18. August 2022: Zum 150. Geburtstag von Hugo Bettauer

Hugo Betthauer wurde am 18. August 1872 als Sohn Sohn des Börsenarrangeurs Arnold Betthauer und seiner Gattin Anna in Baden bei Wien geboren. Nach dem Besuch des Franz-Joseph-Gymnasiums (1., Stubenbastei), an dem zeitweise Karl Kraus sein Mitschüler war, trat er am 20. Juli 1890 vom jüdischen zum evangelischen Glauben über. Im Zuge der Konversion beantragte er die Änderung der Schreibweise seines Namens von Hugo Betthauer in Maximilian Hugo Bettauer. Im selben Jahr ging er als Einjährig-Freiwilliger zu den Kaiserjägern nach Tirol, desertierte jedoch nach fünf Monaten und floh nach Zürich. Nach dem Tod seiner Mutter wanderte Bettauer mit seiner ersten Gattin Olga Steiner in die USA aus, wo er durch eine Fehlinvestition das väterliche Erbe verlor, jedoch in New York die amerikanische Staatsbürgerschaft erlangte. Dieser Ehe entstammte der Berliner Versicherungsvertreter Gustav Hellmuth (Helmut) Bettauer (*1899), der 1944 im Konzentrationslager Auschwitz verstarb.

1899 kehrte Hugo Bettauer aus den Vereinigten Staaten nach Europa zurück und ließ sich in Berlin nieder, wo er die Redaktion des Lokalteils der „Berliner Morgenpost“ übernahm. Durch seinen investigativen Journalismus geriet er mit der Polizei und den Behörden in Konflikt. Nach einer gerichtlichen Verurteilung und einer Freiheitsstrafe wurde Bettauer 1901 aus Preußen ausgewiesen. Danach führte ihn seine berufliche Tätigkeit nach München und Hamburg, bevor er 1904 ein weiteres Mal in die USA auswanderte. Mit seiner zweiten Gattin Helene Müller, die er während der Überfahrt heiratete, hatte er wieder einen Sohn, den amerikanischen Juristen Reginald Parker (1904–1967).

In den USA gelang ihm 1907 – mit Fortsetzungsromanen für das zum Hearst-Konzern gehörende „New Yorker Morgen-Journal“ – der journalistische Durchbruch. 1908 kehrte Bettauer nach Österreich und 1910 nach Wien zurück. Hier arbeitete er 1914 bis 1918 als Redakteur der „Neuen Freien Presse“. Im Jahr 1917 soll er sich mit Stefan Zweig des Öfteren im Café Beethoven getroffen haben (1., Universitätsstraße 11).

Nach dem Ersten Weltkrieg erschienen seine bedeutendsten Romane: „Die Stadt ohne Juden. Ein Roman von übermorgen“ (1922), „Der Kampf um Wien“ (1923), „Die freudlose Gasse“ (1924) und „Das entfesselte Wien“ (1924). Als Boulevardjournalist wandte er sich einem Tabu seiner Zeit zu, der nicht (ausschließlich) in ehelichen Beziehungen gelebten Sexualität. 1924 gab er gemeinsam mit Rudolf Olsen „Er und Sie. Wochenschrift für Lebenskultur und Erotik“ heraus, die er jedoch infolge mehrerer Beschlagnahmungen mit Nummer 5 einstellte (im sogenannten Pornographie-Prozess wurde er allerdings im September 1924 freigesprochen) und durch „Bettauers Wochenschrift. Probleme des Lebens“ (Aufklärung und Ratschläge für zwischenmenschliche Beziehungen) ersetzte, die ebenfalls großen Erfolg hatte. Zeitweise trat Bettauer auch als Conferencier im „Simpl“ auf.

Hugo Bettauers offener Umgang mit Erotik und Sexualität, wozu sein Eintreten für die Straffreiheit von homosexuellen Beziehungen ebenso zu zählen ist wie für die Abschaffung des Abtreibungsverbots, empörte und polarisierte auch die politische Öffentlichkeit. Bundeskanzler Seipel nutzte die Person Hugo Bettauer in einem öffentlichen Auftritt am 13. März 1924 für einen konservativ-reaktionären Rundumschlag gegen das Rote Wien unter Bürgermeister Karl Seitz, indem er diesen aufforderte, „sich offen zum Prinzip der Entsittlichung und Verseuchung des Volkes bekennen, […] sich Seite an Seite mit den literarischen Schmutzfinken [zu] zeigen.“

Seipels Auftritt führte in der darauffolgenden Gemeinderatssitzung vom 21. März 1924 zu einer heftigen Debatte über die journalistische Arbeit Bettauers als Herausgeber von „Bettauers Wochenschrift“, die sich zu einer Schlägerei zwischen christlichsozialen und sozialdemokratischen Parteigängern auswuchs. Angestachelt von der Aufforderung des Bundeskanzlers, gegen Schmutz und Schund zu kämpfen, hatte der christlichsoziale Gemeinderat Anton Orel durch seine antisemitische Äußerung, „dass von einem Juden Bettauer eine Zeitschrift herausgegeben worden sei, die voll jüdischer Schweinereien eine wahre Pestseuche für die Jugend bedeutet. Es dürfe nicht angehen, dass solche jüdischen Produkte das christliche Volk zugrunde richten […]“ den Tumult ausgelöst.

Gegen Bettauer wurde in weiterer Folge eine nationalsozialistisch-antisemitisch motivierte Hetzkampagne begonnen. Dieser fiel er schließlich zum Opfer, als der beschäftigungslose Zahntechniker Otto Rothstock (1904–1990), ein fanatisierter Gegner seiner Schriften, am 10. März 1925 in seinen Redaktionsräumen in 8., Lange Gasse 7, ein Revolverattentat auf ihn verübte. Fälschlicherweise gibt das Totenbeschauprotokoll als Bettauers Alter 46 Jahre an.

Rothstock wurde daraufhin in eine Anstalt eingewiesen, 1927 entlassen und blieb von weiterer Strafverfolgung unbehelligt. Hugo Bettauer selbst verstarb an den Folgen des Attentats im Allgemeinen Krankenhaus.

2009 wurde der Hugo-Bettauer-Platz nach dem Schriftsteller und Journalisten benannt.

Quelle:

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Hugo_Bettauer

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: