Eines der frühesten Dokumente, denen die Zweite Republik ihr Bestehen verdankt, ist die Moskauer Deklaration von 1943, welche unter anderem besagt, dass Österreich(er) selbst einen aktiven Beitrag zur Befreiung ihrer Heimat zu leisten haben. Ergebnis dessen waren die aus Österreichern bestehenden Freiwilligenverbände in Jugoslawien und Frankreich aufseiten der dortigen Partisanen. Individuell traten in die britische Armee rund 2.000 Österreicher ein; ebenso viele kämpften auch in der sowjetischen Armee. Weiters fanden sich Österreicher in den (Exil-)Streitkräften der USA, Kanadas, Australiens, Polens und Belgiens. Rechnet man auch die im alliierten Dienst operierenden Widerstandskämpfer in Österreich mit ein, so kommt man auf rund 42.000 Männer und Frauen, die mit der Waffe in der Hand für Österreichs Freiheit kämpften.
Vorbereitungen und Gründung des I. Österreichischen Freiheitsbataillons
Unmittelbar nach der Moskauer Deklaration, also noch Ende 1943, gelang es dem ZK der KPÖ in Moskau Kontakte zu den jugoslawischen Partisanen aufzubauen zwecks Formierung österreichischer Abteilungen. Konkrete Pläne konnten im Frühjahr 1944 erarbeitet werden, als eine Militärdelegation der jugoslawischen Partisanen für Verhandlungen nach Moskau kam. Mitglieder des ZK der KPÖ besprachen mit dieser Delegation die Möglichkeiten zur Aufstellung einer österreichischen Kampftruppe innerhalb der Jugoslawischen Volksbefreiungsarmee (NOVJ) möglichst nahe zur österreichischen Grenze. Im Sommer 1944 sprang Franz Honner, ZK-Mitglied und späterer Innenminister der provisorischen Regierung Renner, als Quartiermacher mit dem Fallschirm über Slowenien ab. Honner hatte sich bereits im Spanischen Bürgerkrieg als Organisator des österreichischen „12. Februar-Bataillons“ bewährt. Anfang Oktober folgten ihm 20 weitere Österreicher aus Moskau, die teilweise schon im Republikanischen Schutzbund oder im Spanischen Bürgerkrieg militärische Erfahrungen gesammelt hatten, mit dabei auch eine Frau, Gusti Hölzl, die als Funkerin ausgebildet war. Die Anwerbung von Freiwilligen erfolgte auf zwei Ebenen: Erstens unter jenen Österreichern, die bereits zu den jugoslawischen Partisanen übergelaufen waren und in verschiedenen Einheiten kämpften. Zweitens unter österreichischen Kriegsgefangenen aus den Reihen der Wehrmacht, diese stellten dann auch das Gros der Kämpfer. Sie trugen die Uniformen der Jugoslawischen Volksarmee mit dem österreichischen Wappen am linken Oberarm und legten einen Treueeid ab, der wenige Wochen zuvor im Moskauer Exil von Ernst Fischer entworfen worden war und mit den Worten „Tod dem Faschismus! Freiheit dem Volke!“ schloss.
Nach Vorbild der Sowjetarmee wurden Politkommissare eingesetzt, die für die politische Schulung der Kämpfer zuständig waren. Dabei wurde nicht nur ein unabhängiges, demokratisches Österreich propagiert, sondern auch versucht, die Freiwilligen kommunistisch zu indoktrinieren, denn nur ein kleiner Teil ihrer Angehörigen waren Mitglieder der KPÖ. Schon Anfang Jänner 1945 ging das rund 95 Mann starke Freiheitsbataillon in die Kampfbereitschaft über. Seine Feuertaufe erlebte es am 16. Jänner 1945 bei Žužemberk. Es folgten Gefechte am 21. Jänner, am 28. Februar und schließlich am 12. April 1945. Auch wenn die Bereitschaft beim absehbaren Kriegsende seinen Kopf zu riskieren sank, waren doch Gefallene zu beklagen: Alfred Kinkela, Anton Jogl, Karl Kirkenweiz, Leo Eder, Bruno Petru, Johann Winkler, Willi Högl, Willi Frank und Politkommissar Roman Füchsel. Das Bataillon marschierte am 29. April Richtung Podgrad ab, um über Ljubljana am 7. Juni nach Wien zu gelangen.
Das II., III., IV. und V. Österreichische Freiheitsbataillon
Aufgrund des großen Zulaufes von Österreichern zu den jugoslawischen Partisanen – für viele war die Nachricht über eine österreichische Freiwilligeneinheit ausschlaggebend – wurden noch vier weitere Bataillone gegründet, die allerdings nicht mehr eingesetzt wurden. Das II. Österreichische Freiheitsbataillon wurde im April 1945 im Raum Belgrad gegründet. Schon nach kurzer Zeit erhielt es den Befehl, als erstes nach Österreich heimzukehren, wo es am 12. Mai 1945 über die Wiener Ringstraße paradierte. In Wien wurden die Angehörigen der Freiheitsbataillone begeistert empfangen. Bei einer Kundgebung am 15. Mai im Burghof der Hofburg wurde das II. Bataillon von Bürgermeister Theodor Körner und Regierungsmitgliedern begrüßt. Angesichts der desolaten Sicherheitsverhältnisse in Wien wurden die Österreichischen Bataillone in den polizeilichen Hilfsdienst eingegliedert. Wer wollte, durfte abrüsten. Aus den ehemaligen Reihen der Revolutionären Sozialisten gehörte Erwin Scharf den slowenischen PartisanInnen an. Er war von 1945 bis 1948 SPÖ-Zentralsekretär, wurde 1948 aus der SPÖ ausgeschlossen, gründete dann die Links-Sozialisten und schloss sich mit ihnen der KPÖ an.
Gerald Netzl
Foto: Franz Honner.jpg Credit: Bildarchiv der KPÖ
Text: Franz Honner in der Uniform der Österreichischen Freiheitsbataillone.
Der Dank für den Text und die Bilder geht an den Bund Sozialdemokratischer FreiheitskämpferInnen,
Opfer des Faschismus und aktiver AntifaschistInnen. Alle Artikel der aktuellen Ausgabe finden sich hier: http://www.freiheitskaempfer.at/wp-content/uploads/2024/12/Kaempfer-10-11-12-2024.pdf