Ludwig Hirsch (1946–2011)
Dunkler Chansonnier, Schauspieler und eine markante Stimme des Austropop
Ludwig Gustav Hirsch wurde am 28. Februar 1946 in der Steiermark geboren und wuchs in Wien-Leopoldstadt auf. Er wurde als Liedermacher und Schauspieler zu einer prägenden Figur der österreichischen Popkultur – bekannt für Lieder, die gesellschaftliche Abgründe, Tod, Gewalt und Alltagsbrutalität thematisierten, oft verbunden mit typisch wienerischem Humor und einer melancholischen, manchmal beinahe zärtlichen musikalischen Oberfläche. Hirsch starb am 24. November 2011 in Wien.
Vom Grafikstudenten zur Bühne
Nach der Schulzeit begann Hirsch zunächst ein Grafikstudium an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien, wechselte dann jedoch zur Schauspielschule Krauss. Sein Theaterweg führte ihn unter anderem nach Regensburg und Wuppertal; in Wien war er von 1975 bis 1979 Mitglied des Ensembles Theater in der Josefstadt. Parallel arbeitete er später immer wieder für Film und Fernsehen und blieb dem Schauspiel über Jahrzehnte verbunden.
Der Durchbruch als Liedermacher
Als Musiker wurde Hirsch ab 1978 mit dem Album „Dunkelgraue Lieder“ bekannt. Er entwickelte eine eigene Form des Erzählens im Lied: Figuren, Milieus und dramatische Miniaturen standen im Zentrum, oft vorgetragen in kunstvoll gestaltetem Dialekt und mit der Präzision eines Schauspielers. Bereits früh sorgte diese Ästhetik auch für Debatten – etwa weil einzelne Lieder als besonders düster wahrgenommen wurden.
In den folgenden Jahren erschien eine Reihe erfolgreicher Alben, darunter „Komm, großer schwarzer Vogel“ (1979), „Zartbitter“ (1980), „Bis zum Himmel hoch“ (1982) und „Bis ins Herz“ (1983). Hirsch wurde zu einem wichtigen Vertreter des Austropop, griff aber auch Motive des Wiener Lieds auf und interpretierte vereinzelt klassisches Liedgut neu.
Große Konzerte, breite Wirkung, „Perlen“
In den frühen 1990er-Jahren erreichte Hirsch mit Bühnenprogrammen und Tourneen ein Massenpublikum; zeitweise trat er mit Band vor sehr großem Publikum auf, oft arbeitete er aber auch in reduzierter Besetzung – etwa mit seinem langjährigen Gitarristen Johann M. Bertl.
Ein spätes Karrierehighlight war das Album „Perlen“ (2002), das in Österreich Goldstatus erreichte und mit einem Amadeus Austrian Music Award ausgezeichnet wurde. 2006 veröffentlichte er „In Ewigkeit Damen“, darunter ein Duett mit Rebekka Bakken. Zusätzlich war Hirsch auch als Radiomoderator tätig (u. a. bei Ö3).
Stil: Antagonismus aus Text und Musik
Charakteristisch für Hirsch ist der Kontrast zwischen romantisch-melancholischer Melodik und bissig-sarkastischen, teils morbid erzählten Texten. Gerade dieser Gegensatz verstärkte die Wirkung vieler Lieder: scheinbar Sanftes trifft auf harte Realität, Humor auf Tragik, Alltagsbeobachtung auf gesellschaftliche Kritik. Damit wurde Hirsch zu einem der markantesten Erzähler österreichischer Popmusik.
Persönliches, Tod und Erinnerung
Hirsch war ab 1977 mit der Schauspielerin Cornelia Köndgen verheiratet; das Paar hatte einen Sohn. Er litt zuletzt an einer schweren Erkrankung und nahm sich am 24. November 2011 das Leben.
Er erhielt ein ehrenhalber gewidmetes Grab der Stadt Wien am Gersthofer Friedhof. Seit 2017 erinnert in der Leopoldstadt der Ludwig-Hirsch-Platz an ihn. Außerdem wurde er mehrfach ausgezeichnet, darunter mit einer Briefmarke (1993), dem Silbernen Ehrenzeichen des Landes Wien (2001) und weiteren Ehrungen; posthum erhielt er einen Amadeus für sein Lebenswerk (2012).
Ludwig Hirsch im Kontext von Bildungsarbeit
Im Bildungskontext lässt sich sagen, ist Ludwig Hirsch interessant, weil seine Kunst gesellschaftliche Themen nicht umgeht, sondern sichtbar macht: soziale Kälte, Gewalt, Verdrängung, Bigotterie, Ausgrenzung – und das nicht als moralischer Kommentar von oben herab, sondern als Erzählung aus Milieus und Biografien. Seine Lieder eignen sich als Ausgangspunkt, um über gesellschaftliche Verantwortung, Solidarität und Menschlichkeit zu sprechen – gerade dort, wo der Alltag dunkel wird.
Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Hirsch
https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Ludwig_Hirsch
https://oe1.orf.at/artikel/681648/Ludwig-Hirsch-Oesterreichs-dunkler-Chansonnier
https://www.derstandard.at/story/2000076134243/ludwig-hirsch-der-unerreichte-meister-der-dunkelgrauen-lieder
Titelbild: https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Hirsch#/media/Datei:Ludwig_Hirsch_Wien2008.
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