10. Februar 2024: Die SPÖ Bildung gedenkt Manfred Ackermann

„Wenn es so etwas gäbe wie ein Pantheon der österreichischen Sozialdemokratie, dann hätte Manfred Ackermann dort ganz gewiss einen sicheren Platz.“

Mit diesen Worten würdigte einst Heinz Fischer einen der ganz großen Sozialdemokraten. Den vor 125 Jahren geborenen Freiheitskämpfer, ersten Vorsitzenden des Zentralkomitees der Revolutionären Sozialisten, engagierten Gewerkschafter, Volksbildner, Mitorganisator des mit Rosa Jochmann gegründeten Jugendkontaktkomitees und langjährigen Vorsitzenden der Wiener Landesgruppe der Sozialistischen Freiheitskämpfer und Opfer des Faschismus – den Visionär Manfred Ackermann.

Dem am 1. November 1898 in Mähren geborenen achten Kind einer jüdischen Arbeiterfamilie war es nicht in die Wiege gelegt, ein bedeutender Widerstandskämpfer, ein Weltbürger und überzeugter Sozialdemokrat zu werden. Kurz nach seiner Geburt übersiedelten seine Eltern nach Wien. Unterbrochen von Zeiten der Arbeitslosigkeit, war er, nach dem Besuch der Handelsschule, als Handelsangestellter tätig. 1916 als Frontuntauglicher zum Heeres-Bürodienst verpflichtet, traf er Bruno Kreiskys
Vater, Max Kreisky, der ihn bewog, der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei beizutreten. Parallel wurde er Mitglied im Zentralverein der kaufmännischen Handelsangestellten. Unter der Bezeichnung „Wiener Richtung“ bildete sich um
Ackermann rasch ein Kreis junger Menschen. Mit ihnen übernahm er ab 1922 die Führung der Wiener Sozialistischen Arbeiterjugend. Die Anstellung im Zentralverein der kaufmännischen Angestellten bot ihm ab 1923 Gelegenheit, die Jugendabteilung des
Vereins zu modernisieren und zur bedeutendsten Jugendorganisation aufzubauen, deren neue Struktur er beim 40-jährigen Jubiläum des Zentralvereins präsentieren konnte. Der spätere wissenschaftliche Leiter des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes, Wolfgang Neugebauer, prägte in seiner Dissertation „Geschichte der sozialdemokratischen Jugendbewegung in Österreich“ den Begriff „Die Ära Ackermann“.

Manfred Ackermann ehelichte 1926 Paula Popp. 1927 kam Sohn Peter zur Welt. Die Familie bezog eine Wohnung am Brigittaplatz 11, die sie, vor der Flucht vor den Deutschen Truppen, 1938 kündigten. 2008 wurde ihr einstiges Wohnhaus Manfred-Ackermann-Hof benannt.

Nach dem Verbot der Partei 1934 bildete sich unter Ackermann das erste – fünfköpfige – Zentralkomitee der Revolutionären Sozialisten (RS). Mit Broschüren, Flugblättern und politischen Witzen wurde von ihnen Aufklärung geleistet. Rote Fahnen, die Parole „Wir kommen wieder“ und die eingeschmuggelte „Arbeiter-Zeitung“ gaben Zeugnis von der Existenz der Partei. Ackermann, Deckname Karl Stein, wurde in dieser Zeit zweimal verhaftet. Er gehörte bis zu seiner Flucht 1938 der Führung der RS an.

Ein von Fini Muhr und Robert Uhlir organisierter Reisepass auf den Namen Hübner ermöglichte seine Flucht vor dem Hitler-Faschismus. Über Umwege gelangte er zur Tagung der österreichischen Sozialisten in Brüssel, übersiedelte nach Paris und trat dort Buttingers Auslandsvertretung der österreichischen Sozialisten (AVÖS) bei. Nach mehrmaliger Verhaftung gelang es ihm mit seiner Familie über Portugal in die USA zu emigrieren. Lernwille und eine geliehene Nähmaschine verhalfen ihm zur Beschäftigung in einer Herrenbekleidungsfabrik. Er trat der Amerikanischen Sozialistischen Partei bei, unterstützte aus der Ferne die österreichischen GenossInnen und war bis zu seiner Pensionierung Funktionär einer fachspezifischen Gewerkschaft.

1964 stattete er Wien einen Kurzbesuch ab, bei dem ihn Ali Kohlbacher am Flughafen Schwechat begrüßen konnte. Im November 1964 wurden Paula und Manfred Ackermann, bei der endgültigen Rückkehr, von einer großen Delegation in Schwechat willkommen geheißen. Ackermann stellte sich umgehend für die SPÖ-Bildungsarbeit, die Tätigkeit für die Gewerkschaft sowie die Betreuung des Jugendkontaktkomitees zur Verfügung. Mehr als 39 Ausgaben des Sozialistischen Kämpfers, die Verleihung der Otto-Bauer-Plakette, des Berufstitels Professor und zahlreiche weitere Ehrungen würdigten seine Tätigkeit. Unter dem Motto „Das gewöhne ich mir nicht ab. Das macht mein Innenleben sehr reich.“ blieb er Zeit seines Lebens Marxist.

Zu Ackermanns 100. Geburtstag schrieb Hans Sallmutter, Vorsitzender der GPA: „Es gilt heute als modern, Werte und Begriffe der eigenen Bewegung in Frage zu stellen oder gar über Bord zu werfen“, und mahnte „Das Gebäude der sozialen Sicherheit und der Demokratie konnte nur erbaut werden auf einem Fundament, das unermüdliche Kämpfer für die Ideen der Solidarität und Gerechtigkeit errichtet haben.“ Sallmutter sollte recht behalten. Spin-Doktoren scheiterten. Das Modell Manfred Ackermanns, an neue Zeiten angepasst, hat heute mehr denn je Gültigkeit.

Edith Krisch

Foto: Manfred Ackermann.jpg Credit: Peter Lhotzky

Fototext: Manfred und Paula Ackermann



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