3. August 2023: Ist Rechtsextremismus (noch) Männersache?

Im Frühjahr fand ein Projekt der Volkshochschule Liesing über Weiblichkeit und Männlichkeit im rechtsextremen Spektrum statt.

Wenn es um rechte Hetze geht, so ist das Bild des springerstiefeltragenden Skinheads in Bomberjacke noch immer fest im kollektiven Gedächtnis der Bevölkerung abgespeichert. Selbiges gilt für den polternden, verbale Grenzen überspringenden Politiker, der seine Verachtung gegenüber liberalen Gesellschaftsentwürfen in ein Mikrofon oder die Fernsehkamera brüllt. Diese Bilder rühren freilich daher, dass die rechte bis rechtsextreme Szene bis heute eine männlich dominierte darstellt. Frauen haben in dieser Öffentlichkeit traditionell eine untergeordnete Rolle gespielt. Dies liegt freilich auch daran, dass in jenem Weltbild Männer den Frauen übergeordnet sind. Rechte Politik und Lebensentwürfe sind daher nicht nur von Antifeminismus, sondern auch Misogynie durchzogen. Trotzdem gibt es Frauen, die sich seit jeher von rechten Ideologien angezogen fühlen. Es handelt sich demnach nicht nur um ein sehr komplexes Thema. Es stellt sich auch die Frage, warum sich gesellschaftliche Bilder über Geschlecht und Rechtsextremismus halten, obwohl mit Marine Le Pen und Beate Zschäpe in den letzten Jahren auch Frauen mediale Aufmerksamkeit zuteilwurde. Gleichzeitig versuchen rechte Bewegungen seit einigen Jahren, ihr polternd-maskulines Image aufzupolieren. Gruppen wie die Identitäre Bewegung setzen (junge) Frauen auf Fotos, bei Störaktionen und auf Social Media bewusst in Szene. Junge Frauen werden in Videos auf sozialen Plattformen als unbedrohliche Influencerinnen inszeniert. Erst nach und nach kommt deren demokratiegefährdendes Weltbild zum Vorschein. Rassistische und antisemitische Menschenverachtung erscheint in diesen Videos in einem hippen und weiblichen Gewand. Trotz alledem nehmen Frauen in Wissenschaft und Forschung sowie in der öffentlichen Debatte über Rechtsextremismus eine untergeordnete Rolle ein.

Die Volkshochschule Liesing widmete sich im Frühjahr 2023 dem Spannungsfeld von Rechtsextremismus, Weiblichkeit und Geschlechterrollen innerhalb der rechten Szene. Unter dem Projektnamen „Ist Rechtsextremismus (noch) Männersache“ fanden vier kostenlos zu besuchende Veranstaltungen in Kooperation mit dem Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes statt. Ermöglicht wurde dies durch eine Förderung der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung. Die Themen der Vorträge waren breit gefächert und wurden der Komplexität des Feldes mehr als nur gerecht. Bei den Vorträgen „Männlichkeit und die Ablehnung von Weiblichkeit in der (extremen) Rechten“, „Frauen in der rechten bis rechtsextremen Szene“ und „(Deutschnationale) Studentenverbindungen und Männlichkeit. Österreich und die USA im Vergleich“ konnten die TeilnehmerInnen etwa mehr über den herrschenden Antifeminismus innerhalb der rechtsextremen und rechten Strömungen erfahren. Auch darüber, dass der heutige Diskurs über rechtsextreme Frauen noch immer mehrheitlich von Medien getragen wird. Berichterstattungen sind jedoch, sofern vorhanden, mehrheitlich von Skandalisierung und Sexismus geprägt. Es wurde auch ein kleiner Exkurs in die verschiedenen Etappen der Forschung über Frauen im Rechtsextremismus gegeben. Jene wissenschaftliche Auseinandersetzung begann in Österreich erst sehr spät. In den 1980er Jahren begannen feministische WissenschaftlerInnen, sich der Rolle der Frauen im Nationalsozialismus und auch innerhalb aktueller Strömungen zu widmen.

Abschließend gab es eine Diskussion mit Filmausschnitten aus dem Film „300“, die von zwei Klassen des RG/ORG 23 Anton-Krieger-Gasse besucht wurde. Der Film „300“ genießt Kultstatus innerhalb der rechten Szene. Besonders die Darstellung von Männlichkeit und Kriegertum trägt dazu bei. Beispielsweise hat die Identitäre Bewegung den griechischen Buchstaben Lambda, der ihr Logo darstellt, dem Film entnommen.

Bis auf die Abschlussveranstaltungen der Reihe wurden alle Vorträge aufgenommen und sind als Audiostreams für alle Interessierten kostenlos unter zum Nachhören zugänglich: http://www.vhs.at/gegenrechtsextremismus

Franz Mock

Foto: Mock_Geschlechter_Rechtsextremismus.jpg Credits: Vanessa Wendler

Fototext: Initiator des Projekts Franz Mock (l.) mit DÖW-Mitarbeiter Andreas Peham

Quelle „Der Sozialdemokratische Kämpfer 4-5-6/2023“ 

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