23. Oktober 2025: 200. Geburtstag von Friedrich von Schmidt (1825–1891) – Architekt der Ringstraßenära

Friedrich Wilhelm Schmidt, seit 1886 Freiherr von Schmidt, wurde am 23. Oktober 1825 im württembergischen Frickenhofen geboren und starb am 23. Jänner 1891 in Wien. Er gilt als einer der bedeutendsten Architekten der Donaumonarchie und prägte mit seinen Bauten und Restaurierungen den neugotischen Stil in Mitteleuropa.

Herkunft und Ausbildung

Schmidt stammte aus einer Pastorenfamilie. Seine frühe Ausbildung erhielt er an der Gewerbeschule in Stuttgart, bevor er 1843 in die Kölner Dombauhütte eintrat. Dort lernte er das Handwerk von Grund auf, legte 1848 die Meisterprüfung als Steinmetz ab und wurde Werkmeister. 1856 schloss er die Baumeisterprüfung an der Berliner Bauakademie ab.

Berufliche Laufbahn

Nach ersten Erfolgen in Köln führte ihn sein Weg nach Mailand, wo er 1858/59 an der Kunstakademie mittelalterliche Architektur lehrte und Restaurierungen in Oberitalien betreute. 1859 erhielt er eine Berufung nach Wien. Hier begann seine bis zum Tod währende Lehrtätigkeit an der Akademie der bildenden Künste, die er mehrmals auch als Rektor leitete.

Bereits 1863 übernahm Schmidt die Leitung der Dombauhütte von St. Stephan. Die Erneuerung des Südturm-Helms zählt zu seinen zentralen Leistungen. Seine wichtigste Arbeit war jedoch das Wiener Rathaus (1872–1883), ein Hauptwerk der Ringstraßenära, das ihm überregionale Berühmtheit einbrachte. Daneben entstanden zahlreiche Kirchen- und Profanbauten in Wien, in den österreichischen Kronländern sowie in Deutschland, Ungarn, Kroatien und Italien. Auch als Restaurator historischer Burgen – etwa in Klosterneuburg, Wernigerode oder Runkelstein – hinterließ er bleibende Spuren.

Wirkung und Stil

Obwohl er als Vertreter des strengen Historismus galt, verband Schmidt in seinen Arbeiten oft gotische Formen mit Elementen anderer Epochen. Besonders charakteristisch war die Verwendung von Backstein im Sakralbau. Mit Projekten wie der Kirche Maria vom Siege in Wien setzte er Maßstäbe, indem er gotische Formen mit barocken Raumkonzepten kombinierte.

Sein Einfluss reichte weit über seine eigenen Werke hinaus: Die sogenannte „Schmidt-Schule“ brachte zahlreiche bedeutende Architekten hervor, darunter Franz von Neumann, Viktor Luntz und Georg von Hauberrisser. Auch viele Schüler jüdischer Herkunft fanden durch ihn den Weg zu einer erfolgreichen Karriere, was seiner liberalen Haltung zu verdanken war.

Auszeichnungen und Anerkennung

Friedrich von Schmidt war nicht nur Architekt, sondern auch Politiker und Kulturfunktionär. Er wirkte als Wiener Gemeinderat, Mitglied der Zentralkommission für Denkmalpflege und ab 1888 im Herrenhaus. Für seine Verdienste erhielt er hohe Orden, internationale Ehrungen und wurde 1883 Ehrenbürger der Stadt Wien. 1886 erhob man ihn in den Freiherrenstand.

Tod und Erinnerung

Schmidt starb 1891 in Wien im Alter von 65 Jahren. Er erhielt ein Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof, entworfen von seinem Schüler Viktor Luntz. Hinter dem Rathaus erinnert heute der Friedrich-Schmidt-Platz mit Denkmal an den Architekten, dessen Lebensmotto lautete: Saxa loquuntur – „Steine sprechen“.

Quellen:
https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Friedrich_von_Schmidt
https://www.architektenlexikon.at/de/555.htm
https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_von_Schmidt

Titelbild: https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_von_Schmidt#/media/Datei:Friedrich_Freiherr_von_Schmidt.jpg (Lizenz gemeinfrei, Friedrich Freiherr von Schmidt, Fotografie von Ludwig Angerer)

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