19. April 2025: Gedenken an den Aufstand im Warschauer Ghetto am 19. April 1943

„Nicht wie Lämmer zur Schlachtbank“ – Der Aufstand im Warschauer Ghetto 1943

Im April 2025 jährt sich zum 82. Mal der Aufstand im Warschauer Ghetto – jenes verzweifelte, aber heroische Aufbegehren gegen die maschinelle Vernichtungslogik des Nationalsozialismus. Aus historischer Perspektive stellt dieser Aufstand nicht nur einen Akt militärischen Widerstands dar, sondern auch ein moralisches Signal: ein Aufstand gegen die Entmenschlichung, gegen das kollektive Schweigen, gegen das Schicksal, das Millionen von europäischen Jüdinnen und Juden zugedacht war.

Das Warschauer Ghetto, errichtet 1940 von den deutschen Besatzungsbehörden im Herzen der polnischen Hauptstadt, war mit über 400.000 Menschen das größte seiner Art. Hunger, Krankheit und Repression bestimmten den Alltag. Bis Ende 1942 waren bereits 300.000 Menschen deportiert worden – vor allem nach Treblinka. Inmitten dieser Hölle formierte sich – getragen von zionistischen, sozialistischen und kommunistischen Jugendorganisationen sowie dem Jüdischen Militärverband (ŻZW) – ein Widerstand, der sich im April 1943 offen gegen die bevorstehende vollständige Liquidation des Ghettos erhob.

Am 19. April, dem Vorabend des jüdischen Pessachfestes, begann der bewaffnete Aufstand. In einem Akt schier aussichtslosen Mutes stellten sich rund 750 schlecht bewaffnete Kämpferinnen und Kämpfer den über 2.000 Soldaten der SS und deutschen Ordnungspolizei entgegen. Ihre Ausrüstung: einige Pistolen, Revolver, wenige Gewehre, improvisierte Sprengsätze und Molotowcocktails. Ihre Hoffnung: der Welt zu zeigen, dass die jüdische Bevölkerung sich nicht widerstandslos abschlachten ließ.

Unter der militärischen Leitung von Mordechaj Anielewicz (ŻOB) und Paweł Frenkiel (ŻZW) gelang es den Aufständischen, das Ghetto über Wochen hinweg in einem Verteidigungszustand zu halten. Häuser wurden miteinander verbunden, Bunker angelegt, Tunnelsysteme geschaffen – die Stadt wurde zur Festung. Der Gegenschlag der Deutschen war brutal: systematische Zerstörung ganzer Häuserzeilen, Einsatz von Flammenwerfern, Luftangriffen, Gas und gezielter Massenmord. Am 8. Mai 1943 kam es zum tragischen Höhepunkt, als der zentrale Bunker der ŻOB in der Miła-Straße 18 durch die Deutschen gestürmt wurde. Anielewicz und Dutzende seiner Kameraden nahmen sich das Leben.

Am 16. Mai verkündete der SS-General Jürgen Stroop das Ende des Widerstands und ließ die Große Synagoge von Warschau sprengen – eine grausame symbolische Geste, mit der er den jüdischen Widerstand auslöschen wollte. Doch nicht alle Kämpfer waren gefallen. Einige flohen über die Kanalisation, andere wurden Partisanen, schlossen sich später dem Warschauer Aufstand von 1944 an oder lebten versteckt in den Trümmern der Stadt. Ihre Geschichten erzählen vom Fortbestand des Widerstands – nicht trotz der Auslöschung, sondern gegen sie.

Der Aufstand im Warschauer Ghetto war militärisch gesehen chancenlos. Politisch und historisch jedoch war er ein Fanal. Er zeigte, was möglich war, selbst im Angesicht totaler Verzweiflung. Es war ein Akt der moralischen Selbstbehauptung, ein Nein zu systematischer Entwürdigung – nicht zuletzt auch ein Gegenentwurf zu jener perfiden NS-Erzählung vom „wehrlosen Juden“.

Als Historiker, der sich mit der politischen Kultur des Widerstands und der Erinnerung auseinandersetzt, sehe ich im Warschauer Ghetto-Aufstand einen Kristallisationspunkt jüdischer Selbstbehauptung und sozialer Solidarität. Inmitten des industriell organisierten Mordens war dieser Aufstand ein Appell an die Welt – ein Ruf, der lange ungehört blieb, aber heute umso deutlicher nachhallt.

Marek Edelman, einer der wenigen überlebenden Anführer, sagte später: „Es ging nicht um den Sieg. Es ging um die Würde.“

Quelle: https://de.wikipedia.org/

Bild: Das berühmte Foto des Jungen aus dem Warschauer Ghetto, das sehr wahrscheinlich während des Aufstands aufgenommen wurde (April/Mai 1943), Lizenz gemeinfrei, https://de.wikipedia.org/wiki/Aufstand_im_Warschauer_Ghetto#/media/Datei:Stroop_Report_-_Warsaw_Ghetto_Uprising_06b.jpg

Autor/-in unbekannt (Franz Konrad confessed to taking some of the photographs, the rest was probably taken by photographers from Propaganda Kompanie nr 689.[1][2]) und 2 weitere Urheber – en:Image:Warsaw-Ghetto-Josef-Bloesche-HRedit.jpg uploaded by United States Holocaust Museum Dieses Bild wurde digital nachbearbeitet. Folgende Änderungen wurden vorgenommen: artifacts and scratches removed, levels adjusted, and image sharpened. Das Originalbild kann hier eingesehen werden: Stroop Report – Warsaw Ghetto Uprising 06.jpg. Bearbeitet von Durova.

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