30. März 2025: Rückschau: Kaisermühlen erinnert

Am 11. November 2024 fand die offizielle Fotosession beim ehemaligen Wohnhaus von Roman Haller Am Kaisermühlendamm 5 (Hochhaus) in Wien-Donaustadt statt. Dass es dazu kam ist der jahrelangen Bemühung von den MitarbeiterInnen der Sektion 11 zu verdanken. Ein Wermutstropfen bleibt, unser ursprünglicher Antrag war, dass der in der NS-Zeit errichtete Gemeindebau in der Moissigasse 19 nach Roman Haller benannt wird (Die beiden Wohnhausanlagen liegen nur knapp einen Kilometer auseinander.). Dies wurde seitens der zuständigen Stadträtin und ihren MitarbeiterInnen mit bürokratischen Argumenten abgelehnt. Als Kompromiss kam es daher zu dieser Gedenktafel. Das über der Gedenktafel ersichtliche Bild, eine Lithographie Titel: „Im Mond“, wurde nur für die Fotosession aus meinem Privatbesitz angebracht.

Wer war Roman Haller?

Roman Haller, 1920 in Wien geboren, schaffte im Sommer 1939 die Aufnahme in die Kunstgewerbeschule. Gleichzeitig musste er zur Musterung und wurde der Marine zugeteilt. Wegen der Inskription an die Kunstgewerbeschule bekam er ein Jahr Aufschub, 1940 wurde er dann doch zum Militär eingezogen. Während eines 14-tägigen Weihnachtsurlaubs, gemeinsam mit einem Freund, versuchten beide über Jugoslawien nach Griechenland und dann weiter nach Palästina zu gelangen. Dieser Versuch misslang und in weiterer Folge wurde Haller erst von der Gestapo Wien festgenommen und verhört, und dann vom Gericht des Wehrkreiskommandos 17 in Wien, wegen Entziehung von der Wehrdienstplicht, zu 2 ½ Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Strafe wurde auf Bewährung ausgesetzt und er wurde in Bremerhaven stationiert.

Am 27. Februar 1945, mit einem Überstellungsbefehl von Bremerhaven nach Triest, desertierte er in Wien. Er versteckte sich in den Auwäldern bei Kritzendorf bis zum Kriegsende am 8. Mai 1945.

Seit den 1950iger Jahren arbeitete er u. a. als Mosaikkünstler. Er gestaltete an die 20 Mosaike für diverse Wohnhäuser der Gemeinde Wien und anderer Auftraggeber. Mit seinem Freund Alfred Hrdlicka war er 1965 Mitorganisator bei den Demonstrationen gegen Taras Borodajkewycz und stand mit ihm in vorderster Linie gegen Neonazismus und Antisemitismus. Roman Haller war Assistent (1966) von Rudolf Hausner (ein Vertreter der „Wiener Schule des Phantastischen Realismus“) an der staatlichen Kunsthochschule in Hamburg. 1968 war er Professor an der École Montolieu in Montreux. 1971 kehrte er nach Wien zurück. 1990/91 unterrichtete er in Muskat und im Sultanat Oman.

Roman Haller war ein aufrechter, ehrlicher und vor allem sensibler Mensch wie es nur wenige gibt. Er verstarb am 5. Mai 2010.

Text von Wilhelm Soucek

Foto: Erinnerungstafel Haller.jpg                               Credit: Jannis Pfleging

V. l. n. r.: Ruth Becher, Karin Sommer, Joe Taucher, Ernst Nevrivy, (hockend) Nico Pretterhofer, Wilhelm Soucek, Muna Duzdar, Maria Mischek und John Sichtar

Quelle „Der Sozialdemokratische Kämpfer 1_2_3_2025“
Hier geht es zur gesamten Ausgabehttp://www.freiheitskaempfer.at/wp-content/uploads/2025/03/Kaempfer-1_2_3_2025.pdf

Hinterlasse einen Kommentar