10. Jänner 2026: Josef Hindels – Lehrer und Gewissen unserer Bewegung

Vielen von uns ist Josef Hindels ein bekannter Name, er hat nicht wenig in seiner Lebenszeit geschrieben und so immer wieder den Diskurs geöffnet. Was ihn aber ganz besonders auszeichnet ist zum einen seine ehrliche Haltung und das enorme Wissen, dass er in den zahlreichen Schriften uns allen hinterlassen hat.

Wenn Menschen über die Ideen des Otto Bauer und des Austromarxismus der Zwischenkriegszeit lernen wollen, so werden sie über kurz oder lang auf Josef Hindels stoßen. Ebenfalls sind seine Broschüren und Bücher zum Februar 1934 sowie dem Widerstand in unseren Reihen bekannt und werden noch immer als Bildungsmaterial herangezogen.

Leider ist es der Fall, dass Hindels und sein Werk in den letzten Jahren kaum noch Aufmerksamkeit gefunden haben – dabei sollte in unseren Zeiten das Gegenteil der Fall sein.

Geboren während des Ersten Weltkrieges kam Hindels (1916-1990) durch die Familie in die Sozialdemokratie. Begonnen hat er seinen Weg in den Jugendorganisationen und lernte dabei auch Otto Bauer und die Ideen des Austromarxismus kennen. Wie viele andere war er in den frühen 1930er-Jahren enttäuscht von der SDAP und wandte sich 1932 einer kommunistischen Splittergruppe zu. Bereits in jungen Jahren beschäftigte er sich intensiv mit ideologischen Fragen und wie dereinst die bessere Welt aussehen sollte. Mit 17 Jahren erlebte er die Kämpfe des Februar 1934 in Wien mit, sah auch ihr Ergebnis. Der Widerstand, an dem er regen Anteil nahm, war nicht leicht und er floh unter dem Pseudonym „Karl Popper“ nach Prag. Ebenso wie Willy Brandt sollte es ihn nach Norwegen und nach dem Einmarsch der Wehrmacht im April 1940 nach Schweden ins Exil verschlagen. Erst im Exil brach er mit dem Kommunismus und blieb sein Leben lang ein aufrichtiger und ehrlicher Sozialist. Über Umwege kehrte er nach Österreich zurück und sollte in den Anfangsjahren Bildungsreferent der Sozialistischen Jugend werden. Seine „Erinnerungen eines linken Sozialisten“ sind ein Spiegelbild dieser Zeit.

In seiner frühen Arbeit stieß er auf den Unmut und Widerstand älterer Genossen. Viele aus dem Parteivorstand stießen sich an den linken Meinungen und Auffassungen von Hindels, nannten ihn einen Radikalen. Seine schwierigste Auseinandersetzung führte er gegen den Parteivorsitzenden Schärf, der mit der Ideologie und Tätigkeit von Hindels nicht einverstanden war. Dabei ließ Hindels sich nie verleugnen und blieb seinen Prinzipien stets treu. So wurde er, ohne es zu wollen, das Gewissen unserer Bewegung. In seinem Leben galt die wichtige inhaltliche Arbeit den FreiheitskämpferInnen und ihrer Vergangenheit. Über vierzig Jahre hinweg schrieb er eine Vielzahl von Broschüren zu den unterschiedlichsten Themen, ab 1971 gehörte er dem Bundesvorstand an bzw. war stv. Bundesvorsitzender. Besonders dem Widerstand und den Kämpfen des Februar 1934 widmete Hindels seine Aufmerksamkeit und erzählte so auch vom Leben des jungen Genossen Josef Gerl, der im Juli 1934 standrechtlich hingerichtet wurde. Als Zeitzeuge versuchte er all das zu erzählen, was ihm widerfahren ist und mahnte uns an diesen Lektionen.

Aus seiner eigenen Jugend heraus wusste er, dass politische und ideologische Bildung wichtig sind und nutzte sein über die Jahrzehnte gesammeltes Wissen. Auf besondere Art und Weise schaffte es Hindels, schwierige ideologische Standpunkte der Bewegung zu erklären und machte dies allen kommenden Generationen zugänglich.

Insbesondere für junge Menschen wollte er erklären, damit sie das entsprechende Werkzeug in die Hände bekommen und so den Kampf für eine bessere Welt führen können. Der Weg zum Sozialismus, so Hindels, sei ein langer und noch lange nicht vollendet – dafür bräuchte es weiterhin große Anstrengungen, gute Bildung und vor allem den Mut zu handeln. Ebenfalls widmete er sich der Analyse der neofaschistischen Bewegungen nach 1945, die 20 Jahre nach dem Kriegsende wieder aufkommen sollten. Für ihn war eine antifaschistische Grundhaltung der Grundstein einer jeden sozialistischen und sozialdemokratischen Bewegung, ohne diese könnte sie nicht tätig sein. Dieser Grundsatz gilt für das Hier und Jetzt, in unserer täglichen Arbeit für die Sozialdemokratie, umso mehr angesichts des immer stärker werdenden Rechtsextremismus.

Mit seinen zahlreichen Tätigkeiten und dem gesammelten Wissen stand er vierzig Jahre lang im besten Dienst unserer Organisation und beweist heute, wie damals, dass der Kampf gegen Rechtsextreme und Faschisten sowie der Kampf für eine bessere Welt immer gemeinsam geführt werden müssen!

Alexander Rath

Foto: https://wiener-bildungsakademie.wien/events/josef-hindels-symposium/

Der Dank für den Text und die Bilder geht an den Bund Sozialdemokratischer FreiheitskämpferInnen,
Opfer des Faschismus und aktiver AntifaschistInnen. Alle Artikel der aktuellen Ausgabe finden sich hier: http://www.freiheitskaempfer.at/wp-content/uploads/2024/12/Kaempfer-10-11-12-2024.pdf

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