Mitarbeitern gehörten unter anderem Alexander Eifler sowie Theodor Körner, der später Bürgermeister von Wien und Bundespräsident werden sollte.

Organisation und Bedeutung

Der Schutzbund war einheitlich uniformiert und militärisch organisiert – mit Kompanien, Bataillonen und Regimentern. Dennoch hatte er in den ersten Jahren eher den Charakter einer politischen Schutz- und Ordnerorganisation. Seine Mitglieder sicherten sozialdemokratische Veranstaltungen und Demonstrationen und sollten zugleich die Republik und ihre sozialen Errungenschaften verteidigen.

Seine größte Stärke erreichte der Republikanische Schutzbund im Jahr 1928 mit rund 80.000 Mitgliedern. Besonders stark vertreten war er in Wien, der Steiermark sowie in den Industriegebieten Nieder- und Oberösterreichs.

Politische Zuspitzung und Verbot

Die innenpolitische Situation verschärfte sich in den späten 1920er-Jahren zunehmend. Ein Wendepunkt war der 15. Juli 1927, als nach einem umstrittenen Gerichtsurteil der Wiener Justizpalast in Brand gesetzt wurde und es zu schweren Ausschreitungen mit zahlreichen Toten und Verletzten kam. Dieses Ereignis markierte eine Zäsur im politischen Klima der Republik.

Mit der Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er-Jahre verlor die Arbeiterbewegung an organisatorischer und politischer Stärke. Dennoch sah die Regierung unter Bundeskanzler Engelbert Dollfuß im Schutzbund ein Hindernis für ihre autoritären Pläne. Am 31. März 1933 wurde der Republikanische Schutzbund offiziell verboten.

Die Februarkämpfe 1934

Trotz des Verbots blieb die Organisation im Untergrund bestehen. Am 12. Februar 1934 kam es in Linz zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Schutzbundmitgliedern und staatlichen Sicherheitskräften. Die Kämpfe breiteten sich rasch auf weitere Städte aus und gingen als Februarkämpfe in die Geschichte ein.

Der Aufstand war jedoch von Beginn an aussichtslos. Polizei, Bundesheer und Heimwehr waren militärisch überlegen. Innerhalb weniger Tage wurde der Widerstand gebrochen, zahlreiche Schutzbundmitglieder wurden verhaftet, einige führende Vertreter hingerichtet, viele andere mussten ins Exil fliehen.

Mit dem Verbot der Sozialdemokratischen Partei und ihrer Organisationen endete damit auch die Geschichte des Republikanischen Schutzbundes. Die Ereignisse markierten zugleich den endgültigen Übergang Österreichs in den autoritären Ständestaat.

Erinnerung und Bedeutung heute

Der Republikanische Schutzbund steht bis heute symbolisch für den Versuch der österreichischen Arbeiterbewegung, Demokratie und soziale Rechte gegen autoritäre Entwicklungen zu verteidigen. Viele ehemalige Mitglieder engagierten sich später im antifaschistischen Widerstand oder kämpften in den Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg.

Die Erinnerung an den Schutzbund ist damit auch Teil der politischen Tradition der österreichischen Sozialdemokratie. Sie erinnert daran, wie zerbrechlich demokratische Errungenschaften sein können – und wie wichtig es ist, sie aktiv zu verteidigen.

Quellen:
http://www.freiheitskaempfer.at/wp-content/uploads/2023/03/FSW-01-02-03-Version-FINAL-WEB.pdf (Quelle auch für Titelbild)

https://de.wikipedia.org/wiki/Republikanischer_Schutzbund

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Republikanischer_Schutzbund

https://www.dasrotewien.at/seite/republikanischer-schutzbund

https://rotbewegt.at/lexikon/der-republikanische-schutzbund/

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