Lotte Bailyn, geboren am 17. Juli 1930 in Wien, zählt zu den bedeutendsten Sozialpsychologinnen ihrer Zeit. Ihre wegweisenden Forschungen zur Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben haben die Arbeitswelt nachhaltig geprägt. Im Jahr 2022 wurde ihr Wirken mit dem ersten „Marie-Jahoda-Preis für herausragende wissenschaftliche Erkenntnisse“ gewürdigt – eine besondere Ehre, die nicht zuletzt durch ihre familiären Wurzeln eine besondere Bedeutung hat. Ihre Mutter, Marie Jahoda, war selbst eine wegweisende Sozialwissenschaftlerin.
Ein Leben zwischen Wien und den USA
Bailyn wurde als Tochter von Marie Jahoda und Paul Felix Lazarsfeld im Wiener Karl-Marx-Hof geboren. Aufgrund der politischen Verhältnisse emigrierte sie 1937 mit ihrem Vater nach New York, während ihre Mutter nach England ging. Nach ihrem Mathematikstudium am Swarthmore College promovierte sie 1956 in Sozialpsychologie an der Radcliffe Graduate School.
Ihre wissenschaftliche Karriere führte sie schließlich ans renommierte Massachusetts Institute of Technology (MIT), wo sie 1980 als erste Frau eine Professur an der Sloan School of Management erhielt. Ihre Forschungsarbeiten konzentrierten sich insbesondere auf die Wechselwirkungen zwischen beruflichem Erfolg und familiärem Leben.
Die „Duale Agenda“ – Arbeit und Privatleben neu gedacht
Bailyns zentrale These war, dass starre Trennungen zwischen Arbeitswelt und Privatleben nicht nur für Individuen, sondern auch für Unternehmen von Nachteil sind. Ihr Konzept der „Dualen Agenda“ zeigte auf, dass flexiblere Arbeitsmodelle sowohl die Produktivität als auch die Lebensqualität der Beschäftigten verbessern können. Sie setzte sich für eine Umgestaltung der Arbeitswelt ein, die Gleichstellung und Effizienz miteinander vereint.
Auszeichnung mit dem Marie-Jahoda-Preis
Für ihre bahnbrechenden Arbeiten wurde Lotte Bailyn im Oktober 2022 mit dem ersten „Marie-Jahoda-Preis für herausragende wissenschaftliche Erkenntnisse“ ausgezeichnet. Die Auszeichnung ehrt Wissenschaftler:innen, deren Forschung maßgeblich zur Weiterentwicklung der Sozialwissenschaften beiträgt. Besonders bemerkenswert ist, dass Bailyn damit eine Auszeichnung erhielt, die den Namen ihrer eigenen Mutter trägt – ein symbolträchtiger Moment in ihrer Karriere.
Vermächtnis einer Pionierin
Bailyns Forschung beeinflusst bis heute Debatten über moderne Arbeitsgestaltung, Geschlechtergerechtigkeit und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Ihr Lebensweg – vom Karl-Marx-Hof in Wien zur ersten weiblichen Managementprofessorin am MIT – ist ein beeindruckendes Beispiel für wissenschaftliche Exzellenz und gesellschaftliches Engagement.
Quellen:
- https://spoe-bildung.at/marie-jahoda-preis-fur-herausragende-wissenschaftliche-erkenntnisse/
- https://de.wikipedia.org/wiki/Lotte_Bailyn
- https://www.derstandard.at/story/3000000216364/lotte-bailyn-vom-karl-marx-hof-zur-ersten-managementprofessorin-am-mit
- https://www.falter.at/zeitung/20240709/vom-karl-marx-hof-nach-harvard
- https://en.wikipedia.org/wiki/Lotte_Bailyn