Josef Afritsch (13. März 1901 – 25. August 1964)
Josef „Beppo“ Afritsch wurde am 13. März 1901 in Graz geboren. Als Sohn des Kinderfreunde-Gründers Anton Afritsch wuchs er in einem sozial engagierten Umfeld auf. Nach Volks- und Bürgerschule absolvierte er eine Ausbildung an der Gartenbaumittelschule in Eisgrub und arbeitete zunächst als Gartentechniker im In- und Ausland. 1923 trat er in die Wiener Stadtgartenverwaltung ein, wo er unter anderem den amtlichen Pflanzenschutz organisierte.
Politisch engagierte er sich früh. Nach den Ereignissen des Februar 1934 unterstützte er in Wien die Hilfsmaßnahmen für verfolgte Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten. Während der NS-Zeit wurde Afritsch 1942 aus dem öffentlichen Dienst entlassen, verhaftet und zu Haftstrafen verurteilt. Er verbrachte Monate im Gefängnis und im Zuchthaus, bevor er sich 1944 der neuerlichen Haft entzog und bis Kriegsende untertauchte.
Nach 1945 übernahm Afritsch zentrale Funktionen beim Wiederaufbau. Er war Mitbegründer der SPÖ, gehörte dem Bundesparteivorstand an und wurde amtsführender Stadtrat für Allgemeine Verwaltungsangelegenheiten in Wien (1945–1959). Parallel dazu war er Stadtgartendirektor und engagierte sich maßgeblich im sozialen Bereich: Er wirkte an der Wiederbegründung sozialdemokratischer Hilfsorganisationen mit, war Präsident der Volkshilfe und koordinierte internationale Hilfsaktionen, unter anderem während des Ungarn-Aufstands 1956.
1959 wurde Afritsch zum Bundesminister für Inneres ernannt und übte dieses Amt bis 1963 unter den Bundeskanzlern Julius Raab und Alfons Gorbach aus. In seine Amtszeit fielen international beachtete Ereignisse wie der Besuch Nikita Chruschtschows in Österreich sowie das Gipfeltreffen zwischen John F. Kennedy und Chruschtschow 1961 in Wien. Ab 1962 war er zusätzlich Abgeordneter zum Nationalrat.
Zuletzt wirkte Afritsch als Regierungskommissär für die Wiener Internationale Gartenschau 1964 im Donaupark. Am 25. August 1964 verstarb er überraschend in Wien. Er erhielt ein Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof.
Josef Afritsch wurde vielfach ausgezeichnet, darunter mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich und dem Bayerischen Verdienstorden. In Wien erinnern die Josef-Afritsch-Wohnhausanlage in Hietzing sowie das ehemalige Josef-Afritsch-Heim an sein Wirken.
Quellen:
https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Josef_Afritsch
https://www.parlament.gv.at/person/22
https://www.dasrotewien.at/seite/afritsch-josef
https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_A/Afritsch_Josef_1901_1964.xml
https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Afritsch
Titelbild: https://www.dasrotewien.at/seite/afritsch-josef