30. Jänner 2026: Gedenken an Johann Pölzer (senior)

Johann Pölzer (Senior) – Der Volkstribun von Favoriten

Ein Leben für die sozialdemokratische Bewegung

Johann Pölzer (1872–1934) war einer der prägenden sozialdemokratischen Bezirkspolitiker Wiens und über Jahrzehnte eine zentrale Figur der Arbeiterbewegung in Favoriten. Als Nationalratsabgeordneter, Gemeinderat und langjähriger Bezirksobmann verkörperte er einen Politikstil, der stark in der Lebensrealität der arbeitenden Bevölkerung verankert war.

Geboren im mährischen Alt-Petrein als Sohn eines Kleinbauern, wuchs Pölzer in einfachen Verhältnissen auf. Schon als Kind musste er mitarbeiten. Mit 14 Jahren kam er nach Wien, um eine Schneidlerlehre zu beginnen – ein Schritt, der seinen weiteren Lebensweg entscheidend prägte.


Vom Arbeiter zum politischen Organisator

In Wien, zunächst in Ottakring, kam Johann Pölzer erstmals mit der Sozialdemokratie in Kontakt. Nach seinem Umzug nach Favoriten engagierte er sich intensiv beim Aufbau der dortigen Bezirksorganisation der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei.

1897 wurde Pölzer zum Obmann der Bezirksorganisation Favoriten gewählt – ein Amt, das er bis zu seinem Tod ausübte. Unter seiner Führung entwickelte sich die Organisation rasch: Mitgliederzahlen stiegen deutlich, die Parteiarbeit wurde stabilisiert und finanziell konsolidiert. Pölzer war bekannt dafür, ständig präsent zu sein – auf der Straße, in den Wirtshäusern, bei Versammlungen und im direkten Gespräch mit den Menschen.


Parlamentarier und Vertrauensperson der Partei

Neben seiner Arbeit im Bezirk war Johann Pölzer auch auf Landes- und Bundesebene politisch tätig. Von 1908 bis 1919 gehörte er dem niederösterreichischen Landtag an, in einer Zeit, als Wien noch Teil Niederösterreichs war. Ab 1918 war er Mitglied des Wiener Gemeinderates, von 1920 bis 1934 Abgeordneter zum Nationalrat.

Darüber hinaus war Pölzer Mitglied des Bundesparteivorstandes der Sozialdemokratie. Führende Parteipersönlichkeiten wie Victor Adler, Otto Bauer und Karl Renner schätzten ihn als verlässlichen Ansprechpartner und als politisches „Stimmungsbarometer“, insbesondere mit Blick auf die Arbeiterschaft in Wien-Favoriten.


Persönliche Verluste und zunehmende Belastung

Nach dem plötzlichen Tod seiner Frau Amalia im Jahr 1924 widmete sich Johann Pölzer nahezu ausschließlich der Parteiarbeit. Trotz zunehmender gesundheitlicher Probleme – insbesondere eines schweren Herzleidens – blieb er politisch aktiv.

Während der Ereignisse des Februar 1934 befand sich Pölzer krankheitsbedingt im Spital. Entgegen ärztlichem Rat versuchte er, nach Favoriten zurückzukehren. Er brach zusammen, wurde erneut ins Krankenhaus eingeliefert, verhaftet und in ein anderes Spital überstellt. Wenige Wochen später starb Johann Pölzer am 21. April 1934 in Wien.

Seine letzte Ruhestätte befindet sich am Wiener Zentralfriedhof.


Erinnerung und familiäres Erbe

Johann Pölzer blieb im kollektiven Gedächtnis Favoritens als volksnaher Politiker tief verankert. Zu seinen Ehren wurde eine kommunale Wohnhausanlage im 10. Bezirk nach ihm benannt: der Pölzerhof.

Sein Sohn, Johann Pölzer junior, setzte die sozialdemokratische Tradition der Familie fort und war später selbst Gewerkschafter, Gemeinderat und Nationalratsabgeordneter.


Bedeutung

Johann Pölzer senior steht exemplarisch für eine Generation sozialdemokratischer Funktionäre, die aus der Arbeiterschaft kamen und Politik als unmittelbaren Dienst an den Menschen verstanden. Seine langjährige Verankerung in Favoriten, seine organisatorische Aufbauarbeit und seine Präsenz im Alltag der Bevölkerung machten ihn zu einer zentralen Figur der Wiener Sozialdemokratie vor 1934.

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_P%C3%B6lzer_senior
https://www.dasrotewien.at/seite/poelzer-johann

Titelbild: (c) https://www.dasrotewien.at/seite/poelzer-johann

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