2. Jänner 2026: Jahrestag der Abschaffung der Folter in Österreich 1776

In allen österreichischen Ländern der Habsburgermonarchie wird unter dem Einfluss von Joseph von Sonnenfels per Erlass der Erzherzogin Maria Theresia die Folter abgeschafft.

Fortschritt durch Aufklärung: Wie die Abschaffung der Folter 1776 den Weg zur modernen Zivilgesellschaft ebnete

Am 2. Jänner 1776 setzte Maria Theresia ein Zeichen gegen die Barbarei: Die offizielle Abschaffung der Folter in den österreichischen Erblanden war ein Meilenstein der Rechtsgeschichte. Doch dieser Sieg der Menschlichkeit war kein Geschenk von oben – er war das Ergebnis hartnäckiger Bildungsarbeit und aufklärerischen Denkens.

Ein Wendepunkt der Geschichte

Lange Zeit galt die „Tortur“ als legitimes Mittel der Wahrheitsfindung. Noch 1769 wurde sie in der Constitutio Criminalis Theresiana detailliert kodifiziert. Doch der Geist der Aufklärung war nicht mehr aufzuhalten. Unter dem massiven Einfluss des Staatsrats und Gelehrten Joseph von Sonnenfels sowie ihres Sohnes Joseph II. lenkte die Erzherzogin schließlich ein.

Mit dem Erlass vom 2. Jänner 1776 wurde die Folter in den österreichischen Ländern verboten. Damit folgte Österreich Vorreitern wie Preußen und setzte ein Signal, das weit über die Grenzen der Monarchie hinausstrahlte.

Joseph von Sonnenfels: Bildung als politisches Werkzeug

Für uns als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten ist besonders die Rolle von Joseph von Sonnenfels von Interesse. Er war kein bloßer Theoretiker, sondern ein Vordenker der sozialen Bildung.

  • Wissen gegen Gewalt: Sonnenfels argumentierte, dass ein moderner Staat seine Bürger nicht durch Angst und Schmerz, sondern durch Gesetzmäßigkeit und Vernunft lenken müsse.
  • Bildung für alle: Er erkannte früh, dass Rechtsstaatlichkeit nur dort gedeihen kann, wo Menschen durch Bildung zur Teilhabe befähigt werden. Sein Engagement zeigt: Fortschritt braucht mutige Intellektuelle, die den Mächtigen die Stirn bieten.

Warum das heute für uns wichtig ist

Die Abschaffung der Folter war der erste Schritt auf einem langen Weg zur universellen Geltung der Menschenrechte. In der sozialdemokratischen Bildungsarbeit lehren wir, dass Rechte niemals selbstverständlich sind.

  1. Rechtssicherheit statt Willkür: Die Reform von 1776 markiert den Übergang vom Untertanen zum Rechtssubjekt.
  2. Humanismus als Kernwert: Die Würde des Menschen ist unantastbar – ein Grundsatz, der in unseren Programmen tief verwurzelt ist.
  3. Kampf gegen die Todesstrafe: Nur wenige Jahre später, 1787, ging Joseph II. noch weiter und schaffte (zeitweise) auch die Todesstrafe ab, inspiriert durch die gleichen humanistischen Ideale.

Bildung ist der Motor der Freiheit

Die Ereignisse von 1776 lehren uns, dass gesellschaftlicher Wandel durch die Verbindung von Aufklärung, Bildung und politischem Willen geschieht. Joseph von Sonnenfels nutzte seine Position, um die Grausamkeit des Staates zu beenden. Heute führen wir diesen Kampf fort: Für eine Welt, in der Bildung die stärkste Waffe gegen Unterdrückung und Unmenschlichkeit bleibt.

Quellen:
https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Joseph_von_Sonnenfels
https://www.habsburger.net/de/kapitel/von-torturen-und-todesstrafen
https://www.habsburger.net/de/kapitel/von-torturen-und-todesstrafen
https://www.onb.ac.at/mehr/blogs/detail/250-jahre-maria-theresianische-schulreform
https://www.zivildienst.gv.at/zivildiener/e-learning-zivildiener/e-learning-2-herrschaft-der-habsburger.html

Titelbild:
https://de.wikipedia.org/wiki/Folter#/media/Datei:Theresiana-Hochziehen.jpg Lizenz gemeinfrei

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